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stell Dir vor, ein Auto wird zum besten der Welt gekürt und die Aktie fällt trotzdem um 20 %. Genau das ist BMW vor Kurzem passiert. Diese Lücke zwischen Produkt und Kurs ist spannend.

In dieser Ausgabe nehmen wir die BMW-Aktie für Dich auseinander: Value-Chance oder teure Falle? Dividende, China, Zölle, neuer Chef – alles drin.

Und weil BMW nicht allein im Ring steht, schauen wir auch auf die Nachbarn. Einer der spannendsten Werte ist dabei gar kein Autobauer. Schnall Dich an. Es wird eine rasante Runde.

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Wunschanalyse

🚗 BMW: Premium-Krone verteidigt, Marge verloren

Der neue iX3 von 👉BMW holte am 2. April auf der New Yorker Auto Show einen Doppelsieg bei den World Car Awards, gewählt von 98 Journalisten aus 45 Ländern: gleichzeitig „World Car of the Year" und „World Electric Vehicle". Es war BMWs erster Gesamtsieg seit dem 3er von 2006. Die Aktie? Schloss am 31. Mai bei 74,76 Euro und damit rund 20 % tiefer als ein Jahr zuvor. Diese Lücke zwischen Produkt und Kurs ist die eigentliche Geschichte. 

Der iX3 ist das erste Modell der „Neuen Klasse", 👉BMWs nach eigener Aussage größtem Projekt der Firmengeschichte. Der Name ist bewusst gewählt: Schon einmal, in den 60ern, rettete eine „Neue Klasse" den Konzern vor dem Aus. Dieses Mal geht es um eine komplett neue Elektro-Architektur, gebaut im neuen Werk Debrecen in Ungarn, in das BMW über 2 Milliarden Euro gesteckt hat.

Die Technik liefert starke Argumente. Der iX3 50 schafft bis zu 805 Kilometer nach WLTP-Norm und lädt mit bis zu 400 Kilowatt. In 10 Minuten kommen 372 Kilometer Reichweite dazu. Ein Demonstrationsfahrzeug rollte 1.007 Kilometer von Debrecen nach München, ohne einmal nachzuladen. Bis Ende 2027 sollen die Technologien in mehr als 40 neue oder überarbeitete Modelle fließen, darunter ein neuer 3er.

Und der Markt zieht mit: über 50.000 Vorbestellungen allein in Europa bis Ende März, eine zweite Produktionsschicht wurde vorgezogen. Die Wette auf eine reine E-Plattform geht also bislang recht gut auf.

Warum dann die Skepsis am Markt? Die Antwort heißt China. Der wichtigste Einzelmarkt (knapp 19 % des Konzernumsatzes) brach 2025 um 12,5 % ein, auf 625.527 Fahrzeuge. Das ist das Niveau von 2017, weit entfernt vom Rekord 2021 mit rund 848.000 Stück. Es war der einzige Markt mit einem Minus.

Schuld sind lokale Angreifer wie 👉BYD, 👉NIO und 👉Xiaomi. Allein der Xiaomi SU7 verkaufte sich 2025 über 258.000 Mal und überholte damit Teslas Model 3 in China. Die neue SU7-Generation bietet 800-Volt-Technik und LiDAR serienmäßig ab umgerechnet rund 28.000 Euro. Und das ist ein Preisniveau, das 👉BMW nicht ansatzweise halten kann.

Der Druck zwingt zu Rabatten: Beim Top-Modell i7 gewährte 👉BMW Nachlässe von umgerechnet über 43.000 Dollar. BMW kontert mit der „In China, for China"-Strategie und Partnern wie Huawei, Momenta und CATL. Aber die Margen leiden hier am stärksten.

Die zweite Belastung sind die US-Zölle. 25 statt vormals 2,5 % auf deutsche Importe kosteten 👉BMW im vergangenen Jahr über 1 Milliarde Euro. Doch hier hat BMW einen Vorteil, den viele übersehen: Das Werk Spartanburg in South Carolina ist BMWs größtes weltweit und war 2025 der wertmäßig größte Auto-Exporteur der gesamten USA: knapp 200.000 Fahrzeuge im Wert von 9 Milliarden Dollar. Wer im Zielland produziert, zahlt weniger Zoll. Das ist also ein klarer Vorteil gegenüber Audi, das kaum vor Ort fertigt. CFO Walter Mertl rechnet sogar damit, dass der Zoll-Effekt im zweiten Halbjahr 2026 auf null sinkt. Zusätzlich entsteht in Woodruff ab Ende 2026 ein Batteriewerk für 6 künftige Elektro-SUV.

Mitten in diese Phase fällt der Chefwechsel. Am 14. Mai 2026 übernahm Milan Nedeljković von Oliver Zipse, der nach 7 Jahren als CEO planmäßig ging. Nedeljković ist kein lauter Stratege, sondern der Mann, der Debrecen und die effiziente „iFactory"-Produktion aufgebaut hat.

Die Botschaft ist eindeutig: Kontinuität statt Kurswechsel. Aufsichtsratschef Nicolas Peter lobt seine „strategische Weitsicht" und sein Talent für „sehr fokussiertes Ressourcenmanagement". In einer Phase, in der es ums Skalieren und ums Kostensparen geht, ist ein Produktionsexperte vielleicht die nüchternere, aber passendere Wahl als ein Tech-Visionär.

Schauen wir auf die harten Fakten. 2025 fiel der Umsatz um 6,3 % auf 133,5 Milliarden Euro, der Nettogewinn um 3 % auf 7,45 Milliarden. Die EBIT-Marge im Autogeschäft, also der operative Gewinn je 100 Euro Umsatz, sackte auf 5,3 %, den schwächsten Wert seit der Pandemie. Früher waren zweistellige Margen normal.

Trotzdem steht 👉BMW relativ stark da. 👉Mercedes halbierte 2025 fast seinen Gewinn, 👉Volkswagen verlor 38 %. Bei den Verkäufen verteidigte BMW die Premium-Krone mit 2,17 Millionen Fahrzeugen klar vor Mercedes und Audi. Und bei reinen Elektroautos liegt BMW mit 442.072 Stück deutlich vor beiden Rivalen zusammen.

Das erste Quartal 2026 bestätigt das Muster: Die Marge wurde bei 5 % gehalten, aber das Vorsteuerergebnis brach um fast ein Viertel ein, und die E-Auto-Verkäufe fielen um 20 %. Ein echtes Übergangsjahr eben.

Kommen wir zur Dividende. Für 2025 zahlt 👉BMW 4,40 Euro je Aktie. Daraus ergibt sich beim aktuellen Kurs eine Rendite von rund 5,9 %.

Wichtig zu verstehen: Diese hohe Rendite kommt nicht von einer explodierenden Ausschüttung, sondern vom gefallenen Kurs. Eine Aktie, die 20 % verliert, wirft bei gleicher Dividende eben automatisch mehr Rendite ab. Die Ausschüttungsquote bleibt mit Blick auf den erwarteten Gewinn 2026 (rund 4,14 Euro Dividende bei knapp 11 Euro Gewinn je Aktie) bei etwa 38 % und damit im gesunden Bereich. Zusätzlich kauft 👉BMW eigene Aktien für bis zu 2 Milliarden Euro zurück.

Bleibt die Kernfrage. Die Aktie kostet beim Kurs-Gewinn-Verhältnis nur etwa 6,8 – günstig, aber für die zyklische Autobranche nicht ungewöhnlich. Die Analystengemeinschaft ist gespalten: Das Konsens-Kursziel liegt bei 93,23 Euro, gut 25 % über dem aktuellen Kurs, mit einer Spanne von 82,50 Euro (Barclays, skeptisch) bis 108 Euro (Bernstein, optimistisch).

Bernstein nennt 👉BMW den „Wayne Gretzky der Autoindustrie" – immer dort, wo der Puck als Nächstes landet. UBS dagegen bleibt wegen China vorsichtig. Beide Lager haben womöglich recht: Stabilisiert sich China und greift die Zoll-Entlastung, liegt hier echtes Aufholpotenzial. Tut sich nichts, bleibt es eine billige Aktie aus gutem Grund. Die nächsten Datenpunkte, also der i3-Start im Sommer und die China-Zahlen, werden zeigen, welche Lesart stimmt.

Peers

Die spannendsten Aktien im BMW-Universum

Wer rund um 👉BMW nach Aktien sucht, denkt zuerst an 👉Mercedes oder 👉Volkswagen und übersieht dabei die spannendsten Geschichten. Denn im BMW-Umfeld liegen ganz unterschiedliche Welten: die deutschen Premium-Rivalen, die chinesischen Angreifer und die Tech-Partner im Hintergrund. Wir zeigen Dir jetzt, welcher Name den stärksten Burggraben hat, und es ist keiner der Autobauer.

👉Mercedes ist der erste Reflex, und die Bewertung wirkt vertraut. Beide Konzerne wiegen an der Börse rund 50 Milliarden Euro, beim Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt BMW bei etwa 6,8, Mercedes je nach Quelle bei 10. Der Unterschied steckt im Geschäftsmodell: Mercedes setzt aufs absolute Luxussegment und verdient pro Fahrzeug mehr als die Bayern.

Der eigentliche Graben bei 👉Mercedes ist die Marke. Der Stern besitzt eine Preismacht, die weltweit kaum ein Hersteller erreicht. Doch die Aktie schwankt recht nervös: Das Beta von 1,31 bedeutet kräftigere Ausschläge als der Gesamtmarkt, während BMW mit 0,96 ruhiger läuft. 

👉Volkswagen ist der Riese der Runde. Über 324 Milliarden Euro Umsatz stehen für 2025 in den Büchern, doch davon blieben nur 6,9 Milliarden als Nettogewinn übrig. Die Markenbreite von VW über Audi bis Lamborghini ist ein Vorteil, die Eigentümerstruktur dagegen eine Dauerbaustelle: Die Porsche-Holding hält 53,3 % der Stimmrechte, das Land Niedersachsen 20 %. Familien- und Landesinteressen ziehen selten am selben Strang.

Wer gezielt auf die Luxusmarke setzen will, kann 👉Porsche separat handeln. Aktuell knirscht es dort allerdings hörbar. Zuletzt kappte das Management die Prognose für die operative Umsatzrendite auf bis zu 2 %, nach zuvor erwarteten 5 bis 7. Hinzu kommen rund 3,1 Milliarden Euro Sonderaufwendungen für die Neuausrichtung der E-Strategie. Selbst die begehrteste Sportwagenmarke leidet unter dem zu schnell geplanten Umstieg.

👉BYD ist der Angreifer, der BMW in China das Leben schwer macht. Das Unternehmen startete einst als Batteriehersteller und kontrolliert heute die gesamte Kette vom Zellmaterial über die Leistungselektronik bis zur Montage. Diese vertikale Integration erlaubt aggressive Preise, ohne die Profitabilität ganz zu opfern. Das sehen viele Analysten derzeit als Vorteil, den westliche Hersteller nicht haben.

Der Umsatz kletterte 2025 auf knapp 804 Milliarden Yuan, die große Wachstumsfantasie liegt vor allem im Ausland. Für 2026 plant 👉BYD 1,5 Millionen im Ausland verkaufte Fahrzeuge und baut dafür Werke in Europa und Lateinamerika, auch um Zölle zu umgehen. Der Haken: Der Preiskampf drückte 2025 die Bruttomarge auf ein Dreijahrestief. Kostenführerschaft schützt eben nicht vor selbst entfachten Rabattschlachten.

👉Xiaomi ist vielleicht eher ein Sonderfall. Der Gesamtumsatz stieg 2025 um 25 % auf 457,3 Milliarden Yuan, der bereinigte Nettogewinn lag bei 39,2 Milliarden. Den Schub liefert das junge Auto- und KI-Geschäft: Dessen Umsätze schnellten um 223,8 Prozent auf 106,1 Milliarden Yuan nach oben, und die Sparte schrieb erstmals operativ schwarze Zahlen.

Das große Thema heißt hier „Human × Car × Home". Gelingt die Umsetzung, bewertet die Börse 👉Xiaomi nicht mehr als Handy- oder Autobauer, sondern als verzahntes Technologie-Ökosystem mit wiederkehrenden Erlösen. Über eine Milliarde vernetzter Geräte binden die Kunden ähnlich wie bei Apple, nur breiter gestreut. Die Schwachstelle sitzt aber ausgerechnet im Fundament: Das Smartphone-Kerngeschäft wuchs zuletzt nur um 5,4 %, die Handy-Umsätze sanken sogar.

Ein Geheimtipp in Sachen Burggraben ist kein Autobauer, sondern ein Chip-Konzern. 👉Qualcomm verdient in zwei Welten: mit Snapdragon-Prozessoren und Modems sowie mit der Lizenzierung von Patenten zu Mobilfunkstandards wie 4G und 5G. Genau dieses Lizenzgeschäft ist der stärkste Graben.

Viele Hersteller müssen 👉Qualcomms Patente nutzen, um überhaupt kompatible Geräte zu bauen. Das bringt wiederkehrende Einnahmen, die kaum von einzelnen Produktzyklen abhängen. Im High-End-Smartphone-Segment liegt der Marktanteil nahe 100 %. Die Wachstumsfantasie liefert das Auto: Im zweiten Quartal 2026 sprang der Automotive-Umsatz um 38 % und trug zum Rekord bei. Das Risiko ist dabei die starke Abhängigkeit vom Großkunden Apple.

Zum Schluss ein Kontrast, der BMWs relative Stärke noch ein wenig unterstreicht: 👉Continental hat große Probleme und spaltete im September 2025 seine schwache Autozuliefersparte ab, um zum reinen Reifenhersteller zu werden. 👉Schaeffler kommt dank breiterem Portfolio besser durch, streicht aber dennoch 4.700 Stellen in Europa. Wer diese Brüche sieht, versteht, warum ein Gewinnrückgang von 3 % bei 👉BMW fast schon nach Stärke aussieht.

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