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Microsofts KI-Maschine läuft auf Hochtouren und der Markt schaut vielleicht auf die falsche Zahl. Dabei liegt die eigentliche Geschichte nicht nur in Redmond, sondern auch in Leoben, Herzogenrath und Grenoble.
Diese Ausgabe zeigt dir, warum Microsofts aktueller Auftragsbestand die wichtigste Zahl des Quartals ist und welche europäischen Nebenwerte still und leise die Infrastruktur bauen, die den ganzen KI-Boom erst möglich macht. Viel Spaß beim Lesen!
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Wunschanalyse
🚀 Microsofts Pfad zur nächsten Umsatzdimension
627 Milliarden Dollar wiegt aktuell 👉Microsofts Auftragsbuch. Die sogenannten „Remaining Performance Obligations", also bereits vertraglich gesicherte, aber noch nicht abgerechnete Umsätze, sind im Vergleich zum Vorjahr um 99 % gewachsen. Verdoppelt in einem Jahr. Die Frage, die sich daraus ergibt, ist, ob der Markt wirklich versteht, was da gerade passiert.
👉Microsoft investiert im laufenden Kalenderjahr 2026 rund 190 Milliarden Dollar in Infrastruktur. Zum Vergleich: 👉Amazon gibt etwa 105 Milliarden aus, 👉Google rund 75 Milliarden, 👉Meta 60 bis 65 Milliarden. Microsoft übertrifft die gesamten CapEx-Pläne von Google und Meta zusammengenommen. Das klingt fast schon nach Hybris.
CFO Amy Hood räumte im letzten Earnings Call ein, dass der Großteil dieser Investitionen in Güter mit kurzer Nutzungsdauer fließt, primär eben GPUs. Zwei Drittel des Quartals-CapEx von 31,9 Milliarden Dollar entfallen auf Hardware, die unmittelbar nach Inbetriebnahme Umsatz generiert.
Azure wuchs im dritten Quartal 2026 um 40 %. Das ist außergewöhnlich, denn Azure ist längst kein Start-up mehr, sondern ein Geschäft mit einem Cloud-Gesamtumsatz von 54 Milliarden Dollar allein im letzten Quartal. Zum Vergleich: 👉Amazon Web Services, der größte Wettbewerber, wuchs im selben Zeitraum um 17 %. Azure wächst also mehr als doppelt so schnell, und das aus einer Basis heraus, bei der ein Prozentpunkt Wachstum Milliarden bedeutet.
Noch wichtiger: Das Management gab für das Folgequartal eine Guidance von 39 bis 40 % aus. Keine Verlangsamung in Sicht. Das bedeutet, dass das limitierende Element gerade nicht die Nachfrage, sondern das Angebot ist.
Die KI-Umsätze von 👉Microsoft laufen auf eine annualisierte Rate von 37 Milliarden Dollar hinaus – ein Wachstum von 123 % gegenüber dem Vorjahr. Ein wichtiger Unterschied.
Copilot, 👉Microsofts KI-Assistent für Unternehmensanwendungen, hat derweil die Marke von 20 Millionen bezahlten Enterprise-Seats überschritten. Bei 30 Dollar pro Nutzer und Monat ergibt das rund 7,2 Milliarden Dollar annualisierter wiederkehrender Umsatz – aus einem Produkt, das vor drei Jahren noch nicht existierte. Bemerkenswert dabei: Diese 20 Millionen Nutzer entsprechen gerade einmal 5 % der kommerziellen Microsoft-365-Installationsbasis von rund 400 Millionen Seats. Das Potenzial ist also bei weitem noch nicht ausgeschöpft.
Ein verbreitetes Missverständnis lautet: Wer so viel investiert, muss Margen opfern. 👉Microsoft widerlegt das. Die operative Marge lag im dritten Quartal bei 46 %. Das operative Ergebnis stieg um 20 % auf 38,4 Milliarden Dollar. Der Free Cash Flow kletterte um 26 % auf 46,7 Milliarden Dollar, und das trotz der massiven CapEx-Ausgaben.
Die Umsätze sollen laut Analysten von 329,5 Milliarden Dollar 2026 auf über eine Billion Dollar bis 2035 wachsen, entsprechend einem jährlichen Wachstum von 12 bis 18 %. Morgan Stanley sieht das Kursziel bei 550 Dollar.
Aber Vorsicht: Das zentrale Risiko ist der Return on Capital. Wenn Azure unter 35 % Wachstum rutscht, werden Abschreibungen auf GPU-Infrastruktur zum Problem. Die Maschine läuft nur dann profitabel, wenn die Nachfrage dauerhaft hoch bleibt.
Ein zweites Risiko betrifft Copilot selbst: Das Modell funktioniert nur, wenn Unternehmen echte Produktivitätsgewinne erzielen und deshalb zahlen. 90 % der bisherigen Nutzer berichten laut 👉Microsofts eigenem Work Trend Index von Zeitersparnis. Das scheint ein recht guter Wert zu sein, aber ein selbst erhobener. Wenn die Verlängerungsraten in den nächsten Quartalen nachgeben, wäre das ein ernstes Signal.
Und dann ist da noch der 627-Milliarden-Auftragsbestand. 25 % davon sollen binnen 12 Monaten abgerechnet werden. Solange dieser Wert stabil bleibt, ist die Wachstumsstory gut fundiert. Ein signifikanter Rückgang bei Neubuchungen wäre dagegen ein klares Warnsignal.
Also: 👉Microsoft ist längst das Betriebssystem der KI-Ära, auch im wirtschaftlichen Sinne. Die Infrastruktur steht, die Monetarisierung läuft, der Auftragsbestand wächst rasch. Der Markt bewertet das Unternehmen noch immer so, als ob die KI-Ernte irgendwann in der Zukunft käme. Sie ist bereits im Gange.
Peers
🔩 Europas Profiteure: Wer wirklich am KI-Boom verdienen könnte
Am 15. Juni 2026 stieg die Aktie von 👉AT&S innerhalb eines einzigen Handelstages um 30 %. Der Auslöser: ein Investitionsplan über bis zu 2 Milliarden Euro in Malaysia, vollständig gedeckt durch langfristige Kundenverträge mit 👉AMD und einem zweiten Konzern, dessen Namen das Management noch nicht verraten wollte.
Dieser eine Tag illustrierte eine Dynamik, die wir schon seit einigen Monaten beobachten. Während alle Welt über Microsoft, 👉Nvidia und Azure diskutiert, findet ein ganz anderer Kampf statt, tiefer in der Lieferkette, mit weniger Aufmerksamkeit und manchmal mit weit größeren Kursgewinnen.
👉AT&S aus dem steirischen Leoben stellt keine Chips her. Das Unternehmen baut die IC-Substrate, also die physikalische Verbindungsschicht zwischen Chip und Leiterplatte, ohne die kein High-Performance-Computer-System funktioniert. Je komplexer ein Chip wird, desto anspruchsvoller wird sein Substrat. KI-Prozessoren mit 3D-Stacking oder Chiplet-Architektur, wie AMDs EPYC-Reihe, erfordern Fertigungstoleranzen im Submikrometer-Bereich. Weltweit gibt es eine Hand voll Unternehmen, die das beherrschen.
Der entscheidende strategische Vorteil: Wer einmal als Substrat-Lieferant qualifiziert ist, bleibt es für typischerweise 3 bis 5 Jahre. Kunden wie 👉AMD wechseln den Zulieferer nicht einfach, wenn gerade eine Produktlinie läuft. Diese strukturellen Wechselkosten machen 👉AT&S zu einem der solidesten europäischen Infrastrukturwerte im KI-Zeitalter. Die neue Guidance spricht für sich: Umsatzwachstum von 45 bis 55 %, EBITDA-Marge 32 bis 37 %.
Noch unbekannter als 👉AT&S ist vermutlich 👉Soitec aus Bernin bei Grenoble. Das Unternehmen produziert keine Chips, sondern die Wafer, auf denen Chips gefertigt werden. Genauer gesagt: SOI-Wafer (Silicon-on-Insulator). Das ist eine Technologie, die Chips schneller und stromsparender macht als konventionelles Silizium. Kunden sind TSMC, Samsung und GlobalFoundries, also die weltgrößten Chip-Gießereien.
👉Soitecs FD-SOI-Technologie (Fully Depleted SOI) ist für KI-Inferenz-Chips, Edge-AI und 5G-Basisstationen technisch kaum substituierbar. Das KI-Segment wuchs im ersten Halbjahr FY2026 um 34 %. Und das trotz einer gleichzeitigen Lagerkorrektur im Smartphone-Bereich, die den Gesamtumsatz auf 92 Millionen Euro drückte. Das zweite Quartal soll 50 % stärker ausfallen als das erste. Morningstar erwartet langfristig 20 % jährliches Wachstum und eine Kapazitätserweiterung um 75 % auf 4,5 Millionen Wafer pro Jahr.
👉Aixtron aus Herzogenrath ist konzeptionell ähnlich aufgestellt, aber eine Stufe früher. Das Unternehmen liefert MOCVD-Anlagen. Das sind Maschinen, mit denen SiC-, GaN- und Optoelektronik-Chips überhaupt erst produziert werden können. Weltweit konkurrieren nur zwei bis drei Anbieter auf diesem Niveau. Wer Siliziumkarbid-Chips fertigen will, kommt an Aixtron wahrscheinlich kaum vorbei.
2026 sieht wie ein Übergangsjahr aus: Das erste Quartal verfehlte die Erwartungen, das SiC-Segment leidet unter Überkapazitäten im Markt. Dennoch hob das Management die Jahresprognose auf 570 bis 630 Millionen Euro an und erwartet für 2027 ein Gewinnwachstum von über 70 %. Das entscheidende Zukunftssignal: 70 % der Auftragseingänge kamen zuletzt aus dem Optoelektronik-Bereich. Wenn KI-Rechenzentren auf optische Datenübertragung umstellen, brauchen sie GaN- und InP-Chips. Hergestellt auf 👉Aixtron-Maschinen, versteht sich.
👉STMicroelectronics ist das größte europäische Halbleiterunternehmen und beliefert Volkswagen, Apple, Tesla und Bosch. Das Portfolio reicht von Mikrocontrollern über SiC-Leistungshalbleiter bis zu IoT-Sensoren. STMicro hält weltweit Platz 2 im SiC-Power-Segment, direkt hinter Wolfspeed. Ein Elektroauto benötigt 2 bis 3 Mal mehr SiC-Chips als ein Verbrenner – strukturelles Wachstum also, sobald sich der Automobilzyklus dreht.
Der Haken: Das Unternehmen steckt mitten in einem Restrukturierungsprozess. 2024 und 2025 waren schwache Jahre. Das erste Quartal 2026 lag leicht über den Markterwartungen, was ersten Erholungsoptimismus erzeugt. Wer 👉STMicro kauft, setzt also auf zwei Faktoren gleichzeitig: die Erholung des Automobilsektors und das strukturelle Wachstum durch Elektromobilität.
Die 👉Nebius Group ist vielleicht das wildeste Investment in dieser Runde. Hervorgegangen aus dem russischen Yandex-Konzern, baut das in Amsterdam ansässige Unternehmen KI-Rechenzentren, eine Neocloud speziell für KI-Training und -Inferenz auf Nvidia-Hardware. 👉Nvidia selbst investierte 2 Milliarden Dollar direkt in 👉Nebius, was den bevorzugten Zugang zu Blackwell-GPUs sichert. Microsoft schloss einen Vertrag über 17,4 Milliarden Dollar, 👉Meta über 3 Milliarden Dollar.
👉Kalray aus Frankreich ist das kleinste und womöglich auch spekulativste Unternehmen in dieser Gruppe. Als Spin-off des CEA-Leti, Frankreichs wichtigstem Halbleiterlabor, entwickelt das Unternehmen MPPA-Prozessoren mit 80 Kernen, sogenannte DPUs (Data Processing Units). Sie verarbeiten Netzwerkdaten in Rechenzentren, ohne die CPU zu belasten. 👉Nvidia, Intel und Marvell bauen ähnliche Chips. Kalray ist das einzige europäische Unternehmen in diesem Segment.
Die Zahlen sind noch eher bescheiden: 6,2 Millionen Euro Halbleiter-EBITDA, verfehlte Skalierungsziele aus früheren Jahren. Der Bull-Case ist weniger ein Geschäftsmodell als eine politische Wette: Europa braucht digitale Souveränität im Prozessorsegment, und 👉Kalray ist der einzige europäische Kandidat. Der EU Chips Act könnte Subventionen bringen. Wer hier investiert, kauft eine Option, aber (noch) keine Aktie mit gesicherten Cashflows.
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