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stell Dir vor, Du könntest in einen exklusiven Klub eintreten, bevor er die Türen offiziell öffnet. Genau darum geht es bei Aktien, die kurz davorstehen, ihre allererste Dividende auszuschütten.

Morgan Stanley hat vor wenigen Tagen 16 große Namen herausgefiltert, die alle prall gefüllte Kassen haben. Manche kennst Du aus Deinem Kleiderschrank, andere aus dem Wartezimmer oder aus den sozialen Netzwerken.

Warum dieser Moment des Einstiegs historisch meist viel Geld wert war, klären wir heute. Welche Firmen davon wirklich ernst zu nehmen sind, liest Du danach.

Eines verraten wir jetzt schon: Volle Kassen allein reichen nicht.

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Studie

💰 Warum die spannendsten Dividenden noch gar nicht fließen

10,22 % pro Jahr seit 1973: Das haben Unternehmen abgeworfen, die ihre Dividende erst einführen und sie dann Jahr für Jahr erhöhen. Firmen, die gar nichts ausschütten, brachten es im selben Zeitraum auf magere 4,21 %. Aus einem einzigen Dollar wurden bei den Erstausschüttern und Erhöhern 17.375 Dollar, bei den Nicht-Zahlern nur 888. Die wirklich spannende Frage lautet deshalb nicht, wer schon zahlt, sondern wer als Nächstes anfängt.

Genau auf diese Frage hat sich 👉Morgan Stanley gestürzt und 16 Kandidaten herausgefiltert. Zuerst wollen wir aber klären, warum dieser Übergang vom Nicht-Zahler zum Erstausschütter überhaupt so viel Geld wert sein soll und wo die Wissenschaft widerspricht.

Morgan-Stanley-Stratege Todd Castagno und sein Team legten zwei harte Filter an. Erstens eine Netto-Cash-Position von mehr als 5 % der Marktkapitalisierung. Zweitens eine Free-Cashflow-Rendite über 5 % – das ist im Grunde die Dividendenrendite, nur dass statt der Ausschüttung der frei verfügbare Cashflow ins Verhältnis zum Kurs gesetzt wird.

Wer beide Hürden nimmt und mehr als 10 Milliarden Dollar wert ist, landet auf der Liste. Eine frühere Version des Screens vom November 2025 ließ noch eine FCF-Rendite von 3 % genügen, jetzt sind es 5. Das Sieb wurde also dichter. Übrig bleiben nur Firmen, die genug Geld erwirtschaften, um eine Ausschüttung locker zu stemmen.

Castagnos Kernbefund klingt verlockend: Firmen, die eine reguläre Quartalsdividende einführen, schlugen den Markt im Schnitt um 650 Basispunkte in den 6 Monaten danach und um 1.000 Basispunkte über 12 Monate. Ein Basispunkt ist ein Hundertstel Prozent, 10 Prozentpunkte Vorsprung sind also eine echte Ansage.

Diese Zahlen schwanken jedoch zwischen den Messpunkten. Im November 2025 nannte Castagno noch 920 Basispunkte über 12 Monate, eine Stichprobe von 2024 mit über 300 Erstausschüttungen seit dem Jahr 2000 ergab 9,2 Prozentpunkte. Es sind historische Durchschnitte, keine Garantien für die nächste Aktie.

Interessant ist auch, wie hoch solche Firmen einsteigen. Laut Castagno starten die meisten Erstausschütter bei rund 2 % Anfangsrendite. Am höchsten beginnen klassische Sektoren wie Versorger und Energie, am niedrigsten die Techies.

Die meistzitierte Datenreihe stammt von Hartford Funds, gespeist von Ned Davis Research, Stand Ende 2025. Über den Zeitraum 1973 bis 2025 liefern die Erstausschütter und Erhöher ihre 10,22 % pro Jahr, und zwar bei der niedrigsten Schwankungsbreite aller Gruppen. Reine Zahler kamen auf 9,2 %, Firmen ohne Dividendenänderung auf 6,87 %.

Am unteren Ende steht, wer kürzt oder streicht: -0,96 Prozent jährlich, bei der höchsten Volatilität von 24,80 %. Eine Dividendenkürzung ist also nicht nur ein Stimmungstöter, sondern historisch ein handfester Renditekiller. Der Markt liest sie als Eingeständnis, dass das Geschäft schwächelt.

Ein zweiter Befund: 85 % der gesamten S&P-500-Rendite seit 1960 stammen aus erneut investierten Dividenden und dem Zinseszinseffekt. Die mediane Dividendenrendite lag in diesem Zeitraum bei 2,83 % – nicht spektakulär, aber über Jahrzehnte hinweg der eigentliche Motor.

Drei akademische Klassiker stützen die These zwar: Asquith und Mullins fanden 1983 abnormale Renditen von rund 3,7 % rund um eine Erstausschüttung. Michaely, Thaler und Womack zeigten 1995 eine Dreitagesreaktion von +3,4 % bei Initiierungen, gefolgt von einem langfristigen Kursdrift in dieselbe Richtung.

Doch dieselbe Forschung mahnt zur Vorsicht. Eine Studie von 1999 dokumentiert, dass 40 % der Firmen, die eine Dividende einführen, am Ankündigungstag eine negative Kursreaktion erleben. Andere Arbeiten finden den Vorteil bei wertgewichteter Betrachtung gar nicht mehr, und ob eine Dividende künftige Gewinnsteigerungen vorhersagt, bleibt bis heute umstritten.

Dazu kommt ein wichtiges Verhaltensmuster. Die Substitutionshypothese von Grullon und Michaely besagt, dass junge Wachstumsfirmen den Aktienrückkauf der Dividende vorziehen, weil er flexibler ist. Eine Dividende ist ein Versprechen, ein Rückkauf nicht. Und genau deshalb zögern manche Kandidaten, obwohl die Kasse voll ist.

In Deutschland fehlt eine vergleichbare Kandidatenliste fast völlig. Stattdessen dreht sich die Debatte um Dividendenaristokraten, also Konzerne mit mindestens 25 Jahren ununterbrochener Erhöhung. 👉Fresenius erreichte den Titel 2018 als erster deutscher Wert, verlor ihn aber 5 Jahre später wieder. Seitdem haben wir hierzulande keinen einzigen Aristokraten.

Im DAX zeigt sich derweil ein Warnsignal: 2025 zahlten die 40 Konzerne rund 54 Milliarden Euro, obwohl die Gewinne um 21 % einbrachen. Die Ausschüttungsquote sprang dadurch von 44,5 auf 56,3 %. Ein immer größerer Teil des schrumpfenden Gewinns wird also ausgekehrt.

Für 2026 liegen widersprüchliche Prognosen vor. Das Handelsblatt erwartet knapp 52 Milliarden Euro und damit den ersten Rückgang seit dem Corona-Jahr 2020, getrieben von Kürzungen der Autobauer. Die jüngere EY-Analyse vom April 2026 sieht dagegen einen Anstieg um 5,9 % auf knapp 55,3 Milliarden Euro, mit der 👉Allianz als größtem Zahler. In beiden Lesarten gilt: Die Autobranche kürzt, die Versicherer tragen den Rekord.

Investment-Ideen

📋 Die Namen und welche Du davon ernstnehmen solltest

Jetzt wird es konkret. Denn eine Cash-Rendite über 5 % macht eine Firma noch lange nicht zum sicheren Erstausschütter. Entscheidend ist, was sie mit dem Geld vorhat und wie sauber die Bilanz darunter aussieht.

Das Aushängeschild der Liste von Morgan Stanley ist der Krankenversicherer 👉Centene mit einer Free-Cashflow-Rendite von satten 18 % – mit Abstand der höchste Wert im Feld. "Centene ticks all the boxes for a dividend", urteilt Castagno. Prominente Stimmen stützen den Wert. Hedgefonds-Star David Einhorn pries Centene auf einer Konferenz, weil künstliche Intelligenz die manuellen Routinen eines Versicherers automatisieren könne. 👉Truist hob das Kursziel auf 71 Dollar an, 👉BofA setzte den Titel auf seine bevorzugte Auswahlliste.

Der Haken liegt im Gewinn. Auf Sicht der letzten 12 Monate weist 👉Centene einen negativen Gewinn je Aktie aus, belastet durch Sonderposten und eine schrumpfende Zahl an Obamacare-Versicherten. Das Geschäft litt unter der Schere zwischen Kosten und den Sätzen, die solche Versorger den Bundesstaaten berechnen dürfen. Es scheint sich zu erholen, doch Centene bleibt wohl eher das Investment mit dem höchsten Risiko und der höchsten Chance zugleich.

Ein zweiter spannender Titel ist 👉Deckers, der Hersteller von Ugg-Stiefeln und Hoka-Schuhen, mit 6,7 % Free-Cash-Flow-Rendite. Zum Fiskaljahresende 2026 lagen 1,91 Milliarden Dollar in der Kasse, und zwar ohne jede Finanzschuld. Über 1 Milliarde Dollar an Free Cashflow hat die Firma generiert.

Nur fließt dieses Geld bislang in eine andere Richtung. Das Board weitete den Rückkaufrahmen um 3,5 auf rund 5 Milliarden Dollar aus, allein im Fiskaljahr 2026 kaufte Deckers für fast 1,1 Milliarden Dollar eigene Aktien zurück, rund 10,5 Millionen Stück. Die Prognose für das Fiskaljahr 2027 unterstellt, dass künftig etwa 80 % des freien Cashflows in Rückkäufe gehen.

Genau hier greift die Substitutionshypothese: 👉Deckers verfügt über alles, was eine Dividende bräuchte, bevorzugt aber die flexiblere Variante. Wer auf eine Erstausschüttung setzt, wettet damit gegen die aktuelle Kapitalstrategie des Hauses.

Auf der Morgan-Stanley-Liste stehen 7 Softwarewerte: 👉HubSpot, 👉Zoom, 👉Veeva, 👉Dynatrace, 👉Toast, 👉Okta und 👉The Trade Desk. An Geld mangelt es keinem. Zoom etwa erwirtschaftete im Fiskaljahr 2026 einen Free Cashflow von 1,92 Milliarden Dollar bei 4,87 Milliarden Umsatz. Veeva kam zuletzt auf rund 1,42 Milliarden Dollar Free Cashflow, 👉Dynatrace auf gut eine halbe Milliarde bei 40 % Marge.

👉The Trade Desk zeigt das Muster besonders deutlich. Der Werbespezialist setzte 2025 rund 2,9 Milliarden Dollar um und gab etwa 1,4 Milliarden für Rückkäufe aus statt für eine Dividende. CEO Jeff Green betont die hohe Profitabilität und Cash-Generierung, schweigt aber zu Ausschüttungen.

Trotz starker Zahlen rüsten sich gerade diese Unternehmen für den erwarteten Kampf mit der KI, der ihre Geschäftsmodelle umkrempeln könnte. Wer mitten in einem solchen Umbruch steckt, bindet sich ungern an ein Dividendenversprechen, das später schwer zu kürzen ist. Castagno selbst weist darauf hin, dass Tech-Firmen historisch mit den niedrigsten Anfangsrenditen einsteigen. Das passt ins Bild der Zurückhaltung.

Aus dem Gesundheitssektor kommen neben Centene 5 weitere Namen. 👉BioMarin schaffte es laut Castagno mit einer FCF-Rendite von 10,4 % und einer Netto-Cash-Position von 7,6 % der Marktkapitalisierung auf die Liste. Vor kurzem hat die Firma die 4,8 Milliarden Dollar schwere Übernahme von Amicus Therapeutics abgeschlossen und damit ihre Reichweite bei seltenen Stoffwechselkrankheiten erweitert.

👉Incyte ist mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 13,8 vergleichsweise günstig bewertet und verdiente zuletzt etwa 1,3 Milliarden Dollar netto, getragen vom Leitmedikament Jakafi. 👉United Therapeutics setzte im ersten Quartal 2026 rund 782 Millionen Dollar um, leicht unter Vorjahr. Dazu kommen das profitable Biotech-Unternehmen 👉Neurocrine mit seinem Mittel Ingrezza und der Invisalign-Hersteller 👉Align Technology. Keiner dieser Werte zahlt bislang eine Dividende.

Bei den Konsumwerten stehen neben Deckers noch 👉SoFi und 👉Airbnb. SoFi wuchs im ersten Quartal 2026 um 41 % auf 1,1 Milliarden Dollar Umsatz und verdiente 167 Millionen netto. Doch als Bankholding ist die Firma regulatorisch eingeschränkt. Eine Erstausschüttung ist hier am unwahrscheinlichsten.

👉Airbnb dagegen schwimmt im Geld. Allein im ersten Quartal 2026 spülte das Geschäft 1,70 Milliarden Dollar freien Cashflow herein, über 12 Monate waren es rund 4,5 Milliarden bei 36 % Marge. Bisher kauft Airbnb nur eigene Aktien zurück und hält sich in Sachen Dividende bedeckt.

Merke: Attraktiv sehen sicherlich die Namen mit der saubersten Bilanz und klarer Kapitaldisziplin aus: Deckers mit seinen 1,91 Milliarden Dollar schuldenfreiem Cash sowie 👉Veeva und 👉Zoom mit hohen Netto-Cash-Positionen. Centene lockt mit der höchsten Cash-Rendite, trägt aber das größte Risiko.

Entscheidend ist der richtige Auslöser. Die akademische Evidenz zeigt, dass der Überrenditen-Drift erst nach der tatsächlichen Ankündigung einsetzt. Der konkrete Trigger ist also die erste Erklärung einer regulären Quartalsdividende in einer Mitteilung oder einem Pflichtdokument. Bis dahin signalisieren die aggressiven Rückkäufe bei Deckers und 👉The Trade Desk, dass die Dividende womöglich noch warten muss. Und vergiss nie: Keine der 16 Firmen hat bisher tatsächlich eine Dividende erklärt – alles bleibt Prognose.

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