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an der Börse gibt es Wochen, in denen eine einzige Zahl die Stimmung kippen kann. Letzte Woche war so eine. Und sie trifft ausgerechnet die Aktien, die dir sonst ruhigen Schlaf versprechen.
Wir schauen heute genau hin: Warum geraten Dividendenzahler plötzlich unter Druck, und was bedeutet das für dein Depot? Dabei wird es auch etwas rechnerisch, denn eine beliebte Absicherungsidee hat einen Haken, den kaum jemand erwähnt. Und wir nehmen einige bekannte Namen unter die Lupe. Manche bestehen den Dividendentest souverän, andere überraschen. Los geht‘s!
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Anleihen
📉 5 % Zins: Warum Dividendenaktien jetzt wackeln
5 %. Diese Zahl hat in den vergangenen Wochen mehr Dividendenanleger nervös gemacht als jede Gewinnwarnung. Am 15. September schloss die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen erstmals seit 2007 über dieser Marke. Und sie blieb dort nicht stehen: Am 1. Oktober kletterte sie zeitweise auf 5,33 %, den höchsten Stand seit Anfang 2002.
Die US-Notenbank hat das Feuer am 16. September zusätzlich angefacht. Erstmals seit Juli 2023 hob die Fed den Leitzins an, um 0,25 Prozentpunkte auf eine Spanne von 3,75 bis 4,00 %, einstimmig mit 12 zu 0. Im Dot Plot, der Punktwolke, in der jedes Notenbankmitglied seine Zinserwartung einträgt, signalisiert die Mehrheit für 2026 noch einen weiteren Schritt. Die nächste Sitzung steht am 27. Oktober an. Und Europa zieht mit. Die EZB erhöhte am 10. September den Einlagensatz, also den Zins, den Banken für bei ihr geparktes Geld bekommen, auf 2,50 %. Es war bereits die zweite Anhebung nach Juni. Zehnjährige Bundesanleihen rentieren inzwischen gut 3,5 %, so viel wie seit rund 15 Jahren nicht mehr.
Warum trifft das ausgerechnet Dividendenaktien? Weil viele Anleger sie als Anleihenersatz kaufen. Wer für 3 % Ausschüttung ein Kursrisiko eingeht, rechnet natürlich nochmal nach, wenn der Staat 5 % ohne Schwankung bietet. Fachleute nennen solche Titel Bond Proxies, also Aktien, die sich wie Anleihen verhalten. Steigen die Renditen, sinkt ihre relative Attraktivität und mit ihr der Kurs.
Aufschlussreich ist das Verhalten der Profis. Leerverkäufe, also Wetten auf fallende Kurse mit geliehenen Anteilen, erreichten beim Versorger-ETF laut Daten von Goldman Sachs den höchsten Stand seit rund sechs Jahren. Gleichzeitig wurden so viele Kaufoptionen gehandelt wie seit einem Jahr nicht. Das wirkt widersprüchlich, ist es aber nicht: Wer short ist, sichert sich mit Calls gegen einen plötzlichen Kurssprung ab.
Wichtig ist in jedem Fall für dich: Ein fallender Kurs bedeutet nicht automatisch eine sinkende Dividende. Gefährlich wird es erst, wenn höhere Zinsen die Finanzierungskosten so stark treiben, dass Unternehmen Ausschüttungen kürzen oder Erhöhungen aussetzen. Gerade hoch verschuldete Versorger und Konsumkonzerne mit stagnierenden Umsätzen verdienen deshalb jetzt einen zweiten Blick auf die Ausschüttungsquote und den Free Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt.
Hierzulande wirkt das Bild noch recht freundlich. Die 40 DAX-Konzerne schütten 2026 rekordhohe 55,3 Milliarden Euro aus, 5,9 % mehr als im Vorjahr. Spitzenreiter ist die Allianz mit 6,5 Milliarden Euro vor der Deutschen Telekom mit 4,8 und Siemens mit 4,2 Milliarden Euro. Doch der Rekord blickt auf das Geschäftsjahr 2025 zurück. Für 2027 rechnen Fachleute eher mit stagnierenden Summen.
Bleibt die Frage: Was kannst du jetzt tun? Panik ist naürlich auch hier der schlechteste aller Ratgeber. Wer seine Dividendenaktien in einer Zinsdelle verkauft, macht aus Buchverlusten echte Verluste. Sinnvoller erscheint ein nüchterner Check in drei Schritten:
Prüfe, wie sicher deine Dividenden sind. Zwei Kennzahlen reichen für den Anfang. Die Ausschüttungsquote zeigt, welcher Anteil des Gewinns als Dividende an die Aktionäre fließt. Liegt sie dauerhaft über 80 %, wird es womöglich eher eng. Außerdem sollte der Free Cashflow die Ausschüttung decken. Wer mehr auszahlt, als er erwirtschaftet, muss früher oder später kürzen oder sich Geld leihen, und genau das wird gerade teurer.
Setze vielleicht besser auf Breite statt auf einzelne Hochzinser. Ein ausschüttender ETF wie der SPDR S&P US Dividend Aristocrats UCITS ETF bündelt rund 150 US-Unternehmen, die ihre Dividende seit mindestens 20 Jahren steigern. Fällt ein Wert aus, bleibt der Schaden überschaubar.
Nutze die höheren Zinsen selbst. Es spricht nichts dagegen, einen Teil des Depots als ruhigen Gegenpol auf dem Geldmarkt zu parken. So musst du in einer Schwächephase keine Aktien zur Unzeit verkaufen, nur um laufende Ausgaben zu decken. Gerade wer von seinen Ausschüttungen lebt, gewinnt damit Zeit und Gelassenheit.
Die US-Anleihen bringen über 5 %. Wie reagierst du mit deinem Dividendendepot?
Ausschüttungen
🔍 Dividendenzahler im Zinstest: Wer hält, wer wackelt?
Wenn Anleihen nun 5 % bringen, muss eine Dividendenaktie mehr bieten als eine hohe Rendite. Sie braucht ein Geschäft, das Ausschüttungen auch bei teurerem Geld trägt. Wir haben uns ein paar spannende Titel genauer angesehen.
Starten wir bei den Banken, denn sie profitieren von höheren Zinsen eher, als dass sie leiden. Goldman Sachs zahlt seit dem dritten Quartal 5 Dollar je Quartal, 11 % mehr als zuvor und 25 % mehr als vor einem Jahr. Die Rendite liegt bei gut 2,2 %. Von einem schwachen Handelsgeschäft kann keine Rede sein: Im zweiten Quartal wuchs die Sparte Global Banking & Markets um 53 %, der Gewinn je Aktie verdoppelte sich fast auf 20,98 Dollar.
Morgan Stanley folgt demselben Muster. Die Quartalsdividende stieg um 15 % auf 1,15 Dollar, dazu kommt ein neu aufgelegtes Rückkaufprogramm über 20 Milliarden Dollar, rund 5,6 % des Börsenwerts. Gut zu wissen: Aktienrückkäufe erhöhen deinen Anteil am Unternehmen, ohne dass du nachkaufen musst. Die Dividendenrendite von rund 2,2 % erzählt daher nur die halbe Geschichte.
Kurios wirkt Nvidia auf einer Dividendenliste. Der Chipkonzern hob die Quartalsdividende im Mai von 1 auf 25 Cent an. Bei rund 231 Dollar Aktienkurs bleiben trotzdem nur gut 0,4 % Rendite. Entscheidend ist das Versprechen, mindestens die Hälfte des Free Cashflow auszuschütten. Allein im zweiten Quartal flossen 26 Milliarden Dollar an die Aktionäre, davon 6 Milliarden als Dividende. Für 12,9 Milliarden Dollar hat Nvidia zudem den Kauf der KI-Plattform Hugging Face eingetütet.
Zwei Industriewerte setzen auf dieselbe Wachstumsgeschichte. Cummins, bekannt für Lkw-Motoren, verdient zunehmend mit Stromaggregaten für Rechenzentren. Die Dividende stieg im Juli um 10 % auf 2,20 Dollar je Quartal, im 17. Jahr in Folge. Die Rendite liegt allerdings nur bei rund 1,4 %. Fastenal, Händler für Schrauben und Industriebedarf, bringt knapp 2 %. Der US-Anteil am Umsatz beträgt 83 %, nicht 90, wie oft zu lesen ist.
Bei Microchip Technology lohnt der Blick ins Kleingedruckte. Die Rendite von knapp 2,5 % wirkt solide, doch die Quartalsdividende verharrt seit Ende 2024 bei 45,5 Cent. Gemessen am bilanziellen Gewinn liegt die Ausschüttungsquote über 400 %. Der Chiphersteller zahlt also deutlich mehr aus, als er nach Rechnungslegung verdient, ein Warnsignal, solange die Erholung im Industriegeschäft nicht in der Bilanz ankommt.
Nun zu den klassischen Hochzinsern. Verizon rentiert mit 5,7 % sogar über US-Staatsanleihen. Das bereinigte EBITDA, also der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, erreichte im zweiten Quartal mit 13,7 Milliarden Dollar einen Rekord. Der bereinigte Gewinn je Aktie stieg um 6,6 %. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis um 10 ist die Aktie halb so teuer wie der Gesamtmarkt, bei 165 Milliarden Dollar Schulden aber auch besonders zinssensibel.
BP bietet rund 4,5 % Rendite und erhöhte die Dividende im August um 4 %. Die häufig genannten 11 Milliarden Dollar sind allerdings der operative Cashflow eines einzigen Quartals. Nach Investitionen von 3,1 Milliarden Dollar bleiben rund 7,8 Milliarden Free Cashflow. Die Nettoschulden sanken auf 22,3 Milliarden Dollar. Fällt der Brent-Preis von gut 100 Dollar Richtung 80 Dollar, schrumpft der Puffer spürbar.
Kraft Heinz lockt mit 6,5 %. Der Free Cashflow von 1,66 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr deckte die Ausschüttungen von rund 950 Millionen Dollar locker. Doch die organischen Umsätze sinken, in Nordamerika etwa um 2,7 %. Im zweiten Quartal fielen Abschreibungen auf Firmenwerte von 7,4 Milliarden Dollar an. Die geplante Aufspaltung liegt seit Februar auf Eis, und für 2026 erwartet das Management rund ein Fünftel weniger Gewinn je Aktie.
Kimberly-Clark erhöht seit 54 Jahren die Dividende und rentiert mit knapp 5 %. Was dabei aber oft untergeht: Der Konzern übernimmt Kenvue, die frühere Konsumsparte von Johnson & Johnson, für einen Unternehmenswert von 48,7 Milliarden Dollar. Der Abschluss ist für das zweite Halbjahr 2026 geplant. Die bisherigen Aktionäre halten danach nur noch rund 54 %, und die Integration dürfte Schuldenabbau und Dividendenwachstum vorerst bremsen.
Starbucks ist der Turnaround-Kandidat im Feld. Die vergleichbaren Umsätze stiegen im dritten Geschäftsquartal um 7,9 %, getragen von mehr Kundenbesuchen. Die Dividende von 62 Cent je Quartal bringt rund 2,5 %. Der Verschuldungsgrad sank auf das 2,9-Fache des operativen Gewinns, das Management hob die Jahresprognose an.
Unterm Strich zeigt der Härtetest: Im Zinsumfeld überzeugen nicht die Titel mit der höchsten Rendite, sondern die mit wachsender, gut gedeckter Ausschüttung. Welche von ihnen liegen in deinem Depot?
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