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🏗️ Charlie Mungers Gittermodell: Warum Dich isolierte Fakten an der Börse ruinieren könnten

Erfahre, wie Du den Markt schlagen könntest und warum vielleicht nur 20 Entscheidungen Deinen Erfolg definieren.

Guten Morgen ,

hast Du Dich schon mal gefragt, wie man wirklich zu einem erfolgreichen Anleger wird? Natürlich! Aber es braucht mehr als nur nackte Zahlen, Du benötigst echte Weisheit. Mit Charlie Munger (1924–2023) zeigen Dir heute, wie Du Dein Denken für den Börsenerfolg komplett neu ordnen kannst.

🏗️ Vergiss isolierte Fakten, denn echter Erfolg erfordert ein stabiles Fundament aus verschiedenen Wissensbereichen in Deinem Kopf. Wir zeigen Dir, warum Du vielleicht sogar wie ein Profi-Wetter beim Pferderennen denken solltest, um den Markt dauerhaft zu schlagen. Es geht dabei um harte Wahrscheinlichkeiten und psychologische Fallen.

🎟️ Stell Dir vor, Du hättest im ganzen Leben nur zwanzig Schüsse für Deine Investments frei. In dieser Ausgabe erfährst Du, wie Du diese seltenen Momente erkennst und im richtigen Augenblick mutig zuschlägst. Viel Spaß beim Lesen!

Hast Du eine Ausgabe verpasst?

Grundlagenwissen

🧮 Warum Du mehr als nur nackte Zahlen benötigst

👋 Hast Du dich jemals gefragt, warum manche Investoren scheinbar mühelos Milliarden scheffeln, während andere trotz hunderter Excel-Tabellen auf der Stelle treten? Charlie Munger, der legendäre Partner von Warren Buffett bei Berkshire Hathaway, hatte darauf eine verblüffende Antwort: Du musst erst weltklug werden, bevor Du an der Börse erfolgreich sein kannst. Zuerst schauen wir uns an, wie Du Dein Gehirn auf Erfolg programmierst und warum ein isoliertes Wissen über Aktien manchmal direkt ins Verderben führt.

🧠 Munger nennt seinen Ansatz das „Latticework of Mental Models“, also ein gedankliches Gittermodell aus verschiedenen Disziplinen. Er warnte eindringlich davor, nur ein oder zwei Modelle zu nutzen, denn für den Mann mit dem Hammer sieht jedes Problem wie ein Nagel aus – ein Phänomen, das er humorvoll mit einem Chiropraktiker verglich, der jede Krankheit allein durch Einrenken heilen will. Um ein wirklich kluger Anleger zu werden, benötigst Du etwa 80 bis 90 dieser Modelle aus Bereichen wie Mathematik, Psychologie, Biologie und Physik, wobei nur eine Handvoll wirklich das Gewicht trägt. Diese Modelle müssen in Deinem Kopf ein Netzwerk bilden, auf dem Du Deine Erfahrungen – ob selbst erlebt oder angelesen – einordnest.

🔢 Der absolute Grundpfeiler Deines Erfolgs ist die Mathematik, genauer gesagt die Wahrscheinlichkeitsrechnung nach Fermat und Pascal. Wenn Du die Grundlagen der Permutationen und Kombinationen – also die Lehre von der Anordnung und Auswahl von Objekten – nicht beherrschst und sie nicht routinemäßig in Deinem Alltag anwendest, gehst Du laut Munger wie ein „einbeiniger Mann durch einen Arschtritt-Wettbewerb“. Du musst lernen, automatisch in Entscheidungshäufigkeiten und Wahrscheinlichkeitsbäumen zu denken. Ein Wahrscheinlichkeitsbaum ist ein grafisches Werkzeug, um Wahrscheinlichkeiten von aufeinanderfolgenden Ereignissen zu visualisieren.

📈 Schau Dir die nackten Fakten von Berkshire Hathaway an, um zu verstehen, was dieser multidisziplinäre Ansatz bewirkt: Zwischen 1965 und 2024 erzielte die Holding eine Gesamtrendite von unglaublichen 19,9 % pro Jahr. Zum Vergleich: Der S&P 500, der US-amerikanische Leitindex, kam im selben Zeitraum auf 10,4 %. Munger hat also fast die doppelte jährliche Rendite über sechs Jahrzehnte eingefahren. Sein bestes Jahr war 1989 mit einem Plus von 84,57 %, während das Krisenjahr 2008 mit -31,78 % sein schlechtestes war. Es ist jedoch auffällig, dass sein Vorsprung gegenüber dem Markt in seinen letzten Jahren geschrumpft ist, da es mit zunehmender Größe immer schwerer wird, den Durchschnitt zu schlagen.

🎭 Ein weiteres kritisches Modell ist die Psychologie der Fehlurteile, die Munger als „Psychology of Misjudgment“ bezeichnete. Unser Gehirn nutzt Abkürzungen, die uns täuschen können. Ein Beispiel ist der „Social Proof“, also der soziale Beweis, bei dem wir unterbewusst das tun, was alle anderen tun. Das führt dazu, dass Anleger in Massen überteuerte Aktien kaufen, nur weil die Nachbarn es auch tun. Statistiken zeigen, dass 64 % der Investoren ihr eigenes Wissen überschätzen (Overconfidence Bias) und Verluste etwa 2,5-mal stärker schmerzen als Gewinne (Loss Aversion), was oft zu fatalen Fehlentscheidungen führt.

🔬 Munger nutzte zudem Modelle aus der Biologie und Mikroökonomie, wie das Konzept der Nischen in einem Ökosystem. Genau wie Tiere in der Natur spezialisieren sich erfolgreiche Unternehmen auf bestimmte kleine Bereiche, um dort eine dominante Stellung einzunehmen und von „good economics“ zu profitieren. Hier kommen Skaleneffekte, also Kostenvorteile durch Größe, ins Spiel. Große Firmen wie Coca-Cola oder Procter & Gamble nutzen ihre gewaltigen Volumina, um die Kosten pro Einheit drastisch zu senken oder Werbemethoden wie das Fernsehen so effizient zu nutzen, dass kleine Konkurrenten kaum eine Chance haben.

🎯 Ein wichtiger Faktor für Deinen Erfolg ist zudem der „Circle of Competence“, Dein persönlicher Kompetenzkreis. Du musst genau wissen, wo Du einen Vorteil hast und wo nicht. Munger gab offen zu, dass er und Buffett den Hightech-Sektor mieden, weil sie die technischen Entwicklungen bei Software oder Computerchips nicht besser verstanden als andere. Es ist nicht wichtig, wie groß Dein Kreis ist, aber es ist notwendig, seine Grenzen zu kennen. Wenn Du ein Spiel spielst, in dem andere die Begabung haben und Du nicht, wirst Du verlieren. Es ist viel einfacher, der beste Klempner in einer Kleinstadt zu werden, als der weltweit beste Schachspieler.

🛠️ Um die Theorie in die Praxis umzusetzen, solltest Du auch die Sprache des Geschäftslebens beherrschen: die Buchhaltung. Aber Vorsicht: Munger warnte immer wieder, dass Bilanzen nur grobe Annäherungen sind. Er erzählte gern die Geschichte von Carl Braun, der alle Buchhalter feuerte und seine Ingenieure ein eigenes System entwickeln ließ, weil die Standardmethoden für den Bau von Ölraffinerien aus seiner Sicht vollkommen schwachsinnig waren. Du musst die Grenzen der Zahlen verstehen, wie zum Beispiel die Schätzung der Lebensdauer eines Jets, die oft mehr Raterei als Wissen ist, auch wenn sie in hübschen Tabellen steht.

💡 Wenn Du Zahlen und Fakten nur isoliert auswendiglernst, wirst Du an der Börse wahrscheinlich scheitern. Nur wer die großen Ideen der Welt verinnerlicht, kann die komplexen Dynamiken des Aktienmarktes wirklich durchdringen. Gleich erfährst Du, wie Du dieses Wissen nutzt, um die wenigen perfekten Gelegenheiten, zu finden.

Strategie

🎯 Wie Du mit wenigen Entscheidungen zum Börsenerfolg kommen könntest

🎢 Nachdem wir oben das geistige Fundament gelegt haben, gehen wir jetzt ans Eingemachte: die konkrete Auswahl von Aktien. Charlie Munger verglich den Aktienmarkt mit einem Pari-Mutuel-System beim Pferderennen. Bei diesem System, bei dem die Quoten direkt durch die Einsätze der Wetter bestimmt werden, ändern sich die Gewinnchancen basierend darauf, worauf die Masse setzt. Jeder sieht, dass das Wunderpferd mit der besten Statistik wahrscheinlich gewinnt, aber die Quote ist so niedrig, dass sich die Wette kaum lohnt. An der Börse ist es genauso: Eine großartige Firma in ihrer Glanzzeit ist oft so teuer bewertet, dass Deine Renditechancen trotz exzellenter Aussichten sinken.

🏇 Wie schlägt man also ein solches System? Die Antwort von Buffett und Munger war simpel: Sie investierten extrem selten. Buffett wartet auch heute noch geduldig, bis er eine Fehlbewertung entdeckt, bei der die Renditewahrscheinlichkeit viel höher ist, als der Preis suggeriert. Und wenn diese seltene Gelegenheit kommt, dann steigt er groß ein.

🎟️ Ein legendäres Konzept von Warren Buffett, das Munger voll unterstützte, ist die 20-Slot-Punch-Card. Stell Dir vor, Du hättest für Dein ganzes Leben nur eine Lochkarte mit 20 Feldern für Investments. Wenn ein Feld abgestempelt ist, darfst Du es nie wieder benutzen. Unter diesen Bedingungen würdest Du verdammt genau hinschauen, was Du kaufst, und nur bei Deinen allerbesten Ideen zuschlagen. Berkshires Erfolg basiert im Kern auf nur etwa zehn solcher genialen Einsichten. Studien belegen diesen Ansatz: Hochkonzentrierte Portfolios erzielen oft eine Mehrrendite (Alpha) von über 5 % pro Jahr im Vergleich zu breit gestreuten Fonds.

🍬 Schauen wir uns ein Paradebeispiel an: See’s Candies. Berkshire kaufte den Süßwarenhersteller 1972 für 25 Mio. Dollar. Das Unternehmen hatte damals kaum 5 Mio. Dollar Gewinn vor Steuern und benötigte nur 8 Mio. Dollar Kapital für den Betrieb. Das Geniale war die Macht, Preise zu erhöhen, ohne Kunden an Wettbewerber zu verlieren. Über 52 Jahre steigerten sie den Preis pro Pfund Schokolade von 2 auf 25 Dollar. Bis 2007 generierte See’s über eine Milliarde Dollar kumulierten Gewinn für Berkshire – bei minimalem zusätzlichem Kapitaleinsatz. Das ist das ultimative Ziel: ein Unternehmen, das fast kein neues Kapital benötigt, um weiter zu wachsen.

🥤 Ein weiteres Beispiel für einen tiefen „Economic Moat“, also einen uneinnehmbaren Wettbewerbsgraben, ist Coca-Cola. Buffett investierte 1988 rund eine Milliarde Dollar für 7 % der Anteile. Bis 2020 war dieser Anteil über 20 Milliarden Dollar wert – eine 20-fache Rendite in 32 Jahren. Coca-Cola besaß zudem ungenutzte Preismacht und ein brillantes Management. Munger betonte stets, dass es schwer ist für eine Aktie, langfristig viel mehr zu verdienen als das zugrunde liegende Geschäft an Kapitalrendite erwirtschaftet. Wenn ein Unternehmen 40 Jahre lang 18 % auf sein Kapital verdient, wirst Du selbst bei einem teuren Einstiegspreis ein hervorragendes Ergebnis erzielen können.

🏬 Dass Größe nicht immer ein Vorteil ist, zeigt der Kampf zwischen Walmart und Sears. Sears war ein bürokratischer Koloss, langsam und in alten Denkmustern gefangen. Sam Walton hingegen startete in einer Kleinstadt in Arkansas und kopierte fanatisch jede gute Idee seiner Konkurrenten. Er nutzte seine Skaleneffekte bei der Beschaffung und kombinierte sie mit effizienteren Systemen, um die kleinen Händler und später die großen Giganten zu zerstören. Dies zeigt: Ein besseres System kann selbst etablierte Titanen zu Fall bringen, wenn diese in ihrer eigenen Bürokratie ersticken.

📉 Munger warnte aber auch vor der wettbewerbsbedingten Zerstörung durch schnellen technologischen Fortschritt. Wenn Du die beste Fabrik für Peitschen für Pferdekutschen besitzt und plötzlich das Auto kommt, bist Du erledigt. Deshalb ist es so wichtig, Unternehmen zu finden, die auf einer Welle surfen. Ein Beispiel ist National Cash Register (NCR). Der Gründer Patterson erkannte, dass Registrierkassen den Diebstahl durch Angestellte erschwerten und so Läden von Verlusten in die Gewinnzone führten. Er sicherte sich die Patente und den besten Vertrieb und surfte jahrzehntelang an der Spitze des Fortschritts.

🛡️ Zum Abschluss ein Modell für Krisenzeiten: Mungers „Cancer Surgery Formula“. Das Versicherungsunternehmen GEICO war in den 70ern in Schwierigkeiten, weil es sich in riskante Geschäfte verzettelt hatte. Aber im Kern steckte ein brillantes Geschäft mit niedrigen Kosten. Die Lösung war simpel: Schneide alles Faule (die schlechten Sparten) weg und kehre zum gesunden Kern zurück. GEICO wurde für Berkshire zu einer Goldgrube, weil Munger und Buffett erkannten, dass das grundlegende Modell trotz der vorübergehenden Torheit des Managements intakt war.

🌟 Dein Ziel als Anleger könnte es also sein, nach wenigen, fast todsicheren Gelegenheiten Ausschau zu halten, die innerhalb Deines Kompetenzkreises liegen. Wenn Du eine fair bewertete, großartige Firma findest: kaufen und halten. Meide die Masse, die jedem Trend hinterherläuft und sich von kognitiven Fehlurteilen leiten lässt.

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