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Warren Buffett hat eine Ära geprägt. Jetzt beginnt eine neue, und sie ist unruhiger und rätselhafter als die alte.

In dieser Ausgabe nehmen wir Berkshires aktivstes Quartal seit Jahren auseinander: Wer hat 15 Milliarden Dollar in Alphabet gesteckt? Warum flog ein 14-Milliarden-Portfolio über Nacht raus? Und was haben die neuen Entscheider am letzten Tag des Quartals heimlich gekauft?

Danach zeigen wir Dir, welche kleineren Unternehmen das Berkshire-Modell heute konsequenter spielen als Berkshire selbst. Eines davon hat das Original in den vergangenen 10 Jahren um das Vierfache übertroffen.

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Guru-Check

🧹 Berkshire räumt auf! Doch wer zahlt die Rechnung?

2 Milliarden Dollar Steuern: Das ist der Preis, den 👉Berkshire Hathaway im ersten Quartal 2026 für seinen radikalen Portfolioumbau gezahlt hat. Doch hinter der nüchternen Zahl steckt eine Frage, die die Investment-Welt gerade umtreibt: Wie viel von dem, was in Omaha gerade passiert, ist der neue CEO Greg Abel und wie viel ist noch Warren Buffett?

👉Berkshire hat im ersten Quartal Aktien im Wert von 24 Milliarden Dollar verkauft und gleichzeitig für 16 Milliarden Dollar neue Positionen aufgebaut. Letztlich hat das Unternehmen also netto 8 Milliarden Dollar aus dem Aktienmarkt abgezogen. Es war eines der aktivsten Quartale, die Berkshire in jüngerer Geschichte hingelegt hat. Und der Auslöser dafür ist klar: Todd Combs ist weg.

Combs, der seit 2010 bei 👉Berkshire arbeitete, verwaltete zuletzt rund 5 % des gesamten Aktienportfolios, entsprechend etwa 14 bis 15 Milliarden Dollar. Im Dezember 2025 wechselte er zu JPMorgan Chase. Kurz danach entschied Abel: Die Combs-Positionen fliegen raus. Und genau das ist passiert. Darunter 👉Visa, 👉Mastercard, 👉Amazon, 👉UnitedHealth Group, 👉Constellation Brands und 👉Aon – alles weg oder in großen Happen reduziert.

Die Reaktion in der Investment-Community ist gespalten. Die Kritiker sagen: Abel hat 👉Berkshire 2 Milliarden Dollar an Steuerrechnung eingebrockt, indem er Blue-Chip-Unternehmen mit strukturellen Wachstumstreibern verkauft hat. Visa und Mastercard dominieren gemeinsam den globalen Zahlungsverkehr, Amazon ist Weltmarktführer im E-Commerce und Cloud-Geschäft. Warum das verkaufen?

Das Gegenargument ist aber auch hörenswert: Ein Aktienportfolio ist kein Selbstläufer. Wer eine Position aufbaut, muss sie auch aktiv beobachten. Combs war derjenige, der diese Titel kannte, analysierte und im Blick hielt. Ohne ihn sind sie für 👉Berkshire womöglich eher Fremdkörper. Die 5 %, die er verwaltete, sind außerdem gemessen am Gesamtportfolio von rund 263 Milliarden Dollar überschaubar. Viele Analysten halten diese Abwägung für legitim, auch wenn der Steuerschaden natürlich schmerzt.

Jetzt kommt die interessantere Frage: Wer hat 👉Berkshires Alphabet-Position von 18 Millionen auf 58 Millionen Aktien verdreifacht? Diese Transaktion kostete auf Basis des Q1-Durchschnittskurses von rund 395 Dollar etwa 15 bis 16 Milliarden Dollar. Die Beteiligung ist damit auf einen Gesamtwert von rund 20 Milliarden Dollar angewachsen und hat sich seit Jahresbeginn um 25 % im Kurs verteuert. 👉Alphabet ist damit Berkshires siebtgrößte Position – unter anderem hinter 👉Apple, 👉American Express, 👉Coca-Cola und 👉Bank of America.

Das Problem: Der Kauf ist zu groß für Ted Weschler, 👉Berkshires zweiten internen Fondsmanager, der ein Mandat von rund 18 bis 20 Milliarden Dollar verwaltet. Also entweder Abel, der damit seinen ersten großen Stempel als neuer Kapitän hinterlassen hätte, oder Buffett selbst, der als Chairman formal noch immer Einfluss auf Investmententscheidungen hat. Eine gemeinsame Entscheidung ist ebenfalls denkbar. Klärung gibt es bislang nicht.

Durch den Wegfall der Combs-Positionen wird das Portfolio von Ted Weschler sichtbarer. Er verwaltet seit 2012 rund 6 % des Portfolios und ist bekannt für einen strikten Value-Ansatz. Besonders auffällig: 👉DaVita (4 Milliarden Dollar) und 👉Sirius XM (3 Milliarden Dollar) hält Weschler auch privat. Das ist ein klares Signal für eine tiefe Überzeugung bei diesen Titel.

Die neue 👉Delta Air Lines-Position von 3 Milliarden Dollar passt zu ihm. Abel hatte in seinem Jahresbrief Anfang März kommuniziert, dass Weschlers Mandat von 5 auf 6 % des Portfolios ausgeweitet wird, was rechnerisch genau diesen Spielraum schafft. Delta, die profitabelste US-Airline, wird mit dem rund 10-fachen Jahresgewinn bewertet und ist damit für einen Branchenführer vergleichsweise günstig. Für einen Value-Investor ist das ein naheliegender Einstieg.

Am 31. März 2026, dem letzten Tag des Quartals, saß Buffett bei CNBC im Studio. Auf die Frage, ob er als Chairman noch Aktien kaufe, antwortete er: „Got one tiny purchase." 3 Millionen 👉Macy’s-Aktien für rund 55 Millionen Dollar, eine 1-%-Beteiligung am angeschlagenen Kaufhauskonzern, tauchten im 13-F für dieses Quartal auf. Timing und Größe passen perfekt zu Buffetts Aussage.

Was sieht Buffett in 👉Macy’s? Vermutlich nicht das Warenhausgeschäft selbst. Macy’s besitzt bedeutende Flagship-Immobilien in Innenstadtlagen, deren Substanzwert den aktuellen Börsenkurs übersteigt. Das ist klassisches Buffett-Denken: nicht das Geschäft kaufen, sondern den Wert darunter entdecken.

All das passiert vor dem Hintergrund einer Cash-Position, die Ende des ersten Quartals bei rund 397 Milliarden Dollar liegt. Das ist mehr als doppelt so viel wie Ende 2023, als noch 168 Milliarden gemeldet wurden. Das Aktienportfolio selbst hat einen Marktwert von über 300 Milliarden Dollar. 👉Berkshire sitzt damit auf einem Kapitalberg, der auch Entscheidungen erzwingt.

Wenn die 👉Alphabet-Investition tatsächlich Abels erste große Eigeninitiative ist, dann ist das ein ermutigendes Signal: Der neue Mann am Steuer traut sich, groß zu denken. 👉Berkshire brauche das, sagen einige Analysten.

Konkurrenz

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1.400 % in 10 Jahren. Berkshire Hathaway schaffte im gleichen Zeitraum 310 %. Und das Unternehmen dahinter hat noch nicht einmal eine Versicherungssparte. Wie ist das möglich und was verbindet diese Firma mit einem Nischenversicherer aus Virginia und einem Konglomerat, das kaum jemand kennt? Sie alle spielen dasselbe Spiel wie Buffett: günstiges Kapital einfangen und langfristig in hervorragende Beteiligungen investieren. Nur die Methode unterscheidet sich ein wenig, und genau das macht sie interessant.

Das Prinzip klingt simpel, ist aber schwer zu kopieren. Du nimmst Prämieneinnahmen aus dem Versicherungsgeschäft, also Geld, das Kunden Dir heute geben und das Du erst in einigen Jahren wieder auszahlen musst, und investierst es so klug, dass die Rendite den Versicherungsbetrieb bei weitem übertrifft. Dieses Kapital nennt sich im Fachjargon „Float", also der Betrag, der zwischen Prämieneinnahme und Schadenszahlung in Deiner Kasse liegt. Berkshire hat dieses Modell über 60 Jahre perfektioniert. Einige kleinere Unternehmen laufen ihm mittlerweile nach, und manchmal sogar davon…

Wer das Wachstumspotenzial dieser Gruppe verstehen will, sollte mit 👉Constellation Software aus Toronto beginnen. Das Unternehmen hat mit Versicherungen nichts zu tun. Es kauft stattdessen ausschließlich sogenannte Vertical Market Software, Nischenprogramme für Spezialberufe, die kaum jemand kennt: Friedhofsverwaltung, Campingplatzbuchung, Kommunalabgaben. Klingt abseitig. Ist es auch. Und genau das ist der Punkt.

Mehr als 1.000 solcher Unternehmen hat Constellation durch 6 operative Gruppen erworben und keine einzige davon wieder verkauft. Jede Tochtergesellschaft schüttet ihren Free Cashflow nach oben ab, der dann sofort in das nächste Ziel re-investiert wird. Der Free Cashflow wuchs in 5 Jahren mit 18 % jährlich – von 1,2 Milliarden im Jahr 2020 auf 2,7 Milliarden Dollar im Jahr 2025. 

Der Burggraben ist dabei nicht die Technologie selbst, sondern die Abhängigkeit der Kunden: Wer seine Friedhofsverwaltungssoftware einmal eingeführt hat, wechselt sie nicht. Die Datenmigration, das Training, der Prozessbruch wären teurer als der Nutzen. Im März 2026 hat CEO Mark Leonard das Unternehmen verlassen. Kurzfristig erzeugt das Unsicherheit. Langfristig zeigt es, dass das Modell ohne ihn trägt. Das einzige echte Risiko: KI könnte Wechselkosten eines Tages senken und den Vorteil langsam aushöhlen.

👉Markel aus den USA bietet das klassischere Modell. Hier gibt es tatsächlich eine Versicherungssparte, aber keine gewöhnliche. Markel versichert Spezialrisiken, die große Anbieter ablehnen: Gefahrguttransporte, Nischenindustrien, ungewöhnliche Haftungsrisiken. Die Prämien landen nicht im Tagesgeld, sondern in einem Beteiligungsportfolio namens Markel Ventures: Bäckereimaschinen, Zierpflanzen, Betonfertigteile. Das klingt nach Buffett, weil es Buffett ist, nur kleiner.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 23 Milliarden Dollar und 22.900 Mitarbeitern ist 👉Markel groß genug für Skaleneffekte, klein genug für Kurswechsel. Aktuell läuft das Jahr 2026 jedoch holprig: Im ersten Quartal verbuchte das Unternehmen einen Nettoverlust von 212 Millionen Dollar, getrieben von Investitionsverlusten in Höhe von 728 Millionen Dollar. Gleichzeitig fordert der aktivistische Investor Jana Partners lautstark den Verkauf von Markel Ventures und ein Aktienrückkaufprogramm über 2 Milliarden Dollar. Allein diese Nachricht ließ die Aktie um 7,6 % einbrechen.

Das ist ein echter Prüfstein für das Management. Das Kursziel der Analysten liegt im Median bei 2.069 Dollar und damit rund 9 % über dem aktuellen Niveau. Dividende zahlt 👉Markel nicht, und das ist Absicht: Re-Investition schlägt Ausschüttung, solange das Kapital intern fleißiger arbeitet als außerhalb.

Prem Watsa, Gründer und CEO von 👉Fairfax Financial Holdings, zitiert Buffett fast wörtlich: „Unser liebster Haltezeitraum ist für immer." Der Kanadier aus Toronto hat aber eine eigene Handschrift entwickelt, eine makroorientierte, konträre Investitionsstrategie, die 2008 durch rechtzeitige Short-Positionen gegen den Subprime-Markt nicht nur Verluste verhinderte, sondern Gewinne einfuhr.

👉Fairfax handelt aktuell mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 9 und einem Kurs-Buchwert-Verhältnis von 1,6. Für ein Konglomerat dieser Reife erscheint das recht günstig. Der Kurs liegt 18 % unter dem 52-Wochen-Hoch, die Jahresperformance steht bei -17 %, primär weil 2024 rund 1,1 Milliarden Dollar an Katastrophenschäden die Versicherungssparte belasteten.

👉Fairfax ist zudem der drittgrößte Versicherer fossiler Brennstoffprojekte weltweit – ein Punkt, den institutionelle Investoren zunehmend honorieren, indem sie die Aktie meiden. Das ist eine Schwachstelle. Wer trotzdem einsteigt, setzt darauf, dass Watsas Makro-Timing und die günstige Bewertung stärker wiegen als diese Belastung.

👉Brookfield Corporation aus Kanada skaliert das Berkshire-Modell global und hat dabei Berkshire selbst hinter sich gelassen: 18 % annualisierte Rendite über 30 Jahre, gegenüber 13 % für Berkshire im gleichen Zeitraum. CEO Bruce Flatt setzt das explizit um: Versicherungseinnahmen als dauerhaften Float nutzen, um Infrastruktur, erneuerbare Energien, Immobilien und Private Equity langfristig zu halten. Brookfield verwaltet heute über 1 Billion Dollar an Assets under Management.

Der Burggraben ist nicht makellos: Die Preismacht im Finanzsektor ist begrenzt, der Wettbewerb intensiv. Das eigentliche Upside liegt in der Versicherungssparte 👉Brookfield Wealth Solutions, die so wachsen soll, dass sie einmal den Rest des Konzerns besitzen könnte.

👉Loews Corporation ist vermutlich die unbekannteste all dieser Holdings. 4 Hauptbeteiligungen: CNA Financial als Kernversicherer mit 81 % des Umsatzes, Boardwalk Pipelines für Erdgas, Loews Hotels und ein Offshore-Bohrgeschäft. Im ersten Quartal 2026 erzielte Loews 4,55 Milliarden Dollar Umsatz und schrieb einen Nettogewinn von 337 Millionen Dollar.

Das Blue-Sky-Szenario mutet eher lahm an: verlässliche Rückkäufe, stabile Dividende, möglicher Abbau des strukturellen Holding-Abschlags. 👉Loews ist aktuell eher kein Wachstumsinvestment. Es erscheint wohl eher als ruhige Basis für ein Portfolio, das anderswo bereits genügend Volatilität bietet.

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