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manchmal verschiebt sich eine ganze Tech-Front, während alle woanders hinschauen. Genau das passiert gerade und zwar nicht im Silicon Valley. Drei asiatische Regierungen haben in den vergangenen Monaten Programme aufgelegt, die man sonst nur aus der Rüstungspolitik kennt. Unternehmen liefern dorthin bereits Maschinen aus. 

Klingt nach einer runden Geschichte. Ist sie auch, bis du die Umsatzzeilen liest. Wir haben uns die Zahlen hinter den Schlagzeilen angesehen. Komm mit uns auf Entdeckungsreise!

Durchbruch?

🌏 Asiens Quanten-Offensive: Wo gerade Wachstum entsteht

Während alle auf Rechenzentren, GPUs und KI-Capex starren, hat sich ein zweites Technologierennen unbemerkt nach Osten verlagert. Quantencomputing, also Rechnen mit Qubits, die im Gegensatz zum klassischen Bit nicht nur null oder eins sein können, sondern beides gleichzeitig, wird gerade in Japan, Singapur und Südkorea zur Staatsangelegenheit. 

Der jüngste Beleg kam vergangene Woche aus Okazaki. Japans Institute for Molecular Science hat unter Leitung von Professor Kenji Ohmori den Rechner „Shunkai" in Betrieb genommen. Das ist Japans erster vollständig integrierter Neutralatom-Quantencomputer. Der Prozessor stammt vom US-Anbieter Infleqtion, die Systemtechnik von Hitachi, das Geld von der Japan Science and Technology Agency. Zum Start: 50 Qubits. Nächste Ausbaustufe: rund 500.

Interessanter als der Startwert ist das Endziel. Das Programm peilt bis zu 10.000 physische Qubits samt Fehlerkorrektur an. Das ist jene Schwelle, ab der ein Quantenrechner Rechenfehler schneller repariert, als sie entstehen. Und Infleqtion ist im japanischen Moonshot-Programm der einzige ausländische Partner. Tokio holt sich also Technologie ins Land, ohne die Kontrolle über das Programm abzugeben.

Der Rahmen erscheint ambitioniert. Japans nationales Quantenprogramm will bis 2030 rund 10 Millionen inländische Nutzer erreichen und 50 Billionen Yen Produktionswert erzeugen. Fujitsu arbeitet parallel offiziell an einem supraleitenden Rechner mit über 10.000 Qubits. Die Fertigstellung ist ebenfalls für 2030 angepeilt.

Und die Privatwirtschaft zieht nach. Im April kaufte die Toyo Corporation eine „Radiance" mit 20 Qubits beim finnischen Hersteller IQM. Es war die erste kommerzielle Quantencomputer-Bestellung eines japanischen Unternehmens überhaupt. Lieferung bis Jahresende.

Kommen wir zum zweiten Schauplatz: Singapur. Der Stadtstaat fördert Quantenforschung seit 2007. Bei den Fördersummen lohnt allerdings genaues Hinsehen. In der Berichterstattung geistert die Zahl „37 Milliarden Dollar bis 2030" herum. Gemeint sind aber 37 Mrd. Singapur-Dollar (SGD), also rund 29 Mrd. US-Dollar, und zwar für den kompletten Forschungsplan RIE2030, von Biotech bis Klimatechnik. Das eigentliche Quantenbudget der National Quantum Strategy liegt bei knapp 300 Mio. SGD über 5 Jahre.

Trotzdem ist Singapur der Ort, an dem sich gerade etwas verdichtet. Quantinuum hat den Stadtstaat als ersten Standort außerhalb der USA für seinen Helios-Rechner ausgewählt und im März ein Forschungszentrum eröffnet, nachdem im November 2025 die Partnerschaft mit dem National Quantum Office besiegelt worden war. CEO Rajeeb Hazra sagt dazu schlicht, das Geschäft sei eben nicht nur amerikanisch. Japan, Singapur, Katar und Großbritannien seien allesamt lebendige Ökosysteme.

Dritter Schauplatz: Südkorea. Ende Juni verabschiedete Seoul seinen sechsten Basisplan über 200 Billionen Won, rund 129 Mrd. US-Dollar, für Forschung und Entwicklung bis 2030. Quanten steht dort unter den 10 nationalen strategischen Technologien, flankiert vom Aufbau von 260.000 GPUs. Auch hier gilt: Das ist ein Gesamtbudget, kein Quantenbudget. Aber die Prioritätenliste ist sicherlich ein starkes politisches Signal.

Konkret wird es wohl im November. Dann installiert IBM seinen Nighthawk-Prozessor mit 120 Qubits am Songdo-Campus der Yonsei-Universität. Es wird die erste Nighthawk-Maschine außerhalb IBMs eigener Standorte sein. Geforscht wird unter anderem am Leigh-Syndrom, einer tödlichen Mitochondrien-Erkrankung, im Verbund mit Japans Riken, dem Supercomputer Fugaku und der Universität Cambridge.

Was ist überhaupt mit China? Peking hat im März seinen 15. Fünfjahresplan verabschiedet, der Quanten ausdrücklich als Zukunftsindustrie führt. Am 23. August legte die Zentrale Cyber-Kommission einen Aktionsplan bis 2030 nach: 7 Handlungsfelder, 21 Maßnahmen, Quanten als vorrangiges Grenzgebiet. Wichtig für die Einordnung: Der Plan nennt weder Budgets noch technische Meilensteine noch Kommerzialisierungsziele. Auch er ist vor allem ein Signal und noch lange kein Scheck.

Bei der oft zitierten Zahl von 15,3 Mrd. US-Dollar chinesischer Staatsgelder solltest du ohnehin skeptisch bleiben. Sie stammt aus einem Beratungsreport und war dort ausdrücklich als angekündigte, nicht verifizierte Summe markiert. Ein führender Physiker der Universität für Wissenschaft und Technik in Hefei schätzte den tatsächlichen Mitteleinsatz auf etwa ein Viertel davon.

Chinas Vorsprung ist aber an anderer Stelle messbar: bei Patenten. Von 2022 bis 2024 lagen die chinesischen Quantenpatent-Anmeldungen jedes Jahr über 10.000 – mehr als die Hälfte aller weltweiten Anmeldungen. Hardwareseitig stehen bislang Zuchongzhi 3.0 mit 105 supraleitenden Qubits und der Wukong-180 von Origin Quantum mit 180 Qubits. Und nicht zu vergessen: Alibaba schloss sein Quantenlabor 2023, Baidu verschenkte seine Ausrüstung 2024.

Washington reagiert derweil mit Geld und Beteiligungen. Im August 2023 beschränkte eine Verfügung US-Investitionen in chinesische Quantenfirmen. Im Mai 2026 verteilte das Handelsministerium etwas mehr als 2 Mrd. US-Dollar an 9 Unternehmen: IBM allein 1 Mrd., GlobalFoundries 375 Mio., je 100 Mio. an Quantinuum, Infleqtion, D-Wave, PsiQuantum und Atom Computing. Im Gegenzug erhielt der Staat Minderheitsbeteiligungen. Im Juni folgten zwei Executive Orders zu Strategie, Sensorik und Fachkräften.

Recht bemerkenswert erscheint mittlerweile die Rollenverteilung. Die asiatischen Staaten stellen Geld, Standorte und Anwender. Die Maschinen kommen aus Finnland, Colorado und Texas. Anders als bei Halbleitern oder Batterien läuft die Wertschöpfung hier also noch überwiegend westwärts. Genau das macht die Region für börsennotierte Anbieter interessant: zahlungskräftige Kunden ohne einen bereits etablierten heimischen Wettbewerber, jedenfalls außerhalb Chinas.

Damit hätten wir die Landkarte gezeichnet: asiatische Staaten mit Milliardenprogrammen, ein chinesischer Nachbar mit Patentführerschaft und unklarem Budget, eine US-Regierung, die sich einkauft. Was aber noch auf dieser Landkarte fehlt, ist die entscheidende Frage für dein Depot: Was verdienen die Firmen eigentlich, die das alles bauen?

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Faktenlage

💸 500x Umsatz: Was hinter den Quantenaktien wirklich stecken könnte

2026 wird vielleicht als das Jahr in Erinnerung bleiben, in dem Quantencomputing ganz groß an die Börse gekommen ist. Fangen wir mit dem Schwergewicht an. Quantinuum platzierte am 4. Juni rund 28 Mio. Aktien zu 60 US-Dollar und nahm 1,68 Mrd. US-Dollar ein. Honeywell hält weiterhin rund 48 % der Stimmrechte. Aktuell notiert die Aktie bei rund 57 US-Dollar, der Börsenwert liegt bei etwa 14,9 Mrd. US-Dollar. Klingt solide, bis du die Umsatzzeile daneben legst.

Die lautet für das zweite Quartal: 8 Mio. US-Dollar. Das ist ein Plus von 279 % gegenüber dem Vorjahr, klar. Aber die angehobene Jahresprognose liegt bei 28 bis 32 Mio. US-Dollar. Bei knapp 15 Mrd. Börsenwert entspricht das rund dem 500-Fachen des Jahresumsatzes. Zum Vergleich: Nvidia auf dem Höhepunkt der KI-Euphorie wurde mit dem 30- bis 40-Fachen gehandelt.

Die Verlustseite ist ähnlich beeindruckend. Quantinuum weist für das Quartal einen GAAP-Nettoverlust von 597 Mio. US-Dollar aus, überwiegend aus Sondereffekten rund um den Börsengang, und einen bereinigten EBITDA-Verlust von 68 Mio. Immerhin: 2,1 Mrd. US-Dollar Liquidität, 62 % bereinigte Bruttomarge und Buchungen über 81 Mio. federn das ab. Die Fahrpläne für die Systeme Sol (2027) und Apollo (2029) stehen.

IQM ist der ein spannender Vergleichsfall, weil die Finnen tatsächlich schon Maschinen verkaufen. Im ersten Halbjahr 8,9 Mio. Euro Umsatz, plus 47 %, dazu ein operativer Verlust von 60,5 Mio. Der Auftragsbestand sprang bis Anfang August auf 102,1 Mio. Euro. Die Prognose für 2026 liegt bei 42 bis 47 Mio. Euro Umsatz. 26 verkaufte Systeme seit 2018, 17 davon ausgeliefert, Kundenzahl von 8 auf 22 binnen eines Jahres.

Bemerkenswert ist, was IQM selbst in den Börsenprospekt schrieb: Ein Durchbruch der Quantentechnologie im großen kommerziellen Maßstab könne „möglicherweise nie eintreten". Diese Ehrlichkeit findest du selten. Und das sollte dir womöglich mehr bedeuten als jede Analystenprognose. Immerhin reicht die Liquidität von 309 Mio. Euro nach eigener Rechnung bis ins zweite Quartal 2028.

Bei den älteren Pure Plays sieht es leider nicht so gut aus: IonQ wird mit dem 59-Fachen des Umsatzes gehandelt, Rigetti mit dem 398-Fachen, D-Wave mit dem 542-Fachen. Kurs-Umsatz-Verhältnisse jenseits von 100 hat in der Technologiegeschichte praktisch keine Firma dauerhaft gerechtfertigt, auch die Gewinner der Dotcom-Ära nicht.

Ein zweites Warnsignal kommt von innen. Vorstände und Aufsichtsräte von IonQ, Rigetti und D-Wave haben in drei Jahren netto rund 863 Mio. US-Dollar an eigenen Aktien verkauft. Gekauft haben sie: IonQ 3,3 Mio., D-Wave rund 1.800 Dollar, Rigetti exakt nichts. Für Verkäufe gibt es viele Gründe, für Käufe nur einen. Das Fehlen der Käufe sollte dich eher skeptisch stimmen.

Gegen diese Skepsis steht aber eine Nachfrage-Entwicklung. Die Investitionen in Quantentechnologie erreichten 2025 laut McKinsey 12,6 Mrd. US-Dollar. Das ist das 6,3-Fache des Vorjahres. Bemerkenswert dabei: 97 % kamen aus privater Hand, nach 67 % im Jahr zuvor. Über 300 Unternehmen arbeiten aktiv mit Quanten-Anbietern, ein Drittel der Großkonzerne gab 2025 mehr als 10 Mio. US-Dollar dafür aus.

Die Prognosen sind entsprechend sportlich: 43 bis 71 Mrd. US-Dollar Marktvolumen allein für Quantencomputing bis 2035, ein möglicher Wirtschaftswert von bis zu 2,7 Bio. US-Dollar. Nur: Der gesamte Branchenumsatz lag 2025 bei knapp über 1 Mrd. US-Dollar und soll bis 2028 auf 4,4 Mrd. steigen. Die ganze Industrie setzt heute weniger um als ein solider deutscher Mittelständler.

Wer den Sektor spielen will, ohne auf einen einzelnen Qubit-Typ zu wetten, schaut traditionell auf die Schaufelverkäufer. Nvidia verbindet mit seiner Schnittstelle NVQLink inzwischen 17 Quantenbauer und 9 Forschungslabore mit GPU-Infrastruktur. Denn jeder Quantenrechner braucht klassische Rechenleistung zur Fehlerkorrektur. IBM wiederum bekam mit 1 Mrd. US-Dollar die Hälfte des gesamten US-Fördertopfs und hält am Ziel fest, 2029 den ersten hoch skalierten, fehlertoleranten Rechner zu liefern.

Ein Datum solltest du dir merken: 2029. In diesem Jahr will IBM den ersten fehlertoleranten Rechner ausliefern, im selben Jahr peilt Quantinuum sein System Apollo an, und auch Japans und Fujitsus Zehntausend-Qubit-Ziele liegen in dieser Zeitzone. Der Sektor hat sich damit selbst eine Prüfung gestellt. Wer bis dahin nicht liefert, wird seine heutige Bewertung schwer verteidigen können.

Unterm Strich scheint klar zu sein: Asien liefert gerade die Nachfrage, die dem Sektor bislang gefehlt hatte. Was Asien jedoch nicht liefert, sind Bewertungen, die zu diesen Aufträgen passen. Zwischen 102 Mio. Euro Auftragsbestand bei IQM und 14,9 Mrd. Börsenwert bei Quantinuum liegt eine Erwartungslücke, die irgendwann geschlossen werden muss. Nur eben nicht zwingend nach oben.

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