• Aktien zum Frühstück
  • Posts
  • 💸 Gewinne lügen, Cash nicht: Warum Dein Depot an Buchhaltungstricks ersticken könnte

💸 Gewinne lügen, Cash nicht: Warum Dein Depot an Buchhaltungstricks ersticken könnte

Singleton lieferte 20,4 % Rendite und demütigte den Markt. So findest Du die stärksten Kapitäne für Dein Depot.

Guten Morgen ,

hast Du Lust auf eine Rendite, die selbst Warren Buffett den Atem raubt? Heute schauen wir einem Mann in den Kopf, der die Wall Street wie ein Schachbrett behandelte. Henry Singleton war kein gewöhnlicher Verkäufer, sondern ein kühler Rechner mit einem unschlagbaren Plan.

Stell Dir ein Weltreich vor, das mit der Mannschaft eines kleinen Dorfvereins gesteuert wird. Wir zerlegen eine Strategie, die Bürokratie konsequent ablehnt und Cash liebt. Es geht um radikale Entscheidungen, die aus einem einzigen Dollar ein echtes Vermögen machten.

Warum kaufen manche Chefs ihre eigenen Aktien wie im Rausch zurück, während andere nur wertvolles Geld verbrennen? Du erfährst heute, nach welchen Zeichen Du suchen musst, um die wahren Kapitäne für Dein Depot zu finden. Bleib dran – dein Blick auf Geschäftsberichte wird sich nach dieser Ausgabe grundlegend ändern.

Pause

❄️ Kurzer Boxenstopp: Wir ölen die Analyse-Maschine

Wir verabschieden uns zum 16. Februar in eine kurze Newsletter-Pause, um neue Investment-Ideen zu finden, spannende Unternehmen zu analysieren und ein paar Kennzahlen auf den Zahn zu fühlen. Aktien zum Frühstück pausiert in dieser Zeit.

 Am 23. Februar 2026 sind wir wieder für Dich da. Bis dahin wartet in unserem Archiv noch so manche Überraschung auf Dich.

Vorbild?

🧮 Der Mathe-Genius: Wie Henry Singleton die Börse berechenbar machte

Warren Buffett verneigt sich vor einem Mann: Henry Singleton. Wenn Du die Triumphe der 100 besten Business-School-Absolventen bündelst, reicht das nicht an ihn heran. Singleton war kein Dampfplauderer, sondern ein Genie. Er gewann die Putnam-Medaille als bester Mathematikstudent der USA und war fast ein Schach-Großmeister. 1960 gründete er Teledyne. Was er dann tat, veränderte die Regeln des Geldes für immer.

Stell Dir eine Firmenzentrale ohne Bürokratie vor. Während andere Konglomerate – also Unternehmen mit vielen unterschiedlichen Geschäftsbereichen – riesige Stäbe aufbauten, hielt Singleton die Leine kurz. Bei 40.000 Mitarbeitern arbeiteten in der Zentrale weniger als 50 Leute. Es gab keine Personalabteilung, keine Presseabteilung und keine Strategie-Gurus. Singleton hasste Politik im Büro. Er nannte das extreme Dezentralisierung: Er brach die Firma in kleinste Teile und gab den Managern vor Ort die volle Verantwortung.

Von 1961 bis 1969 kaufte Singleton 130 Firmen, von Flugzeugelektronik bis zu Spezialmetallen. Doch er war kein gieriger Sammler. Seine Regel war eisern: Er zahlte nie mehr als das 12-fache des Gewinns. Er nutzte einen Hebel: Die Teledyne-Aktie hatte ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) – also den Preis der Aktie im Verhältnis zum Jahresgewinn – von bis zu 50. Er tauschte seine „teuren“ Aktien gegen „billige“ Firmen ein. Als der Markt 1969 drehte und seine Aktie billiger wurde, stoppte er sofort alle Käufe.

Singleton pfiff auf Kennzahlen, die die Wall Street anbetete. Er erfand den „Teledyne-Return“. Das ist ein Durchschnitt aus dem Free Cash Flow – dem Bargeld, das nach allen Investitionen in der Kasse bleibt – und dem Nettoeinkommen. Singleton wusste: Man kann Gewinne schönen, aber Bargeld lügt nicht. Sein Ziel war das Maximum an Cash. Seine Bereiche lieferten in den 70ern und 80ern eine Kapitalrendite von über 20 %. Charlie Munger nannte das schlicht „lächerlich gut“.

Singleton war gnadenlos, wenn ein Geschäft nicht lief. Ein Beispiel: Packard Bell. Als er merkte, dass die japanische Konkurrenz bei Fernsehern billiger war, schloss er die Sparte sofort. Er war der erste US-Hersteller, der den Markt verließ. Er verschwendete keine Zeit mit Hoffnungen, sondern handelte nach Fakten. Diese Flexibilität war seine Waffe. Er wollte das Boot jeden Tag neu steuern, statt starren Plänen zu folgen.

1972 tat Singleton etwas, das die Wall Street für Wahnsinn hielt. Er rief seinen Aufsichtsrat Arthur Rock aus einer Telefonzelle an: „Unsere Aktie ist zu billig“. Er startete die größte Rückkauf-Aktion der Geschichte. Zwischen 1972 und 1984 kaufte er 90 % aller Teledyne-Aktien zurück. Während andere Firmen Aktien wie Konfetti verteilten, saugte Singleton sie förmlich auf. Er kaufte die Stücke zu einem KGV von unter 8, nachdem er sie zuvor bei einem KGV von 25 ausgegeben hatte.

Dieser Schachzug steigerte den Gewinn je Aktie (EPS) gewaltig. Von 1971 bis 1984 stieg dieser Wert um das 40-fache. Singleton investierte 2,5 Milliarden Dollar in diese Rückkäufe. Er nutzte oft Schulden, wenn die Zinsen niedrig waren. Damit senkte er die Steuerlast und steigerte den Wert für die verbliebenen Aktionäre massiv. Wer bei ihm blieb, wurde reich.

Singleton war auch ein begnadeter Investor. Er übernahm die Portfolios seiner Versicherungen. 1975 steckten dort nur 10 % des Kapitals in Aktien; 1981 waren es 77 %. Er ignorierte die breite Streuung und investierte 70 % des Geldes in nur fünf Unternehmen. Er kaufte, was er kannte. Der Buchwert seiner Versicherungen – das Eigenkapital in der Bilanz – stieg von 1975 bis 1985 um das Achtfache.

Ab 1986 begann Singleton mit der De-Konglomeratisierung. Er nutzte Spin-offs – das sind Abspaltungen von Firmenteilen, die als eigene Unternehmen an die Börse kommen. So starteten Argonaut und Unitrin. 1987 zahlte er die erste Dividende nach 26 Jahren. Warum? Er fand keine besseren Wege mehr, das Geld gewinnbringend zu investieren.

Das Ergebnis: Von 1963 bis 1990 lieferte Teledyne eine jährliche Rendite von 20,4 %. Der S&P 500 – der Index der 500 größten US-Firmen – schaffte nur 8 %. Ein einziger Dollar, den du 1963 in Singleton investiert hättest, wäre 1990 genau 180,94 Dollar wert gewesen. Das ist die zwölffache Outperformance gegenüber dem Markt. Sein Vermächtnis: Denke wie ein Eigentümer, achte auf das Bargeld und schwimme gegen den Strom.

Dein Research

🧠 Kapital-Genies gesucht: Warum Du in Investoren investieren solltest

Wenn Du nach der nächsten Kursrakete suchst, solltest Du vielleicht aufhören, auf bunte Werbebroschüren zu starren. Such stattdessen nach einem Mann wie Henry Singleton. Er war kein klassischer Manager, sondern ein Mathematiker, der das Spielfeld der Börse wie ein Schachbrett las. Aber wie findest Du heute einen solchen Outsider-CEO für Dein Depot? Hier ist Dein Kompass.

Der erste Blick gilt nicht dem Produkt, sondern dem Kopf: Such nach einem Investor im Chefsessel. Die meisten CEOs sehen sich als Verkäufer oder Ingenieure. Singleton sah sich primär als Kapitalallokator – das ist jemand, der entscheidet, wohin jeder verdiente Dollar fließt, um den höchsten Wert zu schaffen. Er überließ das Tagesgeschäft seinen Managern und konzentrierte sich ganz darauf, Geld klug zu investieren. Wenn Du einen CEO findest, der in Geschäftsberichten mehr über Rendite auf das eingesetzte Kapital spricht als über neue Büromöbel, hast Du den ersten Treffer gelandet.

Prüfe die Firmenzentrale auf ihren Fettgehalt. Große Konzerne neigen zu aufgeblähten Stäben und teuren Glaspalästen. Teledyne, Singletons Reich, war anders: Bei 40.000 Mitarbeitern arbeiteten in der Zentrale weniger als 50 Leute. Es gab keine PR-Abteilung, kein Personalwesen in der Mitte und keine Berater-Armeen. Singleton setzte auf extreme Dezentralisierung, was bedeutet, dass die Verantwortung ganz unten bei den Chefs der einzelnen Fabriken lag. Für Dich als Anleger ist das ein Goldstandard: Such Unternehmen, die schlank sind und ihre Energie in die Arbeit stecken, nicht in die Verwaltung.

Achte auf den „Saugschlauch“ statt auf den „Strohhalm“. Fast jede Firma kauft heute eigene Aktien zurück, aber meistens nur wenige und viel zu teuer. Singleton war radikal: Er kaufte zwischen 1972 und 1984 unglaubliche 90 % aller Teledyne-Aktien vom Markt weg. Er nutzte dabei Tender-Angebote – das sind öffentliche Angebote an alle Aktionäre, ihre Anteile zu einem festen Preis an die Firma zu verkaufen. Das Geniale: Er schlug zu, als das KGV (das Verhältnis von Aktienkurs zu Gewinn) unter 8 lag. Wenn ein CEO kauft, wenn es wehtut und die Preise im Keller sind, dann meint er es ernst mit Deinem Vermögen.

Ignoriere das Geschwätz über Quartalsgewinne und schau auf den Cash-Bestand. Die Wall Street liebt glatte Gewinnkurven, aber Singleton nannte das „Jiggles“ – also ein leichtes Wackeln der Zahlen. Er optimierte Teledyne auf den Free Cashflow, also das echte Bargeld, das nach allen Investitionen in der Kasse bleibt. Er erfand sogar den „Teledyne-Return“, eine Kennzahl aus Cashflow und Reingewinn, um seine Manager zu steuern. Ein Unternehmen, das massiv Cash generiert, kann Rückschläge wegstecken, während Firmen, die nur auf dem Papier Gewinne machen, beim ersten Sturm umkippen.

Singleton kaufte in acht Jahren 130 Firmen, aber er zahlte nie mehr als das Zwölffache des Gewinns. Er mied Turnarounds, also Krisenfirmen, die angeblich nur ein bisschen Liebe benötigen. Er wollte profitable Firmen in Nischenmärkten, die ihre Produkte „per Unze und nicht per Tonne“ verkauften. Sobald die Preise am Markt zu hoch wurden, stoppte er 1969 seine Käufe von heute auf morgen. Diese Disziplin, auch mal „Nein“ zu sagen, ist das sicherste Zeichen für einen CEO, der Dein Geld schützt.

Ein echter Singleton-Typ pfeift auf die Meinung der Analysten. Singleton gab keine Prognosen ab und besuchte keine Konferenzen für Investoren. Er machte keine Aktiensplits – das ist die Teilung einer Aktie in mehrere billigere Stücke –, nur um den Kurs optisch niedrig zu halten. Teledyne war zeitweise die teuerste Aktie an der New Yorker Börse. Warum? Weil er keine kurzfristigen Zocker wollte, sondern Partner, die wie er langfristig dachten. 

Prüfe, ob der Chef „Skin in the Game“ hat. Singleton besaß selbst 13 % an seinem Unternehmen. Er dachte wie ein Eigentümer, weil er einer war. Er zahlte 26 Jahre lang keine Dividende, weil er wusste, dass das Geld im Unternehmen bei ihm besser aufgehoben war und so die Steuer für die Anleger gespart wurde. Er hielt Portfolios seiner Versicherungen konzentriert in nur wenigen Firmen, die er genau kannte. Diese radikale Konzentration auf das Wesentliche ist das Gegenteil von dem, was Berater oft predigen, aber es ist der Weg zu echtem Reichtum.

Bleib flexibel, wenn sich die Fakten ändern. Singleton war nicht verheiratet mit seiner Strategie. In den 60ern war er der Käufer, in den 70ern der Rückkäufer und in den 80ern der Aufspalter. Er nutzte Spin-offs – also die Abspaltung von Firmenteilen als eigenständige Aktiengesellschaften –, um Werte freizusetzen. Sein einziger Plan war es, „das Boot jeden Tag neu zu steuern“. Wenn du einen CEO findest, der klug genug ist, seine Meinung zu ändern, wenn die Welt sich dreht, dann halte ihn fest. Dein Depot wird es dir mit einer Performance danken, die Singleton stolz gemacht hätte.

Kompakt

🔍 Die Singleton-Checkliste: Taugt der CEO zum erfolgreichen Outsider?

  • Der Investor-Chef: Der CEO verteilt das Kapital lieber klug, statt sich im operativen Tagesgeschäft zu verlieren.

  • Schlanke Zentrale: Das Unternehmen verzichtet auf einen teuren Wasserkopf und hält die Verwaltung schlank.

  • Aktien-Staubsauger: Das Management kauft eigene Anteile massiv zurück, sobald der Kurs deutlich unter den Wert fällt.

  • Cash-Fokus: Die Führung jagt echtes Bargeld statt optisch polierter Buchhaltungsgewinne.

  • Preisdisziplin: Bei Firmenkäufen gilt ein eisernes Limit vom maximal Zwölffachen des Jahresgewinns.

  • Analysten-Stopp: Der Chef pfeift auf Prognosen und lässt lieber die nackten Fakten für sich sprechen.

  • Echte Teilhabe: Die Entscheider halten selbst hohe Aktienpakete und sitzen mit Dir im selben Boot.

Wie hat Dir der Newsletter gefallen?

Login oder Abonnieren um an umfragen teilzunehmen.

Erstellung und Verbreitung: Dieser Beitrag wurde von einem Redakteur der Finanzen.net GmbH, Gartenstraße 67, 76135 Karlsruhe, erstellt. Wir, die Finanzen.net Zero GmbH, haben diesen Beitrag unverändert in diesem Mailing übernommen. Die Finanzen.net GmbH hat uns zugesichert, dass dieser Beitrag mit größter Sorgfalt erstellt und zuvor keinem anderen Empfängerkreis zugänglich gemacht worden ist.

Interessen und Interessenkonflikte: Der erstellende Redakteur hält Eigenpositionen an den besprochenen Finanzinstrumenten.

Die Finanzen.net ZERO GmbH profitiert wirtschaftlich davon, wenn Empfänger dieses Mailings die besprochenen Finanzinstrumente über unsere Brokerfunktion handeln.

Disclaimer: Wir, die Finanzen.net ZERO GmbH, übernehmen keine Haftung für die Richtigkeit, Vollständigkeit und Aktualität der in diesem Beitrag enthaltenen Informationen. Dieser Beitrag stellt weder ein Angebot, eine Aufforderung zum Erwerb oder Verkauf eines Finanzinstruments, noch eine Empfehlung oder Anlageberatung dar. Eine Anlageentscheidung sollte keinesfalls ausschließlich auf die Informationen in diesem Beitrag gestützt werden. Geldanlagen in Finanzinstrumente sollten immer unter langfristigen Gesichtspunkten und unter Berücksichtigung der persönlichen Kenntnisse, Erfahrungen, finanziellen Verhältnisse und Anlageziele getätigt werden. Anleger sollten bedenken, dass sie bei der Investition in Finanzinstrumente Verluste bis zum Totalverlust des investierten Kapitals (bei einigen Finanzinstrumenten sogar über das eingesetzte Kapital hinaus) erleiden können. Die Wertentwicklung in der Vergangenheit ist kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.