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jede große Technologie hat an der Börse einen Boom ausgelöst: die Eisenbahn, das Internet, die Künstliche Intelligenz. Und jedes Mal kam irgendwann dieselbe Frage auf: Wer bezahlt den Ausbau, bis endlich die Gewinne sprudeln?
Heute gehen wir dieser Frage nach. Wir schauen zurück auf frühere Booms und darauf, was Anleger aus ihnen lernen konnten. Dazu stellen wir dir ein paar Aktien vor, die dabei ganz unterschiedliche Rollen spielen. Eine davon kommt aus Deutschland. Viel Spaß beim Lesen!
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Rückblick
Was Technologiewellen von gestern über KI-Aktien von heute verraten
Große Technologie-Booms entscheiden sich an der Börse an einer nüchternen Frage: Holen die Erträge die Investitionen ein, bevor das Geld knapp wird, und wer trägt die Rechnung bis dahin? An dieser Frage misst der Markt auch den Ausbau der Künstlichen Intelligenz.
Das dafür lehrreichste Beispiel liegt gut 25 Jahre zurück. In den späten 1990er-Jahren verlegten Telekomkonzerne in den USA binnen vier Jahren Glasfaserleitungen für rund 90 Mrd. US-Dollar. Der Datenverkehr wuchs tatsächlich, nur viel langsamer als versprochen. 2001 waren gerade einmal 2 bis 5 % der verlegten Fasern in Betrieb. Zwischen 2001 und 2003 gingen mehr als 60 Telekomfirmen pleite. Die Leitungen blieben im Boden, das Geld der Aktionäre war weg. Für dich als Anleger heißt das: Eine Infrastruktur kann sinnvoll sein und ihre Erbauer trotzdem ruinieren.
Auch Unternehmen, die den Boom überlebten, zahlten einen Preis. Cisco lieferte die Netzwerktechnik für das Internet. Am 27. März 2000 war der Konzern kurzzeitig das wertvollste börsennotierte Unternehmen der Welt, die Aktie kostete 80,06 US-Dollar, bewertet mit mehr als dem 200-Fachen des Gewinns. Danach verlor sie rund 90 % ihres Werts. Ein neues Rekordhoch folgte erst im Dezember 2025, nach 25 Jahren. Microsoft brauchte 17 Jahre, um das Hoch vom Dezember 1999 wieder zu übertreffen. Beide Firmen verdienten in dieser Zeit Geld. Was nicht stimmte, war der Preis, den Anleger am Höhepunkt bezahlt hatten.
Drei Kräfte entscheiden darüber, wie ein Boom an der Börse verläuft. Erstens: das Verhältnis von Investitionen zum laufenden Geschäft. Solange ein Konzern seine Investitionen aus dem operativen Cashflow bezahlt, also aus dem Geld, das das Kerngeschäft einbringt, bleibt das Risiko überschaubar. Kommen Kredite, Leasingverträge oder neue Aktien hinzu, verschiebt sich die Rechnung auf Gläubiger und Aktionäre. Wie empfindlich die Börse darauf reagieren kann, zeigte Meta im Oktober 2026. Der Umsatz stieg um 26 %, doch die Investitionen von 34,9 Mrd. US-Dollar überstiegen im Quartal den operativen Cashflow. Meta kündigte zudem eine neue Aktiengattung ohne Stimmrecht an. Die Aktie verlor am Tag danach rund 7 %.
Zweitens: der Zins. Wachstumsaktien werden vor allem zu Gewinnen bewertet, die weit in der Zukunft liegen. Steigt der Zins, sind diese künftigen Gewinne heute weniger wert. 2022 hob die US-Notenbank Fed ihren Leitzins um 4,25 Prozentpunkte an. Der technologielastige Nasdaq-100 verlor 33 %, Wachstumswerte im S&P 500 rund 30 %, substanzstarke Value-Aktien nur knapp 8 %. Ein kapitalintensiver Boom ist deshalb immer auch eine Wette auf das Zinsniveau.
Drittens: die Energie. Rechenzentren brauchen gewaltige Mengen Strom, und der Ölpreis wirkt über die Inflation auf die Notenbanken. Nach einer Auswertung von 2022 ging zehn der zwölf US-Rezessionen seit dem Zweiten Weltkrieg ein deutlicher Ölpreisanstieg voraus. Kritiker halten den Zusammenhang seit den 1980er-Jahren für schwächer, weil Volkswirtschaften weniger ölabhängig geworden sind. Als Warnsignal taugt er trotzdem: Teure Energie verteuert erst den Betrieb und über steigende Zinsen dann die Finanzierung.
Dazu kommt ein Punkt, der viele Privatanleger direkt betrifft: die Konzentration. Seit April 1999 stammten im Schnitt 26 % der Rendite des S&P 500 von den zehn größten Werten, 2025 waren es bis Oktober mehr als 58 %. Wer einen klassischen Indexfonds besitzt, ist am Boom also stärker beteiligt, als es der Name „500“ vermuten lässt. Die gleichgewichtete Variante, in der jede Aktie gleich viel zählt, war seit ihrem Start 2003 in 12 von 21 Jahren die bessere.
Für Anleger in Deutschland ist das Thema ziemlich gut greifbar. Infineon liefert Chips für die Stromversorgung von Rechenzentren und erlebte beide Seiten eines Booms: Das Hoch aus dem Juni 2000 peilte die Aktie erst 26 Jahre später erneut an.
Wo kann die Börse irren? In beide Richtungen. Im Boom unterschätzt sie, wie lange es dauert, bis Investitionen Erträge abwerfen. Im Abschwung unterschätzt sie den bleibenden Nutzen: Die ungenutzte Glasfaser von 2001 wurde Jahre später zum begehrten Rohstoff für Rechenzentren. Die Gewinner einer Technologie sind deshalb nicht immer ihre Erbauer.
Woran erkennst du am ehesten, ob ein Technologie-Boom trägt?
- Die Investitionen werden aus dem laufenden Geschäft bezahlt.
- Die Erträge der Kunden wachsen schneller als ihre Ausgaben.
- Zinsen und Energiepreise bleiben auf einem tragbaren Niveau.
- Der Aufschwung trägt sich auch jenseits der größten Konzerne.
- Ich halte große Technologie-Booms grundsätzlich für überzogen.
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Aktien-Ideen
Plattform, Investor, Lieferant, Zeitzeuge, Spezialist: Die Rollen im Boom
Jeder Technologie-Boom verteilt seine Rollen. Fünf Aktien zeigen, wie unterschiedlich Chancen und Risiken je nach Position ausfallen. Microsoft etwa baut Rechenzentren und vermietet die Kapazität über seine Cloud-Plattform Azure an Unternehmen. Damit steht der Konzern auf beiden Seiten: Er investiert und kassiert. Im Geschäftsjahr 2026 kam die Cloud auf rund 214 Mrd. US-Dollar Umsatz, etwa zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 331,8 Mrd. Zum Vergleich: 2016 lag der Cloud-Anteil noch bei 29 %. Für das Geschäftsjahr 2027 plante Microsoft rund 175 Mrd. US-Dollar Investitionen. Ein Detail lohnt den Blick: Microsoft verlängerte 2026 die angenommene Nutzungsdauer seiner Rechenzentren. Das senkt die jährlichen Abschreibungen und stützt den Gewinn. Die historische Lektion liefert die eigene Aktie: 17 Jahre bis zum alten Rekord. Das größte Risiko liegt darin, dass Investitionen schneller wachsen als die Mieteinnahmen.
Meta investiert in ähnlichen Größenordnungen, vermietet die Rechenleistung aber nicht. Jeder Dollar muss über Werbung und eigene KI-Produkte zurückkommen. Wie die Börse darauf reagiert? Für den Ausbau des Metaverse verlor die Aktie zwischen September 2021 und Oktober 2022 in der Spitze 76 %. Dann rief Mark Zuckerberg ein „Jahr der Effizienz“ aus, strich mehr als 21.000 Stellen und bremste die Ausgaben. Bis März 2024 stieg die Aktie um 547 % vom Tief. Im Oktober 2026 überstiegen die Investitionen erstmals den operativen Cashflow. Das größte Risiko: Meta trägt die Rechnung allein, und das Werbegeschäft ist konjunkturabhängig.
Nvidia liefert die Rechenchips für KI-Rechenzentren und verdient am direktesten am Ausbau. Im Quartal bis Juli 2026 stammten über 92 % des Umsatzes aus dem Rechenzentrumsgeschäft. Auffällig: Im August 2026 vereinbarte Nvidia Partnerschaften, die mehr als 500 Mrd. US-Dollar Drittkapital für KI-Infrastruktur mobilisieren sollen. Der Lieferant organisiert also mit, wie seine Kunden bezahlen. Dass auch der Hauptprofiteur eines Booms stark schwankt, zeigt 2022: Bis Oktober verlor die Aktie in der Spitze rund 66 %, obwohl das langfristige Wachstum intakt blieb. Das größte Risiko: Nvidias Umsatz hängt an der Finanzierungsfähigkeit weniger Großkunden.
Cisco war im Jahr 2000, was Nvidia heute für die KI ist: der zentrale Ausrüster einer neuen Infrastruktur. Die Lektion der Anleger von damals: Selbst ein Unternehmen, das den Boom überlebt und profitabel bleibt, braucht nach einer Übertreibung Jahrzehnte. Erst im Dezember 2025 übertraf die Aktie ihr Hoch vom März 2000. Heute liefert Cisco selbst Netzwerktechnik für KI-Rechenzentren: 2025 meldete der Konzern KI-Aufträge von 1,3 Mrd. US-Dollar in einem Quartal. Das größte Risiko: Wenn Netzwerktechnik erneut zum Engpass des Booms wird, kann sich die Bewertung wieder von den Gewinnen lösen.
KI-Server brauchen enorme Mengen Energie, und Infineon liefert die Leistungshalbleiter, die diesen Strom effizient umwandeln. Für das Geschäftsjahr 2026 peilte Infineon rund 1,5 Mrd. Euro KI-Umsatz an, bei rund 16,3 Mrd. Euro Gesamtumsatz, also etwa 9 %. Das Kerngeschäft bleiben Auto und Industrie. An der Börse wird die Aktie trotzdem wie ein KI-Wert gehandelt. Das größte Risiko: Die Aktie schwankt mit dem KI-Zyklus, das Geschäft mit dem Autozyklus.
Fünf Größen können dir helfen, einen Boom einzuordnen:
1. Wie hoch sind die Investitionen im Verhältnis zum operativen Cashflow?
2. Woher kommt das Geld? Aus Gewinnen, Krediten oder neuen Aktien?
3. Wie hoch ist das Zinsniveau?
4. Wie entwickeln sich die Energiepreise?
5. Wie stark hängen Indexfonds an zu wenigen Konzernen?
Die Geschichte zeigt uns: Infrastruktur bleibt, Bewertungen nicht.
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