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du hast in den vergangenen Wochen natßrlich auch gesehen, was an der Zapfsäule abgeht. Und du hast wahrscheinlich gedacht: Irgendwer verdient daran gerade richtig gut. Genau da schauen wir heute ganz genau hin. Wir haben uns ein paar Energie-Aktien angesehen, die Geld an ihre Eigentßmer zurßckgeben, und zwar ßber zwei Wege gleichzeitig.
Eine der bekanntesten Kennzahlen fĂźhrt dabei vĂśllig in die Irre. Eine andere, die kaum jemand nennt, zeigt dir sofort, wo wirklich top ausgeschĂźttet wird. Und es wird unbequem. Denn hinter der hĂśchsten Rendite der heutigen Ideen-Runde steckt eine Konstruktion, die du besser genau kennen solltest, bevor du auch nur an einen Kauf denkst. Nimm dir ein paar Minuten. Es lohnt sich.
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Rohstoffe
đ˘ď¸ 100 Dollar fĂźr ein Fass und niemand jubelt
Ein Barrel Brent, also 159 Liter NordseeĂśl, kostet derzeit fast 102 US-Dollar. Am 15. September waren es kurzzeitig sogar 108,75 Dollar, Ende August noch 88,10. Im Januar dieses Jahres lag der Monatsdurchschnitt bei 66,60 Dollar, im Dezember davor sogar bei 62,54. Wer wissen will, was 2026 mit Energie passiert ist, muss nur diese fĂźnf Zahlen nebeneinanderlegen.
Der AuslĂśser sitzt zwischen Irak, Iran und dem Roten Meer. Seit Ende Februar ist die StraĂe von Hormus faktisch dicht. Am 10. September trafen Drohnen aus der irakischen Provinz Maysan die Pumpstationen der saudischen East-West-Pipeline, jener 1.200 Kilometer langen Leitung, Ăźber die das KĂśnigreich täglich bis zu 7 Millionen Barrel am Golf vorbeischleusen kann. Riad legte die Leitung still und verzichtete auf einen Gegenschlag. Die Reparatur dauert nach Angaben regionaler Beamter drei bis fĂźnf Wochen.
Energie-Aktien haben diesen Anstieg sehr wohl mitgemacht. Chevron steht in diesem Jahr mit 44 % im Plus, ExxonMobil 40 %. Der S&P 500 schafft im selben Zeitraum 11,2 %. Das sind rund 30 Prozentpunkte Vorsprung. Energie ist damit das beste Investment des laufenden Jahres.
Eine krasse Lßcke klafft jedoch zwischen Kurs und Gewinnschätzung. Die Analystenprognosen fßr 2027 sind bei einzelnen Konzernen um fast 30 % nach oben gelaufen, die Kurse deutlich weniger. Der Sektor wird mit dem 14,2-fachen der erwarteten Gewinne gehandelt, der Gesamtmarkt mit knapp dem Zwanzigfachen.
Im zweiten Quartal war Energie der Sektor mit dem hĂśchsten Gewinnwachstum aller Branchen im S&P 500. Raffinerie und Vertrieb legten um 231 % zu, die integrierten Konzerne um 160 %, Explorer und Produzenten um 106 %. Der WTI-Quartalsschnitt lag bei 92,55 Dollar und damit 45 % Ăźber dem Vorjahr.
Warum der Markt trotzdem zĂśgert, verrät die Terminkurve, also die Preisleiter der Ălkontrakte fĂźr kĂźnftige Liefermonate. Der Frontmonat kostete Anfang September 107,63 Dollar, der Kontrakt in zwĂślf Monaten nur 78,79. West Texas Intermediate fĂźr Dezember 2031 notiert bei 61,56 Dollar. Ăbersetzt: Der Markt glaubt nicht an dauerhaft dreistellige Preise. Er zahlt fĂźr den Engpass von heute, nicht fĂźr den von Ăźbermorgen.
Und genau deshalb lohnt der Blick auf eine Kennzahl, die viele Ăźbersehen: den Shareholder Yield. Er addiert die Dividendenrendite und den Anteil der Aktien, den ein Unternehmen pro Jahr zurĂźckkauft und anschlieĂend einzieht. Jede eingezogene Aktie erhĂśht den Gewinn je verbliebenem Anteilsschein, ganz ohne Steuerabzug beim Anleger. Bei sechs groĂen US-Energiekonzernen liegt die reine Dividendenrendite bei durchschnittlich 2,3 %. Mit RĂźckkäufen sind es schon 6,3 % und damit mehr als das Doppelte des Marktdurchschnitts.
ExxonMobil zeigt exemplarisch, wie das konkret aussieht. Im zweiten Quartal verdiente der Konzern 14,8 Milliarden Dollar, also 3,48 Dollar je Aktie, bei einem Umsatz von 114,5 Milliarden, damit gut 18 Milliarden ßber den Erwartungen. Der Free Cashflow, also das Geld nach allen Investitionen, erreichte 17,2 Milliarden. Ausgeschßttet wurden 9,4 Milliarden: 4,3 Milliarden Dividende, 5,1 Milliarden Rßckkäufe. Die Quartalsdividende steht bei 1,03 Dollar, angehoben im 43. Jahr in Folge. Nebenbei sanken die Nettoschulden um ßber 7 Milliarden.
Chevron lieferte das stärkste Quartal seit sechs Jahren. Gewinn 12,1 Milliarden Dollar oder 6,11 Dollar je Aktie, Umsatz plus 51 %, FĂśrderung 4,07 Millionen Barrel Ăläquivalent pro Tag und damit ein FĂźnftel mehr als im Vorjahr. Der Zukauf von Hess wirkt also endlich. Das Raffineriegeschäft sprang von 737 Millionen auf 4,87 Milliarden Dollar Ergebnis, die US-Anlagen liefen zu 97 % ausgelastet. Die Kapitalrendite kletterte von 6,2 auf 21,4 %, die Schulden sanken in einem einzigen Quartal um 8,4 Milliarden. Dividende: 1,78 Dollar je Quartal.
ConocoPhillips verdoppelte seine RĂźckkäufe auf 2 Milliarden Dollar und zahlte 1 Milliarde Dividende. Macht 3 Milliarden in einem Quartal, bei einem operativen Cashflow von 7,2 Milliarden. Das erklärte Ziel: 45 % dieses Cashflows flieĂen 2026 an die Aktionäre. EOG Resources kam auf 2,80 Milliarden Free Cashflow nach 973 Millionen im Vorjahresquartal und gab 1,8 Milliarden zurĂźck, davon 1,29 Milliarden Ăźber RĂźckkäufe.
Zwei Namen fallen da eher aus dem Rahmen, weil sie teurer geworden sind statt billiger. Cheniere Energy verflßssigt Erdgas und verschifft es, zuletzt 184 Ladungen im Quartal. Die Jahresprognose stieg auf 7,9 bis 8,4 Milliarden Dollar bereinigtes EBITDA, die Produktionsspanne auf 53 bis 54 Millionen Tonnen. Das mehrjährige Rßckkaufprogramm ßber 9,27 Milliarden ist abgeschlossen. Es hat rund 24 % aller Aktien getilgt.
Targa Resources transportiert und verarbeitet Erdgas in Texas und meldete mit 1,6 Milliarden Dollar ein Rekord-EBITDA, 38 % ßber Vorjahr. Die Dividende stieg um ein Viertel auf 1,25 Dollar je Quartal. Der Haken: Targa investiert dieses Jahr rund 4,5 Milliarden Dollar in Wachstum und muss 19,6 Milliarden Schulden auf die Bilanz nehmen. Wer hier zuschlägt, kauft wohl auch eine Baustelle.
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Dividenden
đ 9 % AusschĂźttung und was im Kleingedruckten steht
Bei den kleineren Werten wird die Rechnung noch etwas spannender. Die Titel aus der zweiten Reihe kommen auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von rund 2,5 %, aber auf einen Shareholder Yield von 9,1 %. Bewertet werden sie mit dem 11,2-fachen der erwarteten Gewinne, also etwa halb so teuer wie der Gesamtmarkt. Klingt nach einem Geschenk. Ist es aber eher selten. Warum?
Chord Energy fÜrdert in der Bakken-Formation in North Dakota und hat im zweiten Quartal 414 Millionen Dollar bereinigten Free Cashflow erwirtschaftet. Davon gingen 220 Millionen zurßck an die Aktionäre, also 54 %, aufgeteilt in eine Basisdividende von 1,30 Dollar je Aktie und 147 Millionen Rßckkäufe. Weil der Verschuldungsgrad unter das 0,5-Fache des operativen Gewinns fiel, steigt die Quote ab dem dritten Quartal auf mindestens 75 %. Seit Ende 2020 liegt die Gesamtrendite bei 476 %, die Vergleichsgruppe schafft 322 %.
Antero Resources taucht auch in unserer Liste auf, zahlt aber Ăźberhaupt keine Dividende. Der gesamte Beitrag zur AusschĂźttungsrendite besteht aus RĂźckkäufen: 1,1 Millionen Aktien fĂźr 38 Millionen Dollar. Noch wichtiger ist die Frage, woran Antero Ăźberhaupt verdient. Der Konzern fĂśrdert Erdgas, und Erdgas kostet in den USA rund 2,87 Dollar je Million britischer Wärmeeinheiten. Das sind 16 % weniger als vor einem Jahr. Der Ălpreis zahlt hier keine Rechnungen. Immerhin drĂźckte das Management die FĂśrderkosten um 11 % auf 2,38 Dollar je 1000 KubikfuĂ.
Diversified Energy verfolgt ein ungewĂśhnliches Modell: Der Konzern kauft ausgefĂśrderte Altbohrungen, die groĂe Produzenten loswerden wollen, und melkt sie mit minimalem Aufwand. Im zweiten Quartal reichten 40 Millionen Dollar Investitionen fĂźr 115 Millionen Free Cashflow. Seit Jahresbeginn wurden rund 9 % aller Aktien zurĂźckgekauft, dazu kommen 0,29 Dollar Dividende je Quartal.
DafĂźr steht Diversified bei einem Verschuldungsgrad von 2,45, damit am oberen Rand des eigenen Zielbands. 76 % der Schulden stecken in ABS-Anleihen, also Papieren, die direkt durch die FĂśrderstrĂśme einzelner Bohrungen besichert sind und nicht auf den Konzern durchgreifen. Anfang September kam der Kauf von Birch Permian fĂźr rund 1,8 Milliarden Dollar dazu, finanziert Ăźber eine weitere Verbriefung von 1,5 Milliarden.
NOV baut Ausrßstung fßr Bohrunternehmen und ist wahrscheinlich der schwächste Part der Runde. Der Umsatz fiel um 2 % auf 2,13 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand um 220 Millionen auf 4,08 Milliarden. Auf einen Dollar abgearbeiteten Auftrag kamen nur 74 Cent neue Bestellungen. Im bereinigten Ergebnis von 283 Millionen stecken rund 40 Millionen Zollerstattungen. Und die Ausschßttung besteht zur Hälfte aus einer freiwilligen Sonderdividende von 9 Cent, die jedes Quartal neu beschlossen wird. Ausrßster waren im zweiten Quartal der einzige Energie-Teilbereich mit sinkenden Gewinnen
Murphy USA betreibt ßber 1.800 Tankstellen in 27 US-Bundesstaaten und ist wohl der eigentliche Gewinner hoher Spritpreise. Der Quartalsgewinn sprang um 53 % auf 11,27 Dollar je Aktie, der Umsatz um 36 % auf 6,8 Milliarden. Die Einzelhandelsmarge stieg von 29,2 auf 35,1 Cent je Gallone. Die Dividende wurde im August um 23 % auf 0,65 Dollar angehoben. Das Management rechnet damit, dass Knappheit und Preisschwankungen bis weit ins nächste Jahr anhalten werden.
Ovintiv rundet das Bild ab: 456 Millionen Dollar Quartalsgewinn, 682 Millionen Free Cashflow, 429 Millionen an die Aktionäre. Das sind gut 63 Prozent, und fĂźr das Gesamtjahr sind Ăźber 60 % zugesagt. Die Nettoverschuldung liegt beim 0,6-Fachen des operativen Gewinns, die Produktionsprognose wurde auf 630 bis 645 Tausend Barrel Ăläquivalent pro Tag angehoben.
Du musst fĂźr diese Logik Ăźbrigens nicht Ăźber den Atlantik. Shell schĂźttet je Quartal rund 0,34 Euro aus und kauft parallel fĂźr 2,6 Milliarden Euro eigene Aktien zurĂźck. TotalEnergies hob zuletzt die Quartalsdividende um 5,9 % auf 0,90 Euro an und senkte die Nettoverschuldungsquote auf 13 %.
Bleibt die unbequeme Frage: Was, wenn der Ălpreis fällt? Goldman Sachs sieht Brent bei 85 Dollar im Dezember und 80 Dollar im Jahr 2027. Die Bank of America rechnet mit 83 Dollar im zweiten Halbjahr und 75 Dollar im kommenden Jahr. HSBC liegt mit 90 und 85 Dollar darĂźber und erwartet ein Marktgleichgewicht frĂźhestens Mitte 2027. Nach oben bleibt trotzdem Luft. Goldman nennt Ăźber 120 Dollar, falls die FĂśrderung am Golf 2027 im Schnitt 4 Millionen Barrel täglich unter dem Vorkriegsniveau bleibt.
Und der Haken an der ganzen Konstruktion? Rßckkäufe sind und bleiben freiwillig. ExxonMobil knßpft sein 20-Milliarden-Programm ausdrßcklich an angemessene Marktbedingungen. Im ersten Quartal dieses Jahres betrug der Free Cashflow gerade 2,7 Milliarden Dollar, ausgeschßttet wurden trotzdem 9,2 Milliarden. Fßr das zweite Quartal 2027 erwarten Analysten im Energiesektor bereits ein Gewinnminus von 26 %. Prßf also wirklich bei jedem einzelnen Titel, welcher Teil der schÜnen Rendite eine Basisdividende ist und welcher nur ein gutes Quartal abbildet.
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Erstellung und Verbreitung: Dieser Beitrag wurde von einem Redakteur der Finanzen.net GmbH, GartenstraĂe 67, 76135 Karlsruhe, erstellt. Wir, die Finanzen.net Zero GmbH, haben diesen Beitrag unverändert in diesem Mailing Ăźbernommen. Die Finanzen.net GmbH hat uns zugesichert, dass dieser Beitrag mit grĂśĂter Sorgfalt erstellt und zuvor keinem anderen Empfängerkreis zugänglich gemacht worden ist.
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