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1 %. So viel Dividende zahlen die Unternehmen im S&P 500 gerade gemessen am Kurs. Weniger war es noch nie. Klingt nach knausrigen Konzernen? Ganz so einfach ist es nicht. Das Geld ist nicht verschwunden, es fließt nur woandershin.

Wohin genau, und warum das für dich als Anleger wichtig ist, erfährst du heute. Dazu schauen wir auf ein paar bekannte Aktien, die ganz unterschiedlich mit ihrem Geld umgehen. Viel Spaß beim Lesen!

Aus finanzen.net zero wird Finanzen invest

Seit dem Wochenende heißt dein Broker Finanzen invest. Login, Depot, Sparpläne und Konditionen bleiben, wie du sie kennst. Auch „Aktien zum Frühstück“ kommt weiter zu dir, im Absender steht jetzt „Aktien zum Frühstück, Finanzen invest“. Vorab ein Hinweis: Ab dem 10. November macht dieser Newsletter ein paar Wochen Pause. Am 7. Dezember geht es dann weiter.

Daten

Quartalszahlenkalender KW 45/2026

Zwischen dem 2. und 6. November 2026 erwarten wir frische Zahlen von folgenden Unternehmen:

Apple
Kursreaktion auf letzte Quartalszahlen: -7,35 %
Kurspotenzial laut Analystenkonsens: -3,53 %

AMD
Kursreaktion auf letzte Quartalszahlen: -7,04 %
Kurspotenzial laut Analystenkonsens: +12,64 %

McDonald’s
Kursreaktion auf letzte Quartalszahlen: +1,17 %
Kurspotenzial laut Analystenkonsens: +16,91 %

Novo Nordisk
Kursreaktion auf letzte Quartalszahlen: -4,32 %
Kurspotenzial laut Analystenkonsens: +15,97 %

Uber Technologies
Kursreaktion auf letzte Quartalszahlen: -5,29 %
Kurspotenzial laut Analystenkonsens: +55,93 %

Passives Einkommen

Dividendenrendite auf Rekordtief: Wohin das Geld der US-Konzerne fließt

Die Dividendenrendite des S&P 500 liegt mit rund 1 % so tief wie nie, und das liegt weniger an geizigen Konzernen als an hohen Kursen, an Aktienrückkäufen und an einem Investitionsboom, der Ausschüttungen verdrängt. Je nach Berechnungsmethode notiert die Rendite zwischen 1,04 und 1,09 %. Damit liegt sie noch unter dem Tief aus dem Herbst 2000, als sie bei etwa 1,1 % stand. Im Großteil des 20. Jahrhunderts pendelte sie zwischen 3 und 5 %.

Der wichtigste Grund ist sicherlich schlichte Mathematik: Die Kurse sind schneller gestiegen als die Dividenden. Die Dividenden je Indexanteil erreichten 2025 mit 78,92 US-Dollar einen Rekord, 5,5 % mehr als im Vorjahr und die 16. Erhöhung in Folge. Der Index selbst legte 2025 aber um 16,4 % zu und steht 2026 bis Ende Oktober gut 13 % im Plus. Die Ausschüttungen wachsen also durchaus, nur die Kurse klettern eben noch schneller.

Der zweite Grund ist die Zusammensetzung des Index. Rund 56 % der Mitglieder zahlen eine Dividende, ein Anteil, der sich seit 25 Jahren kaum verändert hat. Das Gewicht hat sich dagegen verschoben: Die großen Techies stellen inzwischen über ein Drittel des Index und rentieren im Schnitt mit weniger als 0,5 %. Wer den S&P 500 kauft, holt sich vor allem Wachstum ins Depot, kein Einkommen.

Ein weiterer Grund sind Aktienrückkäufe. Bis 1982 galten sie in den USA als Einfallstor für Kursmanipulation. Erst eine Regel der Börsenaufsicht SEC schuf damals einen sicheren Rechtsrahmen. Seit Ende der 1990er-Jahre fließt mehr Geld in Rückkäufe als in Dividenden. Ein Rückkauf erhöht den Anteil jedes verbliebenen Aktionärs am Unternehmen. Wer nur auf die Dividendenrendite schaut, sieht deshalb nur die halbe Ausschüttung. Aussagekräftiger ist die Gesamtausschüttungsrendite, also Dividenden plus Rückkäufe im Verhältnis zum Börsenwert.

Der vierte Grund ist recht neu und wiegt womöglich am schwersten: Die künstliche Intelligenz verschlingt das Geld, das früher an Aktionäre ging. Im ersten Quartal 2026 stiegen die Rückkäufe im S&P 500 nur um 1 %, die Investitionsausgaben dagegen um 38 %. Alphabet investierte im dritten Quartal 51,4 Mrd. US-Dollar, mehr als doppelt so viel wie ein Jahr zuvor. Der Free Cashflow, also das Geld nach allen Investitionen, rutschte auf -9,1 Mrd. US-Dollar. Alphabet und Meta haben ihre Rückkäufe ausgesetzt.

Wichtig: Seit 1926 stammen rund 31 % der Gesamtrendite des S&P 500 aus Dividenden. In schwachen Phasen ist ihr Anteil noch größer: Von 2000 bis 2009 verloren die Kurse im Schnitt 2,7 % pro Jahr, die Dividenden brachten 1,8 % pro Jahr und hielten die Bilanz des Jahrzehnts nahe null. Rückkäufe sind flexibler, und genau das ist ihre Schwäche. Vorstände kürzen sie zuerst, wenn das Geld knapp wird. Studien zeigen zudem, dass viele Unternehmen bei hohen Kursen mehr zurückkaufen und bei niedrigen weniger.

Hinzu kommt neue Konkurrenz von Anleihen. Zehnjährige US-Staatsanleihen rentierten Mitte Oktober mit 5,1 bis 5,2 % so hoch wie seit 2007 nicht mehr, rund einen Prozentpunkt mehr als zu Jahresbeginn. Der Abstand zur Dividendenrendite des Index liegt damit bei rund 4 Prozentpunkten.

Natürlich lohnt auch der Vergleich mit dem DAX. Die 40 DAX-Konzerne schütten 2026 rund 55 Mrd. Euro aus, so viel wie nie. Die Dividendenrendite liegt bei etwa 2,5 bis 3 % und damit mehr als doppelt so hoch wie im S&P 500. Für Rückkäufe gaben deutsche Unternehmen 2025 nur rund 20 Mrd. Euro aus. Hierzulande dominiert also weiter die Dividende. Doch auch hier zahlt der Staat mehr: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren mit rund 3,6 % über der DAX-Dividendenrendite.

Also: Die Börse hat Investitionen bislang großzügiger belohnt als Dividendenerhöhungen. Vergangene Woche zeigte sich die Kehrseite. Alphabet verlor nach dem zweiten Quartal mit negativem Free Cashflow 12,6 % an einem Tag, so viel wie nie seit dem Börsengang 2004. Was Mr. Markt bisher aber wenig beachtet, ist folgendes: Unternehmen geben wieder mehr Aktien aus. Alphabet sammelte im Juni 84,75 Mrd. US-Dollar frisches Eigenkapital ein, US-Firmen insgesamt im zweiten Quartal 252 Mrd. US-Dollar über Börsengänge, Kapitalerhöhungen und Wandelanleihen, so viel wie nie.

Aktien

Zurückkaufen, investieren, ausschütten: Verschiedene Wege, mit Gewinnen umzugehen

Die folgenden Unternehmen zeigen uns ganz gut, wie unterschiedlich Vorstände heute mit den Geld der Eigentümer umgehen: einer kauft vor allem eigene Aktien, einer investiert alles, einer zahlt verlässlich, aber zurückhaltend, und einer kombiniert beides.

Apples Dividende von 0,27 US-Dollar je Quartal, im Frühjahr um 4 % erhöht, ergibt eine Rendite von nur etwa 0,3 %. Der eigentliche Hebel sind die Rückkäufe: Im Quartal bis Ende Juni gab Apple 33 Mrd. US-Dollar an Aktionäre zurück, davon 25,8 Mrd. über Rückkäufe und 4 Mrd. als Dividende. Das ist mehr als der Quartalsgewinn von 29,8 Mrd. US-Dollar. Seit 2012 hat Apple die Zahl seiner Aktien um rund 44 % verringert. Der Umsatz stieg um 16 % auf 109,4 Mrd. US-Dollar, der Gewinn je Aktie um 29 % auf 2,02 US-Dollar, davon 11 Cent aus Zollerstattungen.

Die Aktie markierte am 22. Oktober mit 348 US-Dollar ein Rekordhoch. Bemerkenswert ist der Preis der Rückkäufe: Bei einem KGV von etwa 40 erwirbt Apple mit jedem Dollar eine Gewinnrendite von rund 2,5 %, weniger als die Hälfte dessen, was zehnjährige US-Staatsanleihen bieten. Das größte Risiko: Speicherpreise und Lieferengpässe bremsen, für das laufende plant Apple nur mit 9 bis 11 % Umsatzplus.

Alphabet zahlt erst seit 2024 eine Dividende, zuletzt 0,22 US-Dollar je Quartal, im April um 5 % erhöht. Die Rendite liegt bei rund 0,3 %. Im dritten Quartal stieg der Umsatz um 25 % auf 127,6 Mrd. US-Dollar, die Cloud-Sparte verdoppelte sich auf 30,7 Mrd. US-Dollar, die operative Marge lag bei 31,8 %. Doch die Investitionsausgaben von 51,4 Mrd. US-Dollar übertrafen den operativen Cashflow deutlich. Statt Aktien zurückzukaufen, verkaufte Alphabet im Quartal neue Aktien für 12,4 Mrd. US-Dollar und Anleihen für 28,7 Mrd. US-Dollar.

Die Finanzchefin kündigte für 2027 erneut deutlich höhere Investitionen an. Ein Detail zeigt die neue Rangordnung: Die im Juni ausgegebenen Vorzugsaktien mit Wandlungspflicht bringen ihren Käufern 6,25 % Dividende, die Stammaktionäre erhalten rund 0,3 %. Das womöglich größte Risiko bei diesem Titel: Die Investitionen verdienen ihr Geld nicht schnell genug zurück, während das Suchgeschäft mit KI-Antworten um seine Erlöse ringt.

Der Einzelhändler Target hat seine Dividende 55 Jahre in Folge erhöht und seit 1967 jedes Quartal gezahlt. Nach Sprüngen von 32 % im Jahr 2021 und 20 % im Jahr 2022 fielen die Erhöhungen vier Jahre in Folge mit rund 2 % eher mager aus, zuletzt im Juni auf 1,16 US-Dollar je Quartal. Grund war ein mehrjähriger Gewinnrückgang, inzwischen dreht das Geschäft: Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 5,3 % auf 26,5 Mrd. US-Dollar, der Umsatz auf vergleichbarer Verkaufsfläche um 3,8 %, getragen von 3,6 % mehr Kundenbesuchen.

Der Gewinn je Aktie verdoppelte sich auf 4,11 US-Dollar, davon stammten 1,65 US-Dollar aus einmaligen Zollerstattungen. Ohne diesen Effekt bleiben rund 20 % Plus. Eigene Aktien kaufte Target in diesem Quartal nicht zurück. Die Aktie legte seit Jahresbeginn um knapp 60 % zu. Dadurch sank die Dividendenrendite von etwa 5 % auf rund 3 %, der Index-Effekt im Kleinen. Das größte Risiko: Der Sondereffekt der Zollerstattungen fällt weg, und Kleidung und Wohnen hinken hinterher.

Für 2025 zahlte die Münchener Rück 24 Euro Dividende je Aktie, 20 % mehr als im Vorjahr, und kauft bis zur Hauptversammlung 2027 eigene Aktien für bis zu 2,25 Mrd. Euro zurück. Zusammen fließen damit rund 5,3 Mrd. Euro an die Aktionäre, fast 90 % des Gewinns 2025. Bis 2030 will der Konzern jährlich mehr als 80 % ausschütten. Die Dividende wurde seit über 25 Jahren nicht gekürzt. Im dritten Quartal verdiente Münchener Rück vorläufig rund 1,7 Mrd. Euro, erwartet waren 1,48 Mrd. Euro, das Jahresziel stieg von 6,3 auf 6,6 Mrd. Euro.

Auffällig: Für das vierte Quartal bleiben rechnerisch nur 0,9 Mrd. Euro, weniger als in jedem Quartal zuvor. Das Ziel lässt also Puffer für Großschäden im Versicherungsbereich. Zurzeit ergibt die Dividende rund 4,3 %, der Rückkauf gut 3 % des Börsenwerts. Auf Jahressicht liegt die Aktie nur 2,5 % im Plus. Das größte Risiko: Die Preise in der Rückversicherung sinken, bei den Erneuerungen im Januar um 2,5 %, bei Naturkatastrophen um rund 6 %.

Merke: Die niedrige Dividendenrendite im S&P 500 zeigt nicht, dass US-Konzerne weniger verdienen, sondern wohin das Geld fließt: in hohe Kurse, in Rückkäufe und zunehmend in Rechenzentren.

Dividenden sind die stabilste Größe, Rückkäufe die beweglichste. Wird Geld knapp, fallen zuerst die Rückkäufe, wie Alphabet, Meta und Target zeigen. Entscheidend ist deshalb, ob die Milliardeninvestitionen Rendite bringen. Gelingt das nicht, schrumpft die versteckte Hälfte der Ausschüttung weiter.

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