Guten Morgen {{vorname}},

jedes Mal, wenn du eine KI etwas fragst, läuft irgendwo ein Rechenzentrum heiß. Der Strom dafür muss erzeugt, transportiert und bezahlt werden. Heute nehmen wir einen der größten Stromkonzerne der Welt unter die Lupe. Die Geschäfte laufen ordentlich, die Aktie hat trotzdem schwierige Monate hinter sich. Wir zeigen dir, woran das liegt.

Im zweiten Teil geht es um die Firmen drumherum: Konkurrenten, Kraftwerksbauer und die Experten, die Leitungen verlegen. Einige wissen kaum wohin mit ihren Aufträgen. Viel Spaß beim Lesen!

Wunschanalyse

⚡ NextEra: Der Stromriese liefert und die Börse straft ihn trotzdem ab

Jeder KI-Chip braucht Strom, und zwar rund um die Uhr. Kaum ein Konzern ist so gut aufgestellt, diesen Hunger zu stillen, wie NextEra Energy, gemessen am Börsenwert der größte Stromversorger der USA. Trotzdem steht die Aktie massiv unter Druck. An den Zahlen liegt es nicht. Im zweiten Quartal stieg der bereinigte Gewinn je Aktie um 9,5 % auf 1,15 Dollar, erwartet hatten Analysten 1,11 Dollar. Im ersten Halbjahr stand ein Plus von 9,8 %. Einziger Schönheitsfehler: Der Umsatz blieb mit 7,53 Milliarden Dollar klar unter den erhofften gut 8,1 Milliarden. Die Prognose von 3,92 bis 4,02 Dollar Gewinn je Aktie für 2026 bestätigte das Management, angepeilt wird das obere Ende.

Das Fundament bildet Florida Power & Light, kurz FPL. Die Tochter ist ein regulierter Versorger, die Aufsichtsbehörde legt also die Tarife fest und gesteht ihr im Gegenzug eine Rendite auf das investierte Kapital zu. FPL versorgt rund zwölf Millionen Menschen, gewann binnen eines Jahres mehr als 90.000 Kunden hinzu und verlangt von Haushalten trotzdem etwa 30 % weniger als der US-Schnitt. 12 bis 13 Milliarden Dollar will die Tochter 2026 investieren, die Kapitalbasis, auf die sie Rendite verdienen darf, wuchs um 9,3 %.

Spannend wird es bei den Großverbrauchern. So nennt die Branche Rechenzentren und Fabriken mit riesigem Strombedarf. NextEra hob die Erwartung für Florida von 6 auf 8 Gigawatt bis 2032 an. Zum Vergleich: Ein Gigawatt entspricht grob der Leistung eines großen Atomreaktors. Insgesamt liegen Anfragen über 21 Gigawatt vor, zu 12 davon laufen fortgeschrittene Gespräche. Jedes Gigawatt bedeutet laut Management rund 2 Milliarden Dollar zusätzliche Investitionen. Der Haken: Unterschrieben ist unter dem neuen Großkundentarif noch nichts. Mindestens einen Vertrag stellt der Konzern bis Jahresende in Aussicht.

Die zweite Säule heißt NextEra Energy Resources. Sie baut Wind-, Solar- und Speicherparks und verkauft den Strom über langfristige Abnahmeverträge. Der Gewinn der Sparte kletterte im letzten Quartal um 18 % auf 1,29 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand wuchs um 3,6 auf 35,1 Gigawatt, davon allein zwei Gigawatt Batteriespeicher. Nur grün ist das Geschäft längst nicht mehr: Mitte August unterschrieb NextEra die Verträge für Gaskraftwerks-Zentren in Texas und Pennsylvania mit bis zu 10 Gigawatt Leistung, finanziert aus dem Investitionspaket Japans für die USA. Eine erste Tranche von 3,3 Milliarden Dollar ist freigegeben, Turbinen für 4 Gigawatt sind bereits reserviert.

Auch die Atomkraft kehrt zurück. Das 2020 stillgelegte Kernkraftwerk Duane Arnold in Iowa mit 615 Megawatt soll spätestens Anfang 2029 wieder Strom liefern. Abnehmer ist Google mit einem Vertrag über 25 Jahre, das US-Energieministerium schoss Anfang September einen Kredit von bis zu 1,9 Milliarden Dollar zu.

Der womöglich größte Hebel besteht aber in der geplanten Fusion mit Dominion Energy, dem Versorger im weltgrößten Rechenzentrumsmarkt Nord-Virginia. Dominion-Aktionäre erhalten 0,8138 NextEra-Aktien je Papier. Heraus käme der größte regulierte Stromversorger der Welt mit etwa zehn Millionen Kundenkonten, 110 Gigawatt Kraftwerksleistung und einer Pipeline an Großverbrauchern von über 130 Gigawatt. Der Gewinn je Aktie soll bis 2032 jährlich um mehr als 9 % zulegen.

Doch in Virginia wächst der Widerstand. Mitte September verdoppelten die Partner die versprochenen Rabatte auf Stromrechnungen auf vier Jahre und sagten 1.000 neue Jobs zu. Prompt beantragte der Generalstaatsanwalt, die Prüffrist neu zu starten, die Anhörung könnte sich vom 17. November auf Mitte Januar verschieben. Der Abschluss ist ohnehin erst für die zweite Jahreshälfte 2027 geplant.

Der zweite Bremsklotz sind die Zinsen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte zuletzt auf 5,24 %, den höchsten Stand seit Juni 2007. NextEras Gewinnrendite, also der Kehrwert des Kurs-Gewinn-Verhältnisses, liegt bei rund 5,3 %. Du bekommst für die Aktie derzeit kaum mehr Gewinn pro Dollar als für eine risikolose Staatsanleihe, nur eben mit Wachstum obendrauf.

Die Dividende von rund 0,62 Dollar je Quartal steigt 2026 um 10 % und ergibt aktuell etwa 3,3 % Rendite. Ab Ende 2026 plant das Management nur noch mit 6 % Plus pro Jahr. Beim Gewinn peilt es mindestens 8 % jährliches Wachstum bis 2035 an. Dividende plus Gewinnwachstum ergeben eine Erwartung von grob 11 % pro Jahr, solange die Bewertung konstant bleibt.

Peers

🔌 Stromhunger an der Börse: Wer Aufträge hat und wer nur Anfragen

Wenn du wissen willst, wie stark dieser Boom durchschlagen wird, schau nicht nur auf die Versorger, sondern auf die ganze Kette. Wer Turbinen, Leitungen und Module liefert, spürt früher als jeder andere, ob aus Absichtserklärungen feste Bestellungen werden. Und die Konkurrenz zeigt, was Rechenzentren tatsächlich unterschreiben.

Beginnen wir mit Dominion Energy, dem Übernahmeziel. Im zweiten Quartal verdiente der Versorger bereinigt 0,79 Dollar je Aktie, erwartet waren 0,68 Dollar. Das Ergebnis der Virginia-Sparte sprang um 22 % auf 670 Millionen Dollar. Rechenzentren mit 53,8 Gigawatt stecken in verschiedenen Vertragsstufen, 12 Gigawatt davon in verbindlichen Anschlussverträgen, die den Kunden auch dann zur Zahlung verpflichten, wenn er den Strom am Ende nicht abnimmt. Wie groß die Lücke zwischen Papier und Steckdose ist, verrät das Dominion-Management: Gegenüber dem Netzbetreiber PJM rechnete man bei damals 47 Gigawatt Vertragsvolumen nur mit 16,6 Gigawatt tatsächlicher Nachfrage bis 2046. Die Aktie notiert rund 17 % unter dem 52-Wochen-Hoch.

Southern Company aus Atlanta zeigt, wie Tempo aussehen kann. Zwischen April und Juni kamen 6 Gigawatt neue Großkundenverträge hinzu, insgesamt sind es nun über 17 Gigawatt bis Mitte der 2030er. Darunter ist ein 25-Jahres-Vertrag mit OpenAI über 3,2 Gigawatt nahe Savannah. Abgesichert wird das Ganze mit Mindestrechnungen, also festen Zahlungen unabhängig vom Verbrauch, und Sicherheiten von über 21 Milliarden Dollar bis 2028. Doch auch hier gilt: Pipelines können schrumpfen. In einem früheren Quartal zogen Kunden Projekte über 14,3 Gigawatt zurück, die Warteschlange sank netto um 6 Gigawatt.

Bei den Konkurrenten ohne Regulierung, oft Merchant-Erzeuger genannt, weil sie ihren Strom zu Marktpreisen verkaufen, führt wohl kaum ein Weg an Constellation Energy vorbei. Der größte Betreiber von Kernkraftwerken der USA schluckte im Januar den Gaskraftwerksbetreiber Calpine für rund 21,8 Milliarden Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg im Frühjahrsquartal von 1,91 auf 2,55 Dollar, die Jahresprognose wurde auf 11,50 bis 12,50 Dollar angehoben. Neue Atomstromverträge über 920 Megawatt laufen im Schnitt 18,5 Jahre. Für 2028 und 2029 zusammen stellt das Management 11,5 bis 13 Milliarden Dollar Free Cashflow vor Wachstumsinvestitionen in Aussicht, nach 8,4 Milliarden in den beiden Jahren davor.

Vistra aus Texas steigerte das bereinigte operative Ergebnis vor Abschreibungen, kurz EBITDA, zuletzt um mehr als 30 % auf 1,77 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr 2026 peilt der Konzern 6,8 bis 7,6 Milliarden an. Bemerkenswert erscheint die Nüchternheit des Chefs Jim Burke: In der Warteschlange des texanischen Netzes stünden über 400 Gigawatt geplanter Großverbraucher, realistisch seien 12 bis 15 Gigawatt. Die Nachfrage werde in solchen Listen überzeichnet, sagte er im Analysten-Call.

Jetzt zu den Lieferanten, und hier wird es eindeutig. GE Vernova sammelte im zweiten Quartal Aufträge über 24,2 Milliarden Dollar ein, organisch 88 % mehr als im Vorjahr. Feste Bestellungen und Reservierungen für Gasturbinen summieren sich auf 116 Gigawatt. Reservierung heißt: Der Kunde sichert sich einen Platz in der Fertigung, bevor der Vertrag steht. Bis Jahresende sollen es mindestens 125 Gigawatt sein. Beim Ausstoß von 20 Gigawatt pro Jahr, den die Fabriken ab dem dritten Quartal schaffen, reicht das Polster rechnerisch für knapp sechs Jahre. Bis 2030 soll die Kapazität auf 30 Gigawatt wachsen. Der gesamte Auftragsbestand liegt bei 176 Milliarden Dollar.

Siemens Energy meldete für das dritte Geschäftsquartal einen Rekordauftragseingang von 17,9 Milliarden Euro. Die Book-to-Bill-Quote, also Neuaufträge geteilt durch Umsatz, lag bei 1,57. Der Konzern verbucht damit deutlich mehr neue Arbeit, als er abarbeitet. Der Auftragsbestand wuchs auf 162 Milliarden Euro, der Umsatz auf vergleichbarer Basis um 18,5 % auf 11,4 Milliarden. Selbst die jahrelange Sorgentochter Siemens Gamesa schrieb schwarze Zahlen.

Irgendjemand muss die Leitungen natürlich auch erst bauen. Und hier kommt Quanta Services ins Spiel. Das Unternehmen setzte im zweiten Quartal 9,56 Milliarden Dollar um, 41 % mehr als im Vorjahr. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg von 2,48 auf 4,24 Dollar, der Auftragsbestand erreichte den Rekord von 53,4 Milliarden Dollar. Laut Management sind rund 95 % der großen Höchstspannungsprojekte noch gar nicht darin enthalten. Als Risiko nennt man der Vorstand jedoch Baustopps für Rechenzentren, wie sie der Bundesstaat New York bereits verhängt hat.

Das Gegenbeispiel liefert First Solar. Der größte US-Hersteller von Solarmodulen erzielte zwar eine Bruttomarge von 57 %, der Umsatz sank aber um 4 % auf 1,06 Milliarden Dollar. Der Auftragsbestand schrumpfte seit Jahresbeginn von 50,1 auf 45,1 Gigawatt. Kunden zögern Bestellungen hinaus, bis die Zollpolitik geklärt ist. Solarmodule sind derzeit schlicht kein Engpass.

Merke: Knapp sind Turbinen und Netze, nicht Paneele. Deshalb schwimmen GE Vernova, Siemens Energy und Quanta in Aufträgen, während Solarhersteller um Bestellungen kämpfen. Bei den Versorgern trennt die Unterschrift die Spreu vom Weizen: Southern hat 17 Gigawatt fest unter Vertrag, Dominion 12, NextEras Florida-Tochter bislang keinen einzigen Großkundenvertrag unter dem neuen Tarif. Genau darauf solltest du bei den nächsten Quartalszahlen achten.

Wie hat Dir der Newsletter gefallen?

Login or Subscribe to participate

Du willst diesen Newsletter nur noch an bestimmten Tagen bekommen? Gar kein Problem!

Erstellung und Verbreitung: Dieser Beitrag wurde von einem Redakteur der Finanzen.net GmbH, Gartenstraße 67, 76135 Karlsruhe, erstellt. Wir, die Finanzen.net Zero GmbH, haben diesen Beitrag unverändert in diesem Mailing übernommen. Die Finanzen.net GmbH hat uns zugesichert, dass dieser Beitrag mit größter Sorgfalt erstellt und zuvor keinem anderen Empfängerkreis zugänglich gemacht worden ist.

Interessen und Interessenkonflikte: Der erstellende Redakteur hält Eigenpositionen an den besprochenen Finanzinstrumenten.

Die Finanzen.net ZERO GmbH profitiert wirtschaftlich davon, wenn Empfänger dieses Mailings die besprochenen Finanzinstrumente über unsere Brokerfunktion handeln.

Disclaimer: Wir, die Finanzen.net ZERO GmbH, übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in diesem Beitrag enthaltenen Informationen. Dieser Beitrag stellt weder ein Angebot, eine Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstruments, noch eine Empfehlung oder Anlageberatung dar. Eine Anlageentscheidung sollte keinesfalls ausschließlich auf die Informationen in diesem Beitrag gestützt werden. Geldanlagen in Finanzinstrumente sollten immer unter langfristigen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung der persönlichen Kenntnisse, Erfahrungen, finanziellen Verhältnisse und Anlageziele getätigt werden. Anleger sollten bedenken, dass sie bei der Investition in Finanzinstrumente Verluste bis zum Totalverlust des investierten Kapitals (bei einigen Finanzinstrumenten sogar über das eingesetzte Kapital hinaus) erleiden können. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.