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manchmal sagt eine einzige Kennzahl mehr über eine Volkswirtschaft aus als ein ganzer Konjunkturbericht. Zum Beispiel in der vergangenen Woche. Der größte Händler der Welt hatte Zahlen vorgelegt, die auf den ersten Blick solide aussahen. Und Mr. Market hat trotzdem verkauft. Warum, das erschließt sich erst nach einer genauen Analyse.

Gleichzeitig ist Geld geflossen, mit dem vor einem Jahr niemand gerechnet hat. Milliarden, die niemand erwirtschaftet hat, sondern die ein Gerichtsurteil zurückgeholt hat. Wir haben uns angesehen, was passiert, wenn du solche Sondereffekte herausrechnest. Viel Spaß beim Lesen!

tl;dr

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Earnings

🧾 +2,6 % kosten den größten Händler der Welt 9 % Börsenwert

Vergangene Woche hat der US-Einzelhandel seine Bücher geöffnet, und du hast selten so gut sehen können, wie unterschiedlich es Händlern im selben Land, im selben Quartal, mit denselben Kunden gehen kann. Am Ende stand ein Kursrutsch beim größten Händler der Welt und ein Rekordergebnis bei einem Discounter, den viele Anleger nicht so wirklich auf dem Zettel haben.

Walmart legte Zahlen vor, die auf dem Papier zunächst ganz gut aussahen: 187,9 Milliarden Dollar Umsatz, ein Plus von 5,9 %, ein bereinigter Gewinn von 0,81 Dollar je Aktie gegenüber erwarteten 0,74 Dollar, dazu eine angehobene Jahresprognose. Die Aktie verlor trotzdem rund 9 %. Der Grund dafür schlummert wohl in einer einzigen Kennzahl.

Diese Kennzahl heißt „Comparable Sales", auf Deutsch flächenbereinigte Umsätze. Das ist das, was Filialen und Online-Kanäle erwirtschaften, die seit mindestens 12 Monaten laufen. Sie blendet neue Standorte aus und zeigt damit, ob ein Händler wirklich wächst oder nur mehr Läden aufmacht. Walmart schaffte ein Plus von 2,6 %. Erwartet hatte der Markt +3,8 %.

Und jetzt wird es interessant, denn diese Lücke hat nur wenig mit leeren Einkaufswagen zu tun. Rund 80 bis 90 Basispunkte des Rückstands stammen aus der Apotheke. Seit Anfang 2026 kaufen Amerikaner Abnehm- und Diabetesmittel über eine staatlich verhandelte Plattform deutlich billiger ein: Ozempic für rund 285 Dollar, Wegovy für rund 349 Dollar im Monat, jeweils rund 70 % unter Listenpreis.

Für Walmart heißt das genauso viele oder sogar mehr Packungen über den Tresen, spürbar weniger Umsatz. Ohne diesen Effekt hätte der flächenbereinigte Umsatz bei +3,4 % gelegen und damit ziemlich exakt im Rahmen.

Der Rest des Quartals war stark. Das US-Onlinegeschäft wuchs um 24 % und steuerte allein rund 5,1 Prozentpunkte zum Comparable Sales bei. Die Werbetochter legte um 43 % zu. Das sind Margen, von denen der Lebensmittelhandel nur träumt. Die Bruttomarge kletterte auf 25,4 %.

Die schlechte Nachricht steckt letztlich eher im Ausblick. Für das laufende Quartal stellt das Management nur 0,62 bis 0,64 Dollar je Aktie in Aussicht. Auf das Unternehmen warten über 2 Milliarden Dollar zusätzliche Kosten allein durch teuren Sprit. Das Umfeld erklärt also einiges. Die Gallone Benzin kostet im Schnitt 4,04 Dollar nach 3,14 Dollar vor einem Jahr, ein Plus von knapp 25 %. Die Inflation liegt bei 3,4 %, die Kernrate bei 2,5. Im Juli fielen die Einzelhandelsumsätze um 0,6 % zum Vormonat, und das Verbrauchervertrauen rutschte laut Studie der Universität Michigan Anfang August um 8 % auf 51 Punkte.

Und dann gibt es natürlich noch Target. Der Konzern, den man jahrelang abgeschrieben hatte, meldete 3,8 % Comparable-Sales-Wachstum gegen erwartete 2,4 %. Entscheidend: Die Kundenfrequenz stieg um 3,6 %. Das ist interessant, denn Frequenz lässt sich nicht durch Preiserhöhungen herbeirechnen. Digital legte um 8,7 % zu, die Lieferung am selben Tag um über 25 %.

Beim Gewinn wird es dann aber tricky. Target verdoppelte das Ergebnis je Aktie auf 4,13 Dollar. Aber 1,65 Dollar davon stammen aus einer Zollrückerstattung. Ohne diesen Posten bleibt ein Plus von rund 20 %. Ordentlich, aber eben nicht spektakulär.

Weiter geht’s: Bei den Baumärkten entscheidet nicht der Konsument, sondern der Hypothekenzins. Home Depot kam auf 1,7 % Comparable-Sales-Wachstum und damit auf seinen besten Wert seit dem dritten Quartal 2022. Der Durchschnittsbon der Kunden stieg um 2,8 % auf 92,50 Dollar, die Zahl der Einkäufe fiel jedoch um 1 %. Übersetzt heißt das: weniger Leute, die mehr mitnehmen.

Lowe's traf es härter. 0,2 % Comparable-Sales-Wachstum, -2,1 % bei den vergleichbaren Transaktionen, eine um 80 Basispunkte gesunkene Bruttomarge. Das Ergebnis je Aktie stagniert bei 4,27 Dollar. Die Jahresprognose wurde vom Management auf das untere Ende zusammengestrichen: 92 Milliarden Dollar Umsatz und 12,25 Dollar bereinigtes Ergebnis.

Der Grund: Die 30-jährige Hypothek notiert bei knapp 6,8 %, die Verkäufe bestehender Häuser fielen im Juli auf eine Jahresrate von 4,06 Millionen, der Medianpreis stieg zum 37. Mal in Folge auf 434.100 Dollar. Wer nicht umzieht, renoviert bestenfalls das kleine Gästebad, aber baut eben keine neue, teure Küche.

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Makro-Einflüsse

⚖️ Zoll-Milliarden: Diese Quartalszahlen solltest du zweimal lesen

Am 20. Februar 2026 hatte der Supreme Court mit 6 zu 3 Stimmen entschieden, dass Trump auf Grundlage des Notstandsgesetzes IEEPA keine Zölle verhängen darf. Damit waren diese Zölle rückwirkend ungültig. Was folgte, ist einer der größten Rückabwicklungsvorgänge der US-Wirtschaftsgeschichte. Und dieser landet jetzt in den Gewinn- und Verlustrechnungen.

Das zuständige Handelsgericht hatte die Zollbehörde zur Rückzahlung von rund 165 Milliarden Dollar verpflichtet. Bis Ende Juli waren nach Behördenangaben etwa 128,7 Milliarden Dollar in Bearbeitung. Ein Teil dieser Summe ist im zweiten Quartal auf den Konten der großen Händler gelandet, natürlich als einmaliger Sondereffekt, der nichts mit dem operativen Geschäft zu tun hat.

Die Beträge: Walmart erhielt 2,9 Milliarden Dollar, Target 994 Millionen, Home Depot 730 Millionen, Ross Stores 253 Millionen. Bei Lowe's schlug der Effekt mit 11 Cent je Aktie zu Buche, bei TJX im Halbjahr mit 14 Cent, bei Estée Lauder mit 7 Cent. Praktisch jeder größere Händler hat mitgenommen, nur reden nicht alle gleich offen darüber.

Und noch spannender als diese reinen Summen ist, was damit passiert. Walmart schickte das Geld in über 11.000 Preissenkungen, gegenüber rund 7.200 im Vorquartal. Home Depot nutzte es zum Ausgleich gestiegener Kosten: 145 Basispunkte Margenplus aus der Rückzahlung, denen rund 60 Basispunkte ungeplante Kosten für Sprit, Energie und Vorprodukte gegenüberstanden. Target ließ es weitgehend in den Gewinn fließen.

Deshalb lohnt sich bei jedem dieser Berichte der Blick auf die bereinigte Zahl. Target wies eine operative Marge von 9,6 % aus. 3,7 Prozentpunkte davon kamen aus der Rückerstattung. Bei Ross stiegen die operative Marge um 610 Basispunkte, davon 405 aus dem Zolleffekt. Bereinigt bleiben 205 Basispunkte, immer noch deutlich über Plan, aber eben eine ganz andere Hausnummer.

Ein Missverständnis solltest du umgehen: Das ist keine Zoll-Entwarnung. Zölle nach Section 232 und Section 301 laufen unverändert weiter, und Home Depot verwies bereits darauf, dass ausgelaufene Regelungen im Juli durch andere ersetzt wurden. Zurückgezahlt wird nur, was auf einer für rechtswidrig erklärten Grundlage kassiert wurde. Der Effekt läuft im zweiten Halbjahr aus.

Für dich als Anleger heißt das alles zweierlei. Erstens: Prüfe bei jedem Retail-Bericht, wie viel vom Gewinn aus Zollrückerstattungen stammt. Zweitens: Achte auf Kundenfrequenz statt auf Umsatz. Wer allein über den Bon wächst, wächst über Preise. Und Preise lassen sich in einem Preiskampf nicht halten. Dann kann es selbst für die Big Player im Konsumbereich eng werden.

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