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Krebs tötet jedes Jahr Millionen Menschen und ist gleichzeitig einer der dynamischsten Investmentbereiche der Welt. Beides hängt zusammen, ob uns das passt oder nicht.
In dieser Ausgabe schauen wir uns an, was nach Keytruda kommt. Das meistverkaufte Medikament der Welt verliert 2028 seinen Patentschutz, und die Jagd nach dem Nachfolger hat längst begonnen. Milliarden fließen, Kurse explodieren, Studien werden auf Kongressen gefeiert.
Wir haben ein paar Unternehmen genauer unter die Lupe genommen. Unterschiedliche Risikoprofile, unterschiedliche Burggräben und sehr unterschiedliche Antworten auf dieselbe Frage: Wer profitiert, wenn ein 32-Milliarden-Dollar-Markt zerbricht?
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Fortschritte
🧬 Das Ende der Blockbuster-Ära in der Krebsmedizin
Ein einziges Medikament, zugelassen für Dutzende Krebsarten, 31,7 Milliarden US-Dollar Umsatz im Jahr 2025 – und trotzdem läuft die Zeit ab. Keytrudas Patent in den USA erlischt 2028, und die Pharmaindustrie sucht fieberhaft nach dem nächsten Megablockbuster. Die spannende Frage ist, ob das Konzept des Universalkrebsmittels überhaupt noch funktioniert.
👉Summit Therapeutics ist das beste Beispiel dafür, wie viel Hoffnung und Kapital in diesen Wettbewerb geflossen ist. Das Biotech, das von Milliardär Bob Duggan finanziert wird, hat bis heute kein einziges in den USA zugelassenes Medikament. Und dennoch war Summit zwischenzeitlich mehr als 20 Milliarden US-Dollar wert. Das ist mehr als 👉Moderna heute auf die Waage bringt. Der Treiber: Ivonescimab, ein sogenannter bispezifischer Antikörper, der gleichzeitig PD-1 und VEGF-A blockiert. Auf Deutsch: Er schaltet das Immunsystem an und kappt die Blutversorgung des Tumors, also ein Doppelschlag, den Keytruda allein nicht beherrscht.
Auf dem ASCO-Kongress in Chicago präsentierte 👉Summit am 1. Juni 2026 die Ergebnisse der HARMONi-6-Studie, gleichzeitig erschienen im Lancet. Das Ergebnis klingt eindrucksvoll: Patienten mit fortgeschrittenem Plattenepithelkarzinom der Lunge lebten im Median 27,9 Monate mit Ivonescimab plus Chemotherapie – gegenüber 23,7 Monaten in der Vergleichgruppe. Das entspricht einer Reduktion des Sterberisikos um 34 % (Hazard Ratio 0,66). Und es ist das erste Mal, dass ein bispezifischer PD-1×VEGF-Antikörper in einer Phase-III-Studie einen statistisch belastbaren Überlebensvorteil gegenüber einer bestehenden Immuntherapie gezeigt hat. Ein sehenswerter Erfolg.
Doch hier beginnen auch Probleme. Das Medianalter der Studienteilnehmer lag bei 64 Jahren. Kein einziger Patient über 75 war in der Studie. In den USA wird Lungenkrebs typischerweise um das 70. Lebensjahr diagnostiziert – die Kernzielgruppe fehlt also komplett. Noch beunruhigender: Der Überlebensvorteil schwächte sich bei älteren Patienten merklich ab. Frauen waren stark unterrepräsentiert. Und der Vergleichsarm setzte auf Tislelizumab, ein Immuntherapeutikum, das in den USA für diese Indikation gar nicht zugelassen ist.
Alles hängt an der HARMONi-3-Studie. Das ist der direkte internationale Vergleich von Ivonescimab gegen Keytruda selbst. Und das in einer Population, die dem durchschnittlichen westlichen Patienten noch deutlich besser entspricht. Erste Daten werden in der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet. 👉Summit hat im Februar 2026 bei der FDA eine Zulassungsbescheinigung (BLA) eingereicht, mit Datum 14. November 2026. Bis dahin ist Summit wohl eher eine Wette auf Studiendaten.
Nach den ASCO-Präsentationen fiel der Kurs innerhalb einer Woche um rund 16 %. Die Marktkapitalisierung liegt aktuell bei rund 13,2 Milliarden US-Dollar. Für ein Unternehmen ohne US-Zulassung ist das immer noch eine ambitionierte Bewertung.
Was viele Beobachter dieser Branche nachdenklich macht: Alle großen Pharmakonzerne wetten gleichzeitig auf denselben Wirkmechanismus. 👉Bristol-Myers Squibb hat 1,5 Milliarden US-Dollar für das 👉BioNTech-Programm BNT327 hingelegt, plus 2 Milliarden für zu erreichende Meilensteine. 👉Pfizer testet seinen eigenen PD-1×VEGF-Kandidaten bereits in 4 Phase-III-Studien parallel. Und 👉Merck entwickelt diskret sein eigenes Pendant.
Der tiefere Trend hinter diesem Wettbewerb ist nicht 👉Summit gegen Merck. Es ist das Ende der Blockbuster-Logik in der Onkologie. Von 2019 bis 2023 hat die FDA in der Krebsmedizin 30 neue zielgerichtete Kleinmoleküle zugelassen, acht bispecifische Antikörper, acht Antibody-Drug-Konjugate und vier CAR-T-Therapien. Klassische Chemotherapeutika: genau eines. Die Vielfalt ist real – aber sie bedeutet für Investoren auch, dass einzelne Wetten riskanter werden.
Der globale Krebstherapiemarkt wird 2026 auf 269 Milliarden US-Dollar geschätzt und soll bis 2031 mit rund 10,6 % jährlich wachsen. Das Geld ist da. Es verteilt sich nur anders.
Wer heute in Onkologie-Biotech investiert, braucht also mehr als ein Gefühl für die Story. Er muss die Studienpopulationen kennen, die Altersverteilung, den Vergleichsarm, die Subgruppenanalysen. Der Überlebensvorteil von 4 Monaten bei 64-jährigen nichrauchende Patienten in China sagt wenig über 71-jährige Raucher in Ohio. Das Narrativ vom nächsten Keytruda ist verführerisch, aber auch statistisch riskant.
Screening
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Fast 90 % aller Pankreaskarzinome tragen eine RAS-Mutation und bis vor Kurzem galt diese Mutation als medikamentös nicht angreifbar. 👉Revolution Medicines hat das im Mai 2026 eindrucksvoll widerlegt: Ihr Wirkstoff Daraxonrasib verdoppelte das mediane Überleben bei metastasiertem Bauchspeicheldrüsenkrebs von 6,7 auf 13,2 Monate. Die Aktie ist auf 52-Wochen-Sicht um 298 % gestiegen. Aber welches Unternehmen hat auf diesem Feld wirklich einen Burggraben und nicht nur eine gute Pressemitteilung?
Krebs entsteht, wenn Zellen unkontrolliert wachsen – oft weil ein Onkogen wie RAS dauerhaft aktiviert ist. RAS ist ein molekularer Schalter: Im Normalzustand springt er an und wieder aus. Mutiertes RAS bleibt dauerhaft eingeschaltet. Das Problem: Es gibt keine offensichtliche Bindungschance für Medikamente. 👉Amgens Sotorasib war der erste Durchbruch, aber er greift nur eine einzige Variante an, nämlich KRAS G12C in seiner inaktiven, abgeschalteten Form. Im Pankreaskarzinom spielt G12C kaum eine Rolle.
👉Revolution Medicines will das mit einem anderen Ansatz lösen. Daraxonrasib ist ein sogenannter RAS(ON)-Inhibitor, also ein Hemmstoff für die aktive Form des Proteins und er trifft mehrere Mutationsvarianten gleichzeitig. Die zugrundeliegende Cyclophilin-A-Tricomplex-Technologie ist patentiert und strukturell so einzigartig, dass kein Wettbewerber sie kurzfristig kopieren kann.
Aber Vorsicht: 👉Revolution Medicines verliert im Quartal 2,29 Dollar je Aktie und hat noch kein einziges zugelassenes Produkt. Die Marktkapitalisierung von 32,5 Milliarden US-Dollar spiegelt ein sehr positives Szenario, mit RASolute 302 auf dem Weg zur FDA-Einreichung und RASolute 303 in der Erstlinientherapie noch laufend. Wer heute einsteigt, kauft also eher eine Story, die der Markt bereits kennt und die schon im Kurs steckt.
Das schönere Blue Sky liegt eher zwei Schritte weiter: Wenn Daraxonrasib bei Pankreaskrebs besteht und sich Resistenzprofile als beherrschbar erweisen, kann das Medikament auf Kolorektalkarzinom, NSCLC und weitere Tumortypen ausgeweitet werden. Dann wäre Daraxonrasib kein Nischenprodukt, sondern eine onkologische Plattform. Ob das gelingt, weiß heute niemand.
👉Merck verdient 2026 mehr als je zuvor. Die Jahresprognose des Managements lautet 65,8 bis 67 Milliarden US-Dollar, Keytruda allein bringt 33,8 Milliarden ein. Und trotzdem behandelt der Markt die Aktie wie eine ablaufende Versicherungspolice. Der Grund ist das US-Patentende von Keytruda im Jahr 2028. Danach dürfen Biosimilars den Markt fluten.
Was der Markt dabei ignoriert: 👉Mercks Pipeline wird konservativ auf 70 Milliarden US-Dollar bewertet. Keytruda Qlex, die im September 2025 zugelassene subkutane Darreichungsform, schafft Patientenbindung, die intravenöse Biosimilars nicht einfach brechen können. Dazu kommt Winrevair, ein Mittel gegen pulmonale Hypertonie, das 2026 erstmals spürbaren Umsatz beisteuern soll. Einige Analysten sehen 50 % Kursaufwärtspotenzial, wenn die Transformation gelingt.
👉BioNTech ist das Unternehmen mit der vielleicht interessantesten Transformation in diesem Feld. Nach dem COVID-Tal hat es sich als Multi-Modalitäts-Onkologie-Unternehmen neu aufgestellt: mRNA-Krebsimpfstoffe, bispezifische Antikörper und ADCs (Antikörper-Wirkstoff-Konjugate). Der vermutlich entscheidende Schritt war der Deal mit 👉Bristol-Myers Squibb über Pumitamig, einen PD-L1×VEGF-bispezifischen Antikörper: Bristol zahlte 1,5 Milliarden US-Dollar.
👉Bristol-Myers Squibb ist vielleicht das ruhigste Investment in unserer Liste und deshalb das am häufigsten unterschätzte. Das Unternehmen zahlt eine Quartalsdividende von 0,63 US-Dollar je Aktie, annualisiert 2,52 US-Dollar. Bei einem Kurs von 60 US-Dollar ergibt das eine Dividendenrendite von rund 4,5%. Bristol-Myers Squibb erhöht diese Dividende seit 2021 kontinuierlich, zuletzt um 1,6 % zum Jahreswechsel.
Die Ausschüttungsquote wirkt durch Patentamortisierungen optisch belastet. Die tatsächliche Cash-Generierung ist solider. Ja, Eliquis verliert 2026/2027 seinen Patentschutz, Opdivo folgt 2028. Das ist dieselbe Logik wie bei 👉Merck, nur leicht versetzt. Was 👉Bristol von Merck unterscheidet: Man sitzt als Co-Vermarkter von Pumitamig im direkten Windschatten von 👉BioNTech. Wenn die ROSETTA-Studie positive Daten zeigen sollte, kann Bristol mit deutlich niedrigerem Risikoprofil als jedes reine Biotech profitieren. Dazu kommen laufende Zulassungsprozesse für Breyanzi und Izalontamab Brengitecan.
Ob das alles zu dir passt, musst du selbst entscheiden. Wir können dir sagen, welche Daten vorliegen, welche Risiken es gibt und welche Katalysatoren 2026 noch kommen könnten. Aber wir können dir nicht sagen, wie viel Schlaf du verlierst, wenn ein Pharmakonzern seinen Patentschutz verliert, oder wie ungeduldig du wirst, wenn ein Antikörper noch drei Jahre bis zur Zulassung braucht. Wir liefern hier nur den Kompass. Die Route wählst du selbst.
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