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wenn du dein Vermögen heute für die nächsten Jahrzehnte aufteilen müsstest, was käme hinein? Aktien, Anleihen, Gold oder vielleicht Immobilien? Wir haben nachgerechnet, welche Mischung seit 1972 am besten funktioniert hat. Das Ergebnis überrascht, und eine Zutat hättest du so wohl kaum erwartet.
Mindestens genauso spannend ist die Frage, was diese Siegerformel für deine Zukunft taugt. Ein Nobelpreisträger liefert dazu eine sehr menschliche Antwort. Viel Spaß beim Lesen!
Analyse
🏆 Das Siegerportfolio seit 1972: Häuser, Aktien, Gold
Stell dir vor, du hättest Anfang 1972 einen einzigen Dollar in den S&P 500 gesteckt, den Index der 500 größten US-Unternehmen, und alle Dividenden wieder angelegt. Bis Ende 2025 wären daraus 35,90 Dollar geworden, und zwar real, also nach Abzug der Inflation. Die spannendere Frage lautet aber: Welche Mischung mehrerer Anlageklassen hat in diesen 54 Jahren die meiste Rendite pro Portion Risiko geliefert? Gemeint ist dabei dein Portfolio im weiten Sinn, also die Aufteilung deines gesamten Vermögens. Dazu zählt auch, was in keinem Wertpapierdepot liegt, etwa ein Haus oder Goldbarren im Schließfach.
Um die Frage zu klären, haben findige US-Analysten jetzt die Jahresrenditen mehrerer Anlageklassen durchgerechnet. Dazu gehören US-Aktien, internationale Aktien aus Europa, Australien und Fernost, REITs, US-Unternehmensanleihen, zehnjährige US-Staatsanleihen und dreimonatige US-Schatzwechsel. Hinzu kommen Gold, ein breiter Rohstoffkorb und US-Wohnimmobilien. REITs sind börsennotierte Immobiliengesellschaften, die den Großteil ihrer Gewinne ausschütten und dafür steuerlich begünstigt sind.
Beim reinen Vermögenszuwachs lässt der S&P 500 alle hinter sich. Auf Rang zwei landet Gold mit 12,89 Dollar aus einem Dollar. Knapp dahinter folgen REITs mit 12,26 Dollar und internationale Aktien mit 11,27 Dollar, also fast ein Faktor drei Abstand zum Spitzenreiter.
Gold ist dabei ein echter Charakterdarsteller: In 13 von 54 Jahren war das Edelmetall die beste Anlageklasse, in 11 Jahren aber auch das Schlusslicht, genau wie die Rohstoffe. Das beste Jahr brachte 1979 real 106 % Plus, das schlechteste folgte schon 1981 mit -37,6 %. Die Standardabweichung, das gängige Maß dafür, wie stark Renditen um ihren Durchschnitt pendeln, lag bei Gold bei 24,7 % pro Jahr. Das ist der höchste Wert aller neun Klassen. Wie lang Durststrecken dauern können, zeigt der Januar 1980: Der damalige Spitzenpreis von 850 Dollar je Unze wurde inflationsbereinigt erst im September 2025 übertroffen, nach rund 45 Jahren.
Am anderen Ende der Tabelle stehen die Rohstoffe. Aus einem Dollar wurden real 42 Cent, und das bei einer Schwankung von 14 % pro Jahr. Gemessen wurde allerdings mit einem reinen Preisindex, der Zinserträge auf hinterlegte Sicherheiten und Effekte beim Wechsel von Terminkontrakten ausklammert. Ein Rohstoff-ETF hätte also etwas anders abgeschnitten. Am ruhigsten verlief die Reise mit dreimonatigen US-Schatzwechseln, die praktisch Bargeld entsprechen. Der Preis für diese Ruhe war hoch: Aus einem Dollar wurden in 54 Jahren gerade einmal 1,14 Dollar Kaufkraft.
Besonders aufschlussreich sind Jahre mit mehr als 4 % Inflation. Dann rentierte der S&P 500 im Schnitt 11 Prozentpunkte schlechter als in ruhigen Jahren. Beim Median, dem mittleren Wert einer sortierten Reihe, waren es sogar 17 Punkte. Auch internationale Aktien, REITs und beide Anleihearten schnitten klar schwächer ab, während Rohstoffe im Mittel 2,9 Punkte zulegten.
Nun zur Siegerformel. Gesucht war das Portfolio mit der höchsten Sharpe Ratio, also der größten Mehrrendite gegenüber dem risikolosen Zins. Heraus kamen 36 % Wohnimmobilien, 27 % S&P 500, 18 % Gold, 16 % zehnjährige Staatsanleihen und 3 % REITs. Schatzwechsel fehlen zwangsläufig, weil sie in dieser Rechnung selbst den risikolosen Zins darstellen. Aber warum stellen ausgerechnet Häuser die größte Position? Der verwendete Hauspreisindex wird geglättet aus tatsächlichen Verkäufen berechnet und schwankt deshalb auf dem Papier wenig. Mieteinnahmen fehlen darin ebenso wie Ausgaben für Instandhaltung, Steuern und Makler. Die Rechnung bildet ein echtes Eigenheim also nur grob ab.
Die Kennzahlen des Siegerportfolios beeindrucken trotzdem. Der S&P 500 brachte im arithmetischen Mittel, dem einfachen Durchschnitt der Jahresrenditen, real rund 8,3 % pro Jahr, der optimale Mix 4,7 %. Dafür schwankte der Index mit 16,8 %, die Mischung nur mit 6,6 %. Du hättest also das 1,77-Fache an Rendite für das 2,55-Fache an Risiko bekommen.
Mit dem geometrischen Mittel, also mit der tatsächlich erzielten jährlichen Wachstumsrate, schrumpft der Abstand auf 6,9 zu 4,5 %. Das entspricht nur noch dem 1,54-Fachen. Der Grund: Heftige Schwankungen kosten Rendite, weil ein Minus von 50 % ein Plus von 100 % zur Erholung braucht. Beim S&P 500 fraß dieser Effekt 1,4 Prozentpunkte jährlich, beim optimalen Portfolio nur 0,2 Punkte. Am deutlichsten wird der Unterschied jedoch beim maximalen Drawdown, also bei dem größten Verlust gemessen vom letzten Hoch. Die Mischung lag im schlimmsten Moment, im Jahr 2022, rund 13 % im Minus. Der S&P 500 dagegen stand 1974 satte 48 % unter seinem Hoch.
Nach welchem Prinzip ist dein Portfolio aufgebaut?
Strategie
🔮 Das perfekte Portfolio hat ein Verfallsdatum
Theoretisch könntest du nun genau diese Siegermischung mit Fremdkapital hebeln, sie also teils auf Kredit kaufen, bis sie die Durchschnittsrendite des S&P 500 erreicht. Nötig wäre der Faktor 1,77, und du hättest trotzdem weniger Schwankung als mit dem reinen Aktienindex. In der Praxis scheitert das jedoch an drei Hürden. Du müsstest Geld fast zum risikolosen Zins leihen, ohne nennenswerte Kosten umschichten und einen Margin Call verkraften, also die Aufforderung, bei fallenden Kursen sofort Geld ins Depot nachzuschießen.
Eine Ausnahme gibt es: das eigene Haus. In den USA ist die Hypothek mit 30 Jahren fester Laufzeit Standard, und die Bank kann sie nicht kündigen, nur weil der Hauspreis fällt. Nach einer Auswertung der US-Verbraucherfinanzerhebung von 2022 stecken beim mittleren US-Eigentümer 51 % des Nettovermögens im Eigenheim. Viele US-Haushalte halten damit längst eine gehebelte Variante der Siegerformel, ohne es zu wissen.
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Auf Deutschland lässt sich das nur bedingt übertragen. Hierzulande lebt nicht einmal jeder zweite Haushalt in den eigenen vier Wänden, der niedrigste Wert der EU. Zinsbindungen über 30 Jahre sind die Ausnahme, üblich sind 10 bis 15 Jahre, danach folgt eine Anschlussfinanzierung zu den dann geltenden Konditionen. Dazu kommt die Währung, denn alle Zahlen gelten in Dollar. Wie viel das ausmacht, zeigt 2025: Gold stieg in Dollar um rund 66 %, in Euro dagegen nur um etwa 47 %.
Und auch wichtig: Das selbst bewohnte Haus zählt ohnehin nur eingeschränkt zum Portfolio, weil es in erster Linie ein Konsumgut ist. Ohne Wohnimmobilien sieht die Siegermischung so aus: 43 % S&P 500, 26 % Gold, 22 % zehnjährige Staatsanleihen und 9 % REITs. Diese Aufteilung erinnert an einen echten Klassiker, das Permanent Portfolio des US-Anlageberaters Harry Browne. Es verteilt das Geld zu je 25 % auf Aktien, lang laufende US-Staatsanleihen, Gold und Bargeld und wird einmal im Jahr auf diese Gewichte zurückgesetzt. Jeder Baustein deckt ein Wirtschaftsszenario ab: Aufschwung, Deflation, Inflation oder Rezession. Die datengetriebene Mischung wirkt wie eine offensivere Version davon, bei der Aktien und REITs den Platz des Bargelds einnehmen.
Und jetzt kommt der dickste Haken: Rechnest du dieselbe Optimierung nur für 1972 bis 1998, erhältst du ein völlig anderes Bild: 68 % S&P 500, 24 % Gold, 6 % internationale Aktien und 2 % Unternehmensanleihen. Staatsanleihen, REITs und Wohnimmobilien, im Gesamtzeitraum zusammen mehr als die Hälfte des Portfolios, tauchen gar nicht auf. Der „beste“ Vermögensmix hängt also massiv davon ab, wann du mit dem Zählen aufhörst.
Die Forschung kennt das Problem seit Langem. Eine vielzitierte Studie von 2009 testete 14 Optimierungsmodelle auf sieben Datensätzen. Keines schlug verlässlich die naive Gleichverteilung, bei der jede Anlage denselben Anteil erhält. Für ein Portfolio aus 25 Anlagen wären laut den Autoren rund 3.000 Monatswerte nötig, damit die Optimierung überlegen ist, also 250 Jahre. Die Datenreihe seit 1972 umfasst gerade einmal 648 Monate.
Selbst der Vater der modernen Portfoliotheorie folgte anfangs nicht seinen eigenen Formeln. Harry Markowitz legte 1952 die Mathematik für effiziente Portfolios vor und erhielt dafür 1990 den Wirtschaftsnobelpreis. Seine Altersvorsorge teilte er zunächst schlicht halb und halb auf Aktien und Anleihen auf. Sein Ziel war, späteres Bedauern möglichst gering zu halten, ganz gleich, ob die Börse davonzieht oder abstürzt. Genau dieses Bedauern kostet Anleger bares Geld. Morningstar misst regelmäßig, wie viel Rendite Fondssparer durch schlecht getimte Käufe und Verkäufe liegen lassen. Die Lücke lag über mehrere Jahrgänge der Untersuchung hinweg bei rund 1,2 Prozentpunkten jährlich. Bei den schwankungsärmsten Fonds waren es nur 0,4 Punkte, bei den schwankungsstärksten 2,1 Punkte.
Daraus folgt die vielleicht wichtigste Lehre: Das beste Portfolio ist das, das du auch im schlimmsten Jahr durchhältst. Ein Aktienanteil, der dich bei -48 % zum Verkauf treibt, bringt dir weniger als eine ruhigere Mischung, die du drei Jahrzehnte lang hältst.
Praktisch heißt das: Lege deine Vermögensaufteilung fest, bevor die nächste Krise kommt, und schreib sie auf. Frag dich ehrlich, welchen Verlust du ertragen würdest, ohne auszusteigen. Setze die Gewichte dann einmal jährlich zurück, statt jeder Schlagzeile hinterherzulaufen. Denn die Vergangenheit liefert dir zwar keine Formel für die kommenden Jahrzehnte. Sie kann dir aber ziemlich genau verraten, wie viel Achterbahn du verträgst, und dieser Teil liegt ganz in deiner Hand.
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