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manche Unternehmen erhöhen ihre Dividende seit Jahrzehnten, Jahr für Jahr und durch jede Krise. Man nennt sie Dividendenaristokraten, und viele Anleger verbinden mit dem Titel vor allem eines: Sicherheit.

Heute schauen wir genauer hin. 2026 ist für die Aristokraten ein ungewöhnliches Jahr, und die Zahlen dahinter sind spannender, als viele vermutlich denken. Und auch Deutschland spielt eine Rolle, wenn auch eine eher kleine. Viel Spaß beim Lesen!

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Seit dem Wochenende heißt dein Broker Finanzen invest. Login, Depot, Sparpläne und Konditionen bleiben, wie du sie kennst. Auch „Aktien zum Frühstück“ kommt weiter zu dir, im Absender steht jetzt „Aktien zum Frühstück, Finanzen invest“. Vorab ein Hinweis: Ab dem 10. November macht dieser Newsletter ein paar Wochen Pause. Am 7. Dezember geht es dann weiter.

Passives Einkommen

Dividendenaristokraten 2026

Die Dividendenaristokraten des S&P 500 stehen 2026 so stabil da wie nie, doch ihre Dividenden wachsen langsamer und ihre Kurse hängen recht stark an Marktrotationen. Verlässlichkeit bei der Ausschüttung ist eben nicht dasselbe wie Verlässlichkeit im Depot.

Die Regeln sind schlicht: Ein Unternehmen muss im S&P 500 notiert sein und seine Dividende mindestens 25 Jahre in Folge erhöht haben, dazu kommen Mindestwerte bei Börsenwert und Handelsvolumen. S&P Dow Jones Indices prüft die Liste jedes Jahr. 2026 gibt es dabei erstmals in der Geschichte der Liste weder eine Aufnahme noch eine Streichung. 2021 waren es noch drei Neuzugänge und vier Abgänge, 2025 kamen FactSet, Erie Indemnity und Eversource Energy hinzu.

Beim Ertrag ist der Abstand deutlich. Die Aristokraten brachten Anfang 2026 im Schnitt rund 2,55 % Dividendenrendite, der S&P 500 nur 1,06 %. Inzwischen ist die Rendite des Gesamtmarkts auf 1,04 % gefallen, den niedrigsten Wert seit Beginn der Datenreihe, weil die Kurse der großen Technologiewerte schneller steigen als deren Ausschüttungen. Das heißt konkret: Wer laufende Erträge sucht, findet sie im breiten US-Markt kaum noch.

Das Wachstum der Ausschüttungen verliert allerdings an Schwung. Die Aristokraten erhöhten ihre Dividende 2026 bislang um durchschnittlich 4,55 %, ein Jahr zuvor lag der Wert zum gleichen Zeitpunkt bei 5,46 %. Über 20 Jahre wuchsen die Dividenden des Index um 8,1 % pro Jahr und damit mehr als dreimal so schnell wie die Inflation mit 2,6 %. Das aktuelle Tempo erreicht nur gut die Hälfte des langjährigen Schnitts.

Zwei Beispiele zeigen das Muster. Target hob die Quartalsdividende im Juni um 1,8 % auf 1,16 US-Dollar an. Damit steht das 55. Erhöhungsjahr in Folge, es ist aber zugleich die kleinste Anhebung dieser Serie. IBM legte im April einen Cent pro Quartal drauf, ein Plus von 0,6 %. Manche Konzerne erhöhen eben vor allem, um die Serie zu halten, nicht weil das Geschäft mehr hergibt.

An der Börse ist 2026 ein Jahr der Wechsel. Im Mai lag der durchschnittliche Aristokrat mit 3,3 % im Plus, der S&P 500 mit 10,4 %. Ende Juli hatte sich das Bild gedreht: 12,9 % gegenüber 7,9 %. Nach einem Rückgang von rund 6 % im September kommen die Aristokraten Ende Oktober auf gut 13 %, der Gesamtmarkt auf gut 14 %. Wie gut die Gruppe abschneidet, hängt stark davon ab, ob Anleger gerade Wachstum oder Sicherheit suchen.

Langfristig fällt die Bilanz gemischt aus. In den 20 Jahren seit Auflage erzielte der Index 10,23 % pro Jahr und lag damit nahe am S&P 500. In den zehn Jahren bis Mitte Juni 2026 kam ein ETF auf die Aristokraten dagegen auf rund 157 % Kursplus, der S&P 500 auf 266 %. Die Lücke erklärt sich durch die KI-Schwergewichte, von denen keines zu den Aristokraten zählt. Im Bärenmarkt 2022 schnitt der Index um mehr als 10 Prozentpunkte besser ab als der Gesamtmarkt.

Was leicht untergeht: Der Titel „Dividendenaristokrat“ sagt nichts darüber aus, wie gut die Dividende gedeckt ist. J.M. Smucker verdiente zuletzt nach US-Bilanzregeln 2,14 US-Dollar je Aktie und zahlt damit rechnerisch rund 209 % des Gewinns aus. Bereinigt um Sondereffekte sind es etwa 42 %, und der Free Cashflow von 1,16 Mrd. US-Dollar deckte die Dividenden von 465 Mio. US-Dollar gut zweimal. Bei Hormel wiederum stammt die Rendite von rund 5,7 % vor allem aus einem Kursverlust von gut 50 % über fünf Jahre. Eine hohe Rendite unter Aristokraten weist deshalb oft eher auf Probleme im Geschäft hin als auf eine besondere Gelegenheit.

Weltweit bleibt das Umfeld solide, aber weniger dynamisch. Janus Henderson zählte im zweiten Quartal 757,8 Mrd. US-Dollar an Dividenden. Das sind, bereinigt um Sonderzahlungen, Währungs- und Zeitpunkteffekte, rund 7,3 % mehr als im Vorjahr, unbereinigt nur 3,2 % mehr. Für das Gesamtjahr erwartet der Vermögensverwalter nun 5 bis 6 % Wachstum. Im Frühjahr waren es noch 8,3 %. Am stärksten stiegen die Ausschüttungen in der Technologiebranche mit 23,5 %, also genau dort, wo kaum Aristokraten zu finden sind.

In Deutschland gibt es derzeit kein einziges Unternehmen, das die US-Hürde von 25 Erhöhungen in Folge erfüllt. Fresenius schaffte das 2018 als erstes, setzte die Dividende 2023 aber aus, weil die Kliniktochter Helios staatliche Energiehilfen nutzte und damit ein gesetzliches Ausschüttungsverbot auslöste. Nächster Kandidat ist Fuchs: Der Schmierstoffhersteller erhöhte die Dividende je Vorzugsaktie zuletzt von 1,17 auf 1,23 Euro, zum 24. Mal in Folge. Nach neun Monaten 2026 stieg das operative Ergebnis (EBIT) auf 409 Mio. Euro nach 326 Mio. Euro, die Jahresprognose hob Fuchs zweimal an. Über die 25. Erhöhung entscheidet die Hauptversammlung 2027.

Wichtig: Die Aristokraten-Indizes von S&P für die Eurozone verlangen nur zehn Jahre mit steigender oder stabiler Dividende, also deutlich weniger als in den USA. Und der in Deutschland verbreitete SPDR S&P US Dividend Aristocrats UCITS ETF bildet nicht die 69 Aristokraten des S&P 500 ab, sondern einen breiteren US-Index mit 20 Jahren Dividendenwachstum als Hürde. Bei Aristokraten lohnt deshalb immer der Blick darauf, welche Liste gemeint ist.

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Investment-Ideen

Fünf Dauererhöher vor dem Ex-Tag

In den kommenden Tagen stehen bei mehreren Dauererhöhern die Ex-Tage an, also die Stichtage, ab denen die Aktie ohne Anspruch auf die nächste Dividende gehandelt wird. Fünf von ihnen zeigen, wie unterschiedlich lange Serien zustande kommen.

Der US-Einzelhändler Target mit mehr als 2.000 Filialen hängt vollständig am US-Konsum. Im zweiten Geschäftsquartal (Mai bis Juli 2026) stieg der Umsatz um 5,3 %, der bereinigte Gewinn je Aktie verdoppelte sich auf 4,11 US-Dollar. Davon stammten allerdings 1,65 US-Dollar aus Zollerstattungen nach einem Urteil des Supreme Court. Laut Management steuerten die Erstattungen 3,7 Prozentpunkte zur operativen Marge von 9,6 % bei, im Vorjahr lag sie bei 5,2 %. Durch die Rally der letzten Wochen sank die Dividendenrendite von rund 5 % zu Jahresbeginn auf etwa 3 %. Der Ex-Tag ist der 11. November, die Zahlen zum dritten Quartal folgen um den 18. November.

PPG verkauft Farben und Beschichtungen für Flugzeuge, Autos, Verpackungen und Gebäude und erhöht die Dividende schon seit 55 Jahren. Im dritten Quartal wuchs der Umsatz um 7 % auf 4,35 Mrd. US-Dollar, aus eigener Kraft um 5 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 6 % auf 2,25 US-Dollar und lag damit über der Markterwartung von 2,13 US-Dollar.

Interessant ist eine Aussage aus der letzten Analystenkonferenz: Viele Verträge koppeln die Preise verzögert an Rohstoffindizes, der volle Effekt kommt aber wohl erst im ersten Halbjahr 2027 an. Bis dahin rechnet das Management in der Sparte für Industriebeschichtungen mit sinkenden Margen, und die Nachfrage der Autohersteller ging leicht zurück. Die Dividendenrendite liegt bei etwa 2,5 %, der Ex-Tag ist der 10. November.

IBM ist einer der wenigen Technologiekonzerne unter den Aristokraten und erhöht seit 31 Jahren. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 5 % auf 17,1 Mrd. US-Dollar, Software wuchs um 8 % auf 7,8 Mrd. US-Dollar. Der bereinigte Gewinn je Aktie legte um 11 % auf 2,95 US-Dollar zu, nach US-Bilanzregeln waren es 2,30 US-Dollar. Der Free Cashflow erreichte 3 Mrd. US-Dollar und damit 0,7 Mrd. mehr als im Vorjahr.

Die Dividende erscheint damit ziemlich sauber abgedeckt: 2025 standen 14,7 Mrd. US-Dollar Free Cashflow Ausschüttungen von 6,3 Mrd. gegenüber. Nur wächst sie kaum, die letzte Erhöhung brachte 0,6 %. Auffällig im Quartal: Der Umsatz mit Großrechnern fiel um 20 %. Das größte offene Thema ist die Verschuldung nach Zukäufen von 11,4 Mrd. US-Dollar in diesem Jahr.

American States Water, der kalifornische Wasserversorger, betreibt auch wichtige Netze auf US-Militärbasen. Mit 72 Erhöhungsjahren in Folge hält er den US-Rekord, steht aber nicht im S&P 500. Im Juli stieg die Quartalsdividende um 8,2 % auf 0,5455 US-Dollar, über fünf Jahre wuchs sie um 8,4 % pro Jahr. Im zweiten Quartal kletterte der Gewinn je Aktie um 25 % auf 1,09 US-Dollar, erwartet waren 0,93 US-Dollar.

Bemerkenswert: Nach einem Platzierungsprogramm über 200 Mio. US-Dollar plant der Vorstand bis mindestens Ende 2029 keine neuen Aktien. Das größte Risiko ist sicherlich die Regulierung: Über die Wassertarife für 2028 bis 2030 entscheidet die kalifornische Aufsicht voraussichtlich Ende 2027, und weil der Verbrauchsausgleich eingeschränkt wurde, schwanken die Gewinne stärker mit dem Wasserverbrauch.

Der Verpackungshersteller Sonoco produziert Dosen und Industriepapier und erhöht seit 43 Jahren. Die Rendite von rund 4,3 % ist relativ hoch. Im dritten Quartal sank der Umsatz jedoch um 4,2 % auf 2,04 Mrd. US-Dollar, vor allem wegen des Verkaufs der Kühlverpackungssparte ThermoSafe. Der bereinigte Gewinn je Aktie fiel um 13 % auf 1,67 US-Dollar und verfehlte die Erwartung von 1,80 US-Dollar. Nach US-Bilanzregeln stand ein Verlust von 732 Mio. US-Dollar, weil Sonoco 829 Mio. US-Dollar Firmenwert abschrieb.

In der letzten Analystenkonferenz rechnete das Management vor, dass eine Preiserhöhung von 50 US-Dollar je Tonne Industriepapier von 60 US-Dollar höheren Kosten aufgezehrt wurde. Die Jahresprognose für den bereinigten Gewinn je Aktie liegt nun bei 5,30 bis 5,50 US-Dollar. Ex-Tag ist bei diesem Titel der 10. November.

Aber aufgepasst: Eine lange Serie belegt nur, dass ein Unternehmen Krisen überstanden hat, verrät aber wenig über die nächsten Jahre. Entscheidend ist viel eher, ob der Free Cashflow die Ausschüttung trägt und ob die Erhöhungen mit der Inflation mithalten.

Mata ne – bis zum 7. Dezember

Vom 10. November bis 4. Dezember sind wir auf Research-Reise durch Japan. Wir treffen Experten, Geschäftsführer und Investoren zu Interviews und schauen uns vor Ort an, welche Trends, Geschäftsmodelle und Chancen das Land gerade prägen.

In dieser Zeit pausiert der Newsletter: keine Aktien, keine ETFs. Dafür Sushi, Shinkansen, viele Gespräche und jede Menge Eindrücke aus Tokio, Osaka, Nagoya, Fukuoka, Nagasaki und Hiroshima.

Am 7. Dezember sind wir zurück mit neuen Geschichten, Analysen und Investmentideen, die zeigen, warum sich der Blick nach Osten lohnen könnte. Also: Bleib neugierig und halte dein Depot offen für Neues.

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