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kurze Frage zum Wochenstart: Wem gehört eigentlich der KI-Boom? Wenn du jetzt an Kalifornien denkst, liegst du nur zur Hälfte richtig.
Denn während in den USA Milliarden in Rechenzentren fließen, verdient jemand ganz anderes an jeder einzelnen dieser Milliarden mit. Und dieser Jemand sitzt rund 11.000 Kilometer weiter westlich.
In der heutigen Ausgabe zeigen wir dir, wo die vielleicht am meisten unterschätzten Gewinner der KI-Revolution zu finden sind, und warum ausgerechnet dort eine Rendite-Story läuft, die es so seit 20 Jahren nicht gab. Aber Vorsicht: Die Sache hat einen Haken, den du kennen solltest. Los geht’s!
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Im KI-Boom
⛏️ Schaufeln statt Goldgräber: Warum die Schwellenländer plötzlich die Nasdaq schlagen
Wenn du an Schwellenländer denkst, denkst du vermutlich an Rohstoffe, billige Arbeitskräfte und politische Wackelkandidaten. Zeit für ein Update! Denn während alle Welt auf Nvidia und die US-Hyperscaler starrt, hat sich in Taiwan und Südkorea still und leise der Maschinenraum der KI-Revolution etabliert. Und der liefert gerade Renditen, von denen US-Anleger nur träumen können.
Die Zahlen sind eindeutig: Der MSCI Emerging Markets Index legte im Kalenderjahr 2025 um 33,6 % zu, während der weltweite MSCI ACWI nur +22,3 % schaffte. Und die Rally läuft weiter: Bis Ende Juni 2026 kamen weitere 23,9 % hinzu, auf Zwölfmonatssicht summiert sich das Plus auf 43,5 %. Nach mehr als einem Jahrzehnt, in dem Schwellenländer-Investments vor allem Geduld erforderten, übertreffen die Emerging Markets (EM) die entwickelten Märkte erstmals wieder deutlich. Und zwar nicht wegen Öl, Kupfer oder Konsum, sondern wegen Halbleitern.
Der Grund dafür ist eine simple ökonomische Wahrheit aus dem Goldrausch: Am zuverlässigsten verdienen nicht die Goldgräber, sondern die Verkäufer von Schaufeln und Spitzhacken. Genau diese „Picks and Shovels" sitzen heute in Asien. Egal ob Nvidia, AMD oder die Eigenentwicklungen von Google und Amazon – gefertigt werden die hochmodernen KI-Chips fast ausnahmslos von TSMC in Taiwan. Der Auftragsfertiger (eine sogenannte Foundry, also ein Unternehmen, das Chips ausschließlich im Auftrag anderer produziert) kontrolliert laut TrendForce inzwischen 72,3 % des weltweiten Markts. Samsung folgt mit gerade einmal 6,5 %.
Wie lukrativ diese Monopolstellung ist, zeigen TSMCs jüngste Zahlen: Im ersten Quartal 2026 setzte der Konzern 35,9 Milliarden US-Dollar um, bei einer Bruttomarge von 66,2 %. Für das Gesamtjahr erwartet das Management über 30 % Umsatzwachstum. Zum Vergleich: Während TSMC zum Jahresauftakt um 41 % wuchs, legte der restliche Foundry-Markt nur um 9 % zu. Und weil die Kunden keine Alternative haben, plant TSMC ab der zweiten Jahreshälfte Preiserhöhungen von rund 15 % für den fortschrittlichen 3-Nanometer-Prozess.
Noch spektakulärer läuft es beim Speicher. SK Hynix, der südkoreanische Spezialist für High Bandwidth Memory (HBM sind besonders schnelle Speicherchips, die direkt neben jedem KI-Beschleuniger sitzen), meldete für das erste Quartal 2026 Zahlen, die viele Branchenkenner sprachlos machten: Der Umsatz explodierte um 198 % auf umgerechnet rund 34,5 Milliarden Dollar, das operative Ergebnis schoss um 405 % nach oben. Das alles bei einer operativen Marge von 72 %. Damit verdient SK Hynix relativ gesehen mehr als Nvidia und TSMC.
Die Börse hat das längst honoriert: Südkoreas Leitindex Kospi legte 2026 bereits mehr als 80 % zu, die SK-Hynix-Aktie hat sich seit Jahresbeginn zeitweise vervierfacht. Und die Fantasie reicht weiter: Die Bank of America spricht von einem „Superzyklus ähnlich dem Boom der 1990er Jahre" und erwartet für 2026 ein Plus von 51 % beim globalen DRAM-Umsatz. Der Treibstoff dafür kommt paradoxerweise aus den USA: Amerikas Tech-Giganten investieren dieses Jahr rund 700 Milliarden Dollar in KI-Infrastruktur.
Dieser Boom hat den MSCI Emerging Markets grundlegend umgebaut. Die Technologie-Gewichtung steht im Index inzwischen bei 36,8 % und damit sogar über den rund 35 % des S&P 500. Vor einem Jahrzehnt machte der IT-Sektor noch weniger als 20 % des EM-Index aus. Taiwan ist heute mit rund 27 % das größte Indexland, Südkorea folgt mit etwa 23 %, während China von fast 40 % Ende 2020 auf unter 20 % abgerutscht ist. Auch bemerkenswert: TSMC allein bringt mit 14,2 % Indexgewicht mehr auf die Waage als sämtliche indischen Aktien zusammen.
Wichtig: US-Tech und EM-Tech bieten zwar beide Zugang zum Thema KI, aber auf fundamental unterschiedliche Weise. Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft geben Hunderte Milliarden aus, und Anleger fragen zunehmend, wann diese Investitionen Rendite abwerfen. US-Softwareunternehmen kämpfen zusätzlich mit dem Risiko, dass KI ihre Geschäftsmodelle kannibalisiert. Die asiatischen Zulieferer dagegen kassieren, egal welches KI-Modell am Ende gewinnt. Die Gewinne von TSMC, SK Hynix und Samsung sind laut Financial Times sogar auf Kurs, die von Apple, Amazon und Alphabet zusammen zu übertreffen.
Setzt du beim KI-Boom auf die Zulieferer aus den Schwellenländern?
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🎯 Drei Aktien, ein Index: Chancen und Risiken des neuen Schwellenländer-Booms
Vorhin hast du gesehen, warum Taiwan und Südkorea zu den großen Gewinnern des KI-Booms gehören. Jetzt wird es unbequem, denn die Kehrseite dieser Erfolgsgeschichte heißt Konzentration. Rund 60 % der Kursgewinne im MSCI Emerging Markets wurden von nur drei Titeln getragen: TSMC, Samsung Electronics und SK Hynix. Die Financial Times rechnet vor, dass Korea und Taiwan zusammen in den letzten 12 Monaten für 75 % der gesamten EM-Renditen verantwortlich waren.
Was das konkret bedeutet: Wer einen passiven EM-Fonds auf den MSCI Emerging Markets hält, hat allein 12,5 % seines Portfolios in TSMC. Die Top-10-Positionen machen fast ein Drittel (32,4 %) aus. TSMC steht sogar für 57 % des gesamten Taiwan-Gewichts im Index. Der vermeintlich breit gestreute Schwellenländer-Index mit über 1.200 Unternehmen aus 24 Ländern ist in Wahrheit eine konzentrierte Wette auf die Halbleiter-Lieferkette Nordostasiens. Das ist per se nicht schlecht, aber du solltest wissen, was du kaufst.
Risiko Nummer eins ist der Speicherzyklus. Speicherchips galten jahrzehntelang als Paradebeispiel für brutale Boom-Bust-Zyklen. Aktuell haben sich die globalen Speicherpreise im ersten Quartal 2026 verdoppelt und sollen im laufenden Quartal um weitere 63 % steigen. Analysten der BNP Paribas warnt bereits vor HBM-Überkapazitäten, die schon im kommenden Jahr die Preise drücken könnten. Sollten die US-Hyperscaler ihre KI-Ausgaben auch nur drosseln, träfe das die „Picks and Shovels" mit voller Wucht.
Risiko Nummer zwei: Sollten Südkorea oder Taiwan von MSCI zum entwickelten Markt hochgestuft werden (für Südkorea wird das teils schon für dieses Jahr diskutiert), würde sich der EM-Index dramatisch verändern. Wie groß der Unterschied ist, zeigt ein Praxisbeispiel: Der iShares Core MSCI Emerging Markets ETF (mit Korea) legte binzen zwölf Monaten um 38 % zu, der Vanguard FTSE Emerging Markets ETF (ohne Korea, weil FTSE das Land als entwickelt einstuft) nur um 22 %. Zwei „identische" EM-ETFs, 16 Prozentpunkte Unterschied nur wegen der Länderklassifikation.
Trotzdem wäre es ein Fehler, die Story auf drei Mega-Caps zu reduzieren. Rund um die Giganten ist ein ganzes Ökosystem entstanden: Unternehmen für Leiterplatten, Kühlung, Netzteile und Serverdesign. Der taiwanesische Auftragsfertiger Foxconn montiert einen Großteil der weltweiten KI-Server, und unter den Top-10-Werten des Index finden sich mit Mediatek und Delta Electronics weitere Profiteure der KI-Wertschöpfungskette. Jede neue Beschleuniger-Generation braucht anspruchsvollere Komponenten, mehr Speicherlagen, bessere Kühlung, stärkere Netzteile. Der Wert pro Server steigt, und mit ihm der Umsatz der Zulieferer.
Was heißt das alles nun für dich? Wer die These „KI-Infrastruktur schlägt KI-Anwendungen" spielen will, hat mehrere Wege. Der womöglich bequemste ist ein breiter EM-ETF. Natürlich immer mit dem Wissen, dass du damit vor allem Taiwan und Korea kaufst. Wer gezielter vorgehen will, greift zu Einzelwerten wie TSMC oder Samsung, die über ADRs beziehungsweise GDRs (in den USA oder London gehandelte Scheine auf die Originalaktien) auch hierzulande problemlos handelbar sind.
Also: Die Schwellenländer sind nicht mehr nur eine zyklische Rohstoff-Wette, sondern bieten ein kaum ersetzbares Technologie-Engagement entlang der gesamten KI-Wertschöpfungskette. Aber die Konzentration auf wenige große Aktien, der notorisch zyklische Speichermarkt und die Geopolitik rund um Taiwan verlangen Demut bei der Positionsgröße. Wer einsteigt, kauft eine der vielleicht spannendsten Wachstumsstorys des Jahrzehnts zum Preis erhöhter Schwankungen. Beides gehört auf denselben Kassenzettel.
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