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der Iran-Krieg hat die ĂlmĂ€rkte in einen historischen Ausnahmezustand versetzt und gleichzeitig eine Frage aufgeworfen, die uns in den vergangenen Tagen kaum losgelassen hat: Wann hört Panik auf, irrational zu sein, und wann wird sie zur Chance?
Wir haben diese Ausgabe deshalb in zwei Teile geteilt. Zuerst ordnen wir den Makroschock historisch ein. Dann suchen wir QualitĂ€tsunternehmen, die in diesem Ausverkauf zu Unrecht mitgerissen worden sind. Viel SpaĂ!
tl;dr
đ Diese Wertpapiere zeigen wir Dir heute
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đ3i Group
đIntuit
đPro Medicus
đNemetschek
đKanzhun
Iran-Krieg
đĄ Was uns 1973, 1990 und 2022 ĂŒber den heutigen Ălschock lehren
400 Millionen Barrel. Diese Zahl ist so groĂ, dass sie kaum greifbar wirkt â bis Du weiĂt, dass die Notfallreserve nach dem Golfkrieg 1991 bei gerade mal einigen Dutzend Millionen Barrel lag. Die Internationale Energieagentur hat vor Kurzem die gröĂte Reservefreigabe ihrer Geschichte beschlossen, und das allein sagt uns mehr ĂŒber den Ernst der Lage als jede Chart-Analyse. Die entscheidende Frage ist nicht, ob dieser Schock historisch ist â das steht fest. Die Frage ist, welcher vergangene Krieg als Blaupause taugen könnte.
Durch die StraĂe von Hormus flossen normalerweise tĂ€glich rund 20 Millionen Barrel Ăl. Das entspricht ungefĂ€hr 20 % des globalen Tagesverbrauchs von 100 Millionen Barrel. Seit Kriegsbeginn ist dieser Fluss um ĂŒber 90 % eingebrochen. Saudi-Arabien leitet zwar noch rund 7 Millionen Barrel tĂ€glich ĂŒber Pipelines nach Yanbu und Fujairah um, doch laut Rapidan Energy Group bleiben trotzdem mehr als 10 Millionen Barrel tĂ€glich komplett unterbunden.
Was das im Vergleich bedeutet: Das arabische Ălembargo 1973 legte damals rund 7 % der globalen Versorgung lahm. Der Iran-Krieg 2026 ĂŒbertrifft jeden historischen PrĂ€zedenzfall. Erschwerend kommt hinzu, dass Saudi-Arabien dieses Mal kaum ReservekapazitĂ€t aufbauen kann â die PumpkapazitĂ€ten sitzen gröĂtenteils hinter der gesperrten Meerenge.
Seit Jahresbeginn sind die globalen Ăl-Futures um rund 80 % gestiegen. In einer einzigen Woche nach Kriegsbeginn legten US-Rohöl-Futures um mehr als 35 % zu. Das war der stĂ€rkste Wochenanstieg seit EinfĂŒhrung des Terminmarkts im Jahr 1983. WTI kletterte kurzzeitig auf 119,50 Dollar pro Barrel, Oxford Economics erwartet Brent im zweiten Quartal 2026 im Schnitt bei 114 Dollar â gegenĂŒber rund 70 Dollar vor Kriegsbeginn.
Zur Einordnung: Der Golfkrieg 1990 löste eine globale Rezession aus, die in den Industrienationen BIP-Verluste von etwa 1 bis 2 % verursachte. Beim Ukraine-Krieg 2022 waren die Preise bereits hoch, die erwarteten VersorgungsausfĂ€lle blieben aber groĂteils aus. Dieses Mal ist die physische Unterbrechung gröĂer als je zuvor.
Den S&P 500 trifft der Einbruch hart, doch er ist im historischen Vergleich noch nicht auĂergewöhnlich. Vergleichbare KursrĂŒckgĂ€nge gab es nach dem arabischen Ălembargo, der iranischen Revolution und dem Golfkrieg â alle im Bereich von -10 bis -15 % in den ersten Wochen. Der Unterschied dieses Mal: Der Markt war schon vor Kriegsbeginn unter Druck, weil Anleger die Bewertungen im KI-Sektor als zu hoch einstuften.â
Einige Analysten sehen hier ein echtes Risiko. Der Ukraine-Schock 2022 lieĂ den S&P 500 zunĂ€chst stabil â doch die daraus folgende Inflation trieb die Zinsen in die Höhe, und der Index verlor im ersten Halbjahr 2022 insgesamt 21 %. Ein Ă€hnlicher verzögerter Effekt ist auch jetzt denkbar.
Die Rendite zehnjĂ€hriger US-Staatsanleihen â das zentrale Barometer fĂŒr Kreditkosten weltweit â ist auf rund 4,34 % geklettert, die zweijĂ€hrigen Papiere notieren bei 3,875 %. Das sind die höchsten Niveaus seit Juli 2025. ZinsmĂ€rkte weltweit preisen Erhöhungen in Europa, GroĂbritannien, Japan und Australien ein. Weitere US-Zinssenkungen? Abgeschrieben.
Der Vergleich mit 1990 ist dabei aufschlussreich: Damals stiegen die Yields noch schneller, weil die USA energieintensiver waren. Heute ist Amerika durch die Shale-Revolution deutlich unabhÀngiger. Der Schock trifft trotzdem.
Die OECD erwartet, dass die US-Inflation 2026 auf 4,2 % steigen wird, fĂŒr die gesamte G20 prognostiziert sie rund 4 %. EZB-PrĂ€sidentin Christine Lagarde sprach von einem âwesentlichen Einfluss auf die Inflationâ und warnte vor Zweitrundeneffekten â also dem Moment, wenn höhere Energiekosten in Löhne und GĂŒterpreise weitergegeben werden. Im Extremszenario könnte die Eurozone-Inflation auf 4,4 % klettern. Das EZB-Ziel liegt bekanntlich bei 2 %.
Die Folgen reichen weit ĂŒber Benzinpreise hinaus. Laut einer Studie des Supply Chain Intelligence Institute Austria flieĂen Waren im Wert von rund 800 Milliarden Dollar durch die StraĂe von Hormus â darunter 85 % des Polyethylens aus Ostasien, das in Verpackungen, Landwirtschaft und KonsumgĂŒtern steckt. Moodyâs warnt: Bei einigen Rohstoffen reichen die LagerbestĂ€nde nur noch wenige Wochen.
Wie reagierst Du auf den Ălschock?
Investmentchancen
đ„ Ausverkauf ohne Grund? QualitĂ€tsaktien können Gewinner der Panik werden
Eine australische Medizinsoftware-Firma mit null Schulden, 72 % EBIT-Marge und 221 Millionen Dollar Cash auf dem Konto liegt 45 % im Minus. Nicht wegen eines Gewinneinbruchs, nicht wegen eines Skandals â sondern weil Ăl auf 119 Dollar geklettert ist und die ZinsmĂ€rkte Panik schieben. Das ist die Lage im MĂ€rz 2026, und sie erzeugt Gelegenheiten, die man nicht oft bekommt.Â
Was alle kommenden Titel verbindet, ist kein Sektor und kein GeschĂ€ftsmodell, sondern ein gemeinsames Problem: Sie wurden mitverkauft. Iran-Krieg, Zinsangst und KI-Bewertungsskepsis haben den breiten Markt unter Druck gesetzt â und qualitativ hochwertige Software- und Asset-Plattformen mit auĂergewöhnlichen FCF-Margen (Free Cashflow: der GeldĂŒberschuss nach allen Investitionen) trifft es genauso hart wie die schwachen Zyklikern.Â
đ3i Group ist keine Fondsgesellschaft im klassischen Sinne. Ăber 90 % des Marktwerts hĂ€ngen an einer einzigen Beteiligung: dem niederlĂ€ndischen Discounter Action, an dem 3i mehr als 65 % hĂ€lt. Action betreibt 3.302 Filialen in 14 LĂ€ndern, erwirtschaftete 2025 einen Nettoumsatz von 16 Milliarden Euro â plus 16 % gegenĂŒber dem Vorjahr â bei einer EBITDA-Marge von 14,8 %.
Der Burggraben funktioniert nach dem Prinzip âScale Economies Sharedâ: Statt die Skalenvorteile als Marge einzubehalten, gibt Action sie als niedrigere Preise weiter. Eine neue Filiale kostet im Schnitt 500.000 Euro und macht im ersten Jahr bereits 700.000 Euro Gewinn bei 3 Millionen Euro Umsatz â Break-even in unter zwölf Monaten. Das schafft kaum ein Konkurrent. Ab 2027 kommt der eigentliche Test: Action expandiert in die USA, mit einem geplanten Investitionsvolumen von 350 bis 400 Millionen Euro bis 2030. Das ist mehr Geld als bei allen bisherigen Europaexpansionen zusammen. Bernstein erwartet 20 % jĂ€hrliches NAV-Wachstum bis 2028.
đIntuit steuert in in seinem GeschĂ€ftsjahr 2026 auf 21 Milliarden Dollar Umsatz zu â 12 % mehr als im Vorjahr. TurboTax hat ĂŒber 40 Millionen Nutzer, QuickBooks 3 Millionen Online-Abonnenten, Credit Karma 30 Millionen. Beim letzten Quartalsbericht ĂŒbertraf das Unternehmen die Analystenerwartungen beim Gewinn je Aktie um 13 %. Trotzdem liegt der Kurs mehr als 47 % unter dem 52-Wochen-Hoch.
Der Daten-Burggraben erklĂ€rt, warum das ein Problem des Marktes ist, nicht von Intuit: Milliarden verarbeiteter Finanztransaktionen speisen KI-Modelle, die kein Wettbewerber in Jahren aufbauen könnte. TurboTax verkĂŒrzt durch Google-Cloud-KI die Bearbeitungszeit um 30 %. Das Risiko: Das QuickBooks-Segment wĂ€chst moderat langsamer als erwartet. Aber der PEG von 0,64 â ein Wert unter 1 gilt klassisch als Unterbewertungssignal â bei 34 % FCF-Marge ist eine Kombination, die man selten sieht.
Kein anderer Titel in unserer Auswahl ist aus Sicht viele Analysten so absurd gĂŒnstig fĂŒr das, was er liefert. đPro Medicus, australischer Anbieter der Radiologie-Software Visage 7, ist schuldenfrei, hat 221,8 Millionen Dollar Cash in der Kasse und erhöhte die Dividende im ersten Halbjahr 2026 um 28 %. Der Gewinn nach Steuern stieg um 230,9 %, die EBIT-Marge liegt bei 72,6 %. Wichtig aber auch: Der Gewinnanstieg enthĂ€lt 149 Millionen Dollar unrealisierte Bewertungsgewinne; bereinigt liegt das Plus bei 29,7 %.
Der Burggraben ist fĂŒnffach gesichert: ĂŒberlegene Bildtechnologie, Sicherheitsinfrastruktur auf Enterprise-Niveau, tiefe Workflow-Integration in klinische Systeme, Abo-UmsĂ€tze und Patente. Das eigentliche Schloss ist die Risikoaversion der Kunden: Kliniken nutzen Visage 7 fĂŒr lebensrelevante Diagnosen. Wechselbereitschaft tendiert bei vielen gegen null. Das Blue-Sky-Potenzial liegt laut Marktkennern in der Expansion von Radiologie auf Onkologie-Imaging und klinische KI-EntscheidungsunterstĂŒtzung. Das könnte den adressierbaren Markt verdreifachen, ohne einen einzigen neuen Kunden zu benötigen. Kursziel im Analystenkonsens: 104 % ĂŒber dem aktuellen Kurs.
đNemetschek hat 2025 erstmals die 1-Milliarden-Euro-Umsatzmarke ĂŒberschritten und plant fĂŒr 2026 weiteres Wachstum von 14 bis 15 % bei einer EBITDA-Marge von 32 bis 33 %. Der BIM-Markt (digitale Planung und Simulation von Bauprojekten) wĂ€chst laut 360 Research Reports von 4,7 Milliarden auf 18,3 Milliarden Dollar bis 2030. Im Segment âManage & Operateâ, also dem laufenden GebĂ€udebetrieb, hat Nemetschek erst 1 % Marktanteil bei einem TAM von 9 Milliarden Euro. Der EU-Green-Deal und Nachhaltigkeitspflichten treiben die Nachfrage nach digitaler Bauplanung regulatorisch an.
đKanzhun ist das GegenstĂŒck: Die chinesische Jobvermittlungsapp BOSS Zhipin hat mit rund 52 % die höchste FCF-Marge der gesamten Gruppe und das Management kauft bis August 2027 fĂŒr 400 Millionen Dollar eigene Aktien zurĂŒck. Der Netzwerkeffekt in einem Arbeitsmarkt mit 700 Millionen ErwerbstĂ€tigen ist enorm.
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Erstellung und Verbreitung: Dieser Beitrag wurde von einem Redakteur der Finanzen.net GmbH, GartenstraĂe 67, 76135 Karlsruhe, erstellt. Wir, die Finanzen.net Zero GmbH, haben diesen Beitrag unverĂ€ndert in diesem Mailing ĂŒbernommen. Die Finanzen.net GmbH hat uns zugesichert, dass dieser Beitrag mit gröĂter Sorgfalt erstellt und zuvor keinem anderen EmpfĂ€ngerkreis zugĂ€nglich gemacht worden ist.
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