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kennst du das Gefühl, wenn eine Aktie einfach nur langweilig ist? Und dann steht sie plötzlich auf einem Allzeithoch! Genau das ist gerade bei einem der bekanntesten Konzerne der Welt passiert. Die Zahlen sind besser, als viele erwartet hätten.

Wir haben uns die aktuellen Quartalszahlen, die Prognosen und den Burggraben genau angeschaut. Und dann natürlich auch einige spannende Peers. Los geht’s!

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Wunschanalyse

🥤 Der Zuckerwasser-Konzern, der plötzlich wie ein Wachstumswert läuft

Es gibt Aktien, über die redet nur so lange niemand, bis sie auf einmal jedes Allzeithoch mitnehmen. Coca-Cola ist so ein Fall. Der Kurs stand am Montag 91,99 US-Dollar, das 52-Wochen-Hoch liegt bei 92,49 US-Dollar, die Marktkapitalisierung bei rund 396 Milliarden US-Dollar. Seit Jahresbeginn hat der Titel gut ein Viertel zugelegt und damit den breiten US-Markt geschlagen. Bei einem Konzern, dessen Kerngeschäft seit über 130 Jahren im Wesentlichen aus Sirup, Wasser und Kohlensäure besteht, ist das erklärungsbedürftig. Schauen wir uns deshalb erst an, was operativ wirklich passiert.

Zuerst das Geschäftsmodell, denn gerade das wird oft missverstanden. Coca-Cola füllt kaum selbst ab. Der Konzern verkauft Sirup und Konzentrate an ein Netz unabhängiger Abfüller, die Wasser, Kohlensäure und Verpackung beisteuern und die Logistik stemmen. „Asset light" heißt hier: Das kapitalintensive, margenschwache Ende der Wertschöpfungskette liegt bei den Partnern, die margenstarke Rezeptur beim Konzern. Deshalb liegt die operative Marge auch bei 34,9 %, während klassische Abfüller im einstelligen Bereich arbeiten. Über strategische Beteiligungen an den größten von ihnen behält der Konzern aus Atlanta trotzdem die Kontrolle über die Ausrichtung, ohne selbst das Kapital zu binden.

Die Quartalszahlen vom 28. Juli 2026 waren stark, und zwar nicht nur an der Oberfläche. Der Netto-Umsatz stieg um 7 % auf 13,4 Milliarden US-Dollar, das organische Wachstum (bereinigt um Währungen sowie Zu- und Verkäufe) lag bei 6 %. Entscheidend ist aber vor allem die Zusammensetzung: Das Absatzvolumen legte um 5 % zu, Preis und Mix steuerten nur 2 Prozentpunkte bei. Der Konzern wächst also wieder über verkaufte Kisten, nicht über Preiserhöhungen. Nach drei Jahren, in denen Preis der einzige Hebel war, ist das die eigentliche Nachricht des Quartals. Ein Dämpfer versteckt sich im Kleingedruckten: Die Konzentratlieferungen an die Abfüller blieben einen Prozentpunkt hinter dem Endkundenabsatz zurück. Die Abfüller haben also Lager abgebaut, statt neu zu bestellen.

Ein Detail aus dem Earnings Call ist noch bemerkenswert: Die Kernmarke Coca-Cola selbst wuchs im Volumen um 5 %. Das ist der stärkste Wert seit 17 Jahren, wenn man die Corona-Erholung herausrechnet. Allein Powerade legte weltweit 8 % zu. Die Bruttomarge verbesserte sich um rund 120 Basispunkte, die operative Marge um etwa 90 Basispunkte, das ausgewiesene Ergebnis je Aktie kletterte um 16 % auf 1,03 US-Dollar. 

Der wichtigste Einzeltreiber im Quartal war die Kampagne zur Fußball-WM 2026. Sie erzeugte laut Management über 60 Milliarden digitale und soziale Impressionen sowie 9 Milliarden Videoaufrufe. Und, für Anleger natürlich interessanter, mehr als 25 Millionen sogenannte First-Party-Datenpunkte. Das sind Kundendaten, die der Konzern selbst erhebt und besitzt, statt sie bei Google oder Meta einzukaufen. Genau daraus will Braun eine datengetriebene Preis- und Marketingsteuerung bauen. Das Management blieb im Call allerdings schuldig, wie viel Umsatz das tatsächlich bringt.

Regional zeigt sich ein zweigeteiltes Bild, das du kennen solltest. Nordamerika wuchs im Volumen 3 % bei 4 % Preisplus und kam damit auf 7 % organisches Wachstum. Lateinamerika steigerte das operative Ergebnis um 23 %. Asien-Pazifik dagegen legte 8 % im Volumen zu. Der Konzern verkauft dort deutlich mehr, aber bewusst billiger, über kleinere Gebinde und Einstiegspreise. Das drückt kurzfristig das Ergebnis der Region, baut aber die Konsumentenbasis auf, von der der Konzern in 10 Jahren leben will.

Am Ende hob der Vorstand die Prognose an und das gleich mehrfach. Für 2026 erwartet man nun rund 5 % organisches Umsatzwachstum, ein bereinigtes Gewinnwachstum von 9 bis 10 % und einen Free Cashflow von etwa 12,4 Milliarden US-Dollar. Rund 3 Prozentpunkte des Gewinnwachstums sollen dabei aus Währungseffekten kommen. Gegenläufig wirken dabei sicherlich Portfolio-Änderungen, vor allem durch den Verkauf der Mehrheit an Coca-Cola Beverages Africa an Coca-Cola HBC für 2,6 Milliarden US-Dollar.

Bleibt der Burggraben, über den seit Warren Buffetts Einstieg 1988 schon viel geschrieben wurde. Er besteht aus drei Schichten:

  1. einem Markenwert, den Experten für die Marke Coca-Cola auf über 60 Milliarden US-Dollar taxieren,

  2. einem über Jahrzehnte gewachsenen Vertriebsnetz, das kaum ein Wettbewerber kurzfristig nachbauen kann und

  3. Skaleneffekten im Einkauf und Marketing.

Dazu kommen exklusive Verträge mit Gastronomieketten. Das Ergebnis: 20 Quartale in Folge, in denen von jedem Euro, der weltweit für alkoholfreie Getränke ausgegeben wurde, ein größerer Teil bei Coca-Cola landete. Genau diese Verlässlichkeit hat 2026 institutionelles Geld in defensive Konsumwerte gezogen und den Kurs auf Rekordniveau geschoben. Wer davon sonst noch profitieren könnte, klären wir gleich ab.

Peers

🔧 Wer sonst noch am Cola-System verdient

Wenn dir eine Aktie zwar inhaltlich spannend, aber letztlich zu teuer erscheint, lohnt oftmals der Blick auf die gesamte Wertschöpfungskette. Rund um Coca-Cola hängt ein ganzes Ökosystem: Abfüller, Wettbewerber und Zulieferer, die Dosen, Aromen und komplette Abfüllanlagen liefern. Diese Unternehmen sind weniger beachtet, doch teilweise erheblich günstiger bewertet. Wir haben einige von ihnen geprüft: Wie läuft das Geschäft? Wo liegt die Fantasie? Und wie tief ist der Burggraben?

Fangen wir bei den Abfüllern an, denn sie sind das eigentlich unterschätzte Segment. Ihr Modell ist das Spiegelbild von Coca-Cola: nämlich kapitalintensiv, margenschwächer, dafür mit exklusiven Gebietsrechten. Ein Abfüller hat für sein Territorium ein vertraglich gesichertes Monopol auf die Marke. Das ist ein ordentlicher Burggraben. Der Preis dafür sind hohe Investitionen in Werke, Kühlschränke und Fuhrpark.

Coca-Cola HBC ist unter ihnen aktuell vielleicht die spannendste Geschichte. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der organische Umsatz (ohne Währungs- und Zukaufseffekte) um 9,6 %, das Volumen um 7,5 %, das operative Ergebnis organisch um 15,2 % bei einer Marge von 12,2 %. Das Management hat die Jahresprognose angehoben und peilt beim Umsatz nun das obere Ende der Spanne von 6 bis 7 % an. Die Aktie kostet das 19,4-Fache des Gewinns und wirft 2,26 % Dividende ab.

Die Fantasie bei Coca-Cola HBC hat einen Namen: Afrika. Der Konzern übernimmt für 2,6 Milliarden US-Dollar 75 % an Coca-Cola Beverages Africa. Die meisten Kartellfreigaben liegen vor, der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant, dazu kommt ein Zweitlisting in Johannesburg. Damit wird HBC zum zweitgrößten Coca-Cola-Abfüller der Welt. Afrika hat die jüngste Bevölkerung der Welt. Der Hebel sieht also stark aus, das operative Risiko allerdings auch.

Coca-Cola Europacific Partners ist der Umsatzriese unter den Abfüllern. Im ersten Halbjahr 2026 kamen 10,72 Milliarden Euro herein, +6,1 % währungsbereinigt, das vergleichbare operative Ergebnis legte 8,1 % zu, der Gewinn je Aktie um 10,6 % auf 2,20 Euro. Auffällig: Das Wachstum kam fast komplett aus Volumen, der Umsatz je Kiste stieg nur um 0,4 %. Es wird also nicht über den Preis verdient. Zwischendividende 0,82 Euro, dazu ein Aktienrückkauf über 1 Milliarde Euro. Bewertung: KGV 20,9, Dividendenrendite 2,21 %.

Wer mehr Ausschüttung will, schaut nach Lateinamerika. Coca-Cola FEMSA aus Mexiko ist der größte Abfüller der Welt und bringt es auf ein KGV von 17,6 bei einer Dividendenrendite von 3,97 %. Der Burggraben ist derselbe wie bei den anderen: Gebietsexklusivität in Mexiko, Brasilien, Kolumbien und Guatemala. Das Risiko heißt Währung: Peso und Real können eine gute operative Entwicklung in Euro gerechnet auffressen.

Auf der Wettbewerbsseite ist Monster Beverage die auffälligste Aktie. Im zweiten Quartal 2026 kletterte der Umsatz um 20,2 % auf 2,54 Milliarden US-Dollar, das internationale Geschäft sogar um 34,6 % auf 1,16 Milliarden. Die Bruttomarge liegt bei 55,9 %, weit über allem, was Coca-Cola erreicht. Im August wurde die Aktie zwei zu eins gesplittet. Der Haken: Mit einem KGV von 45 und einem Konsens-Kursziel, das nur noch rund 2,5 % über dem Kurs liegt, wird jede kommende Enttäuschung teuer.

Jetzt zu den Zulieferern, und hier wird es für Schnäppchenjäger interessant. Krones aus Neutraubling baut komplette Abfüll- und Verpackungslinien für praktisch jeden großen Getränkehersteller. Im ersten Halbjahr 2026 stieg der Auftragseingang um 4,5 % auf 2,85 Milliarden Euro, der Auftragsbestand auf 4,33 Milliarden. Das sehenswerte Book-to-Bill-Verhältnis von 1,05 heißt: Es kommen mehr Aufträge herein, als aktuell noch abgearbeitet werden können. Die EBITDA-Marge verbesserte sich auf 10,8 %.

Der Burggraben von Krones liegt weniger in der Maschine als im Danach. Wer einmal eine Linie installiert hat, verdient jahrzehntelang an Ersatzteilen, Wartung und Umrüstungen. Und ein Wechsel des Anbieters bedeutet Produktionsstillstand. Bis 2028 peilt der Konzern 7 Milliarden Euro Umsatz an. Bewertet wird das mit einem KGV von 12,3, bei 2,48 % Dividendenrendite. Analysten sehen im Schnitt 154,56 Euro, also gut ein Drittel Luft.

Ball Corporation liefert die Dose. Im zweiten Quartal 2026 stiegen die weltweiten Auslieferungen um 4,3 %, das sechste Wachstumsquartal in Folge, der Umsatz auf 4,0 Milliarden US-Dollar, das bereinigte Ergebnis je Aktie um 14,4 % auf 1,03 US-Dollar. Südamerika legte im mittleren Zehnerbereich zu, das Ergebnis dort verdoppelte sich fast. 

Bleibt Symrise aus Holzminden, einer der weltweit führenden Anbieter von Aromen und Duftstoffen. Im ersten Halbjahr 2026 wuchs der Umsatz organisch um 2 % auf 2,54 Milliarden Euro, im zweiten Quartal beschleunigte sich das Tempo auf 4,5 %, im Getränke- und Lebensmittelgeschäft sogar im mittleren einstelligen Bereich. Die bereinigte EBITDA-Marge liegt bei 21,8 %. Auch der Burggraben sieht spannend aus: Ein einmal freigegebenes Aroma wird kaum gewechselt, weil das Produkt danach anders schmeckt. 

Die Quintessenz? Wer die Marke will, zahlt bei Coca-Cola das 27-Fache. Wer den Absatz will, bekommt ihn bei den Abfüllern für 17 bis 21, mit Afrika-Fantasie bei HBC und der höchsten Dividende bei FEMSA. Wer Wachstum sucht, findet es bei Monster, zahlt aber ein 45er KGV. Und wer auf den Investitionszyklus setzt statt auf den Konsum, bekommt mit Krones ein dickes Auftragsbuch für ein KGV von 12. 

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