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Chinas Tech-Konzerne wachsen, aber ihre Aktien fallen. Genau diesen Gegensatz nehmen wir uns heute vor. Im Mittelpunkt steht Alibaba. Wir schauen uns an, was die Börse für den Konzern zahlt und warum dabei die Politik derzeit eine größere Rolle spielt als die Bilanz.

Danach geht es um weitere Aktien, aber mit vollkommen unterschiedlichen Strategien. Eine davon macht beim KI-Wettrüsten gar nicht mit. Viel Spaß beim Lesen!

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Seit dem Wochenende heißt dein Broker Finanzen invest. Login, Depot, Sparpläne und Konditionen bleiben, wie du sie kennst. Auch „Aktien zum Frühstück“ kommt weiter zu dir, im Absender steht jetzt „Aktien zum Frühstück, Finanzen invest“. Vorab ein Hinweis: Ab dem 10. November macht dieser Newsletter ein paar Wochen Pause. Am 7. Dezember geht es dann weiter.

Wunschanalyse

Alibabas Cloud wächst so schnell wie seit Jahren nicht mehr

Trotzdem hat die Aktie in zwölf Monaten fast 40 % verloren: Die Börse bewertet derzeit anscheinend weniger das operative Geschäft als die potenziellen Risiken. Wer verstehen will, warum Chinas KI-Champions so niedrig bewertet sind, muss diese Risiken auseinandernehmen.

Zuerst die Zahlen: Im Quartal von April bis Juni steigerte Alibabas Sparte für KI-Cloud und Rechenleistung ihren Umsatz um 45 % auf 48,4 Mrd. Yuan, umgerechnet gut 7,1 Mrd. US-Dollar. Ihr bereinigtes operatives Ergebnis (EBITA, also das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf Übernahmen) hat sich auf 5,6 Mrd. Yuan mehr als verdoppelt. Die Marge stieg damit von gut 7 % auf knapp 12 %. Die Cloud wächst also nicht nur, sie verdient auch an jedem umgesetzten Yuan mehr.

KI-Produkte im engeren Sinn, also Rechenleistung, Zugänge zu Sprachmodellen und Anwendungen, stehen bereits für 35 % des Cloud-Umsatzes mit externen Kunden. Seit zwölf Quartalen wachsen sie dreistellig. Die Nachfrage übersteigt das Angebot: Im April erhöhte Alibaba die Preise für Rechenleistung auf seinen eigenen Zhenwu-Chips um 5 bis 34 %. Laut Medienberichten haben Alibaba, Tencent und Bytedance zudem mehr als drei Millionen Grafikkarten bei Nvidia bestellt, von denen womöglich nur ein Bruchteil geliefert wird. Eigene Chips werden in China damit zur Versorgungsfrage. Die Prozessoren der Alibaba-Tochter T-Head nutzen über die Cloud bereits mehr als 650 externe Kunden aus über 20 Branchen.

Den Preis für dieses Wachstum finden wir in der Kapitalflussrechnung. Alibaba investierte im Quartal 67,7 Mrd. Yuan, 75 % mehr als ein Jahr zuvor. Der Free Cashflow, also das Geld, das nach allen Investitionen übrig bleibt, lag bei -44,7 Mrd. Yuan. Von einem auf drei Jahre angelegten Investitionsprogramm über 380 Mrd. Yuan ist nach gut einem Jahr bereits die Hälfte ausgegeben.

Im August holte sich Alibaba deshalb per Kapitalerhöhung in Hongkong 80 Mrd. Hongkong-Dollar, rund 10 Mrd. US-Dollar. Für bisherige Aktionäre bedeutet das 3,7 % Verwässerung. Gleichzeitig kaufte der Konzern im Quartal nur noch für 162 Mio. US-Dollar eigene Aktien zurück. Das ist Risiko Nummer eins: der Kapitalbedarf und die Frage, ob die Kapitalerhöhung die letzte war.

Risiko Nummer zwei sitzt in Peking. Am 22. Oktober bestellte die Marktaufsicht Alibaba, JD.com und weitere Plattformen ein und mahnte bessere Produktqualität an, vor allem beim Live-Shopping und bei der Sofortlieferung. Strafen verhängte sie nicht, die Aktie verlor in Hongkong trotzdem 5,9 %. Der Preiskampf um Lieferungen binnen Minuten kostet Alibaba ohnehin Geld: Die Gewinnschwelle soll dieser Geschäftsbereich erst im Geschäftsjahr bis März 2029 erreichen.

Risiko Nummer drei kommt aus Washington. Im Juni setzte das Pentagon Alibaba und Baidu auf seine Liste chinesischer Unternehmen, die sogenannte 1260H-Liste. Die direkten Folgen: Aufträge des US-Verteidigungsministeriums fallen weg, ab Mitte 2027 auch Käufe über Zwischenhändler. Ein Bundesgericht in Kalifornien hat Ende Oktober zudem eine Nebenwirkung der Einstufung vorläufig gestoppt. Die Einstufung selbst bleibt bestehen.

Was einige große Anleger nun fürchten, ist ein möglicher nächster Schritt: das Investitionsverbot durch das US-Finanzministerium. Dafür bräuchte es eine eigene Sanktion, die bisher nicht vorliegt. Tencent steht seit Anfang 2025 auf derselben Liste, ein Verbot folgte indes nicht. Ausschließen lässt sich das Szenario aber kaum. 2021 mussten US-Investoren Aktien chinesischer Telekomkonzerne verkaufen, und Indexanbieter strichen die Titel aus ihren Indizes.

Genau hier steckt ein weiterer Punkt, den viele noch unterschätzen. Ein US-Verbot bindet zwar nur US-Personen. Fliegen die Aktien aber aus großen Schwellenländer-Indizes, müssen auch ETFs verkaufen, die in deutschen Sparplänen stecken. Hinzu kommt Gegenwind in Europa: Die EU-Kommission verhängte im Juli gegen AliExpress eine Strafe von 550 Mio. Euro wegen gefälschter und unsicherer Produkte, die bisher höchste nach dem europäischen Plattformgesetz. Seit dem 1. Juli fallen außerdem 3 Euro Zoll je Warenkategorie auf Pakete unter 150 Euro aus Drittstaaten an.

Wie bewertet die Börse das alles zurzeit? Setzt man für Alibabas Handelsgeschäft denselben Maßstab an wie für die Konkurrenten PDD und JD.com, also rund das Siebenfache des Gewinns, und zieht die Nettokasse sowie die Hälfte des Buchwerts der Beteiligungen wie Ant Group ab, bleiben für die Cloud knapp 70 Mrd. US-Dollar. Das entspricht etwa dem 3,3-Fachen ihres Jahresumsatzes mit externen Kunden. Der US-Spezialist CoreWeave wird mit rund dem Sechsfachen bewertet.

Also: Schöne Chance oder berechtigter Abschlag? Beides ließe sich vertreten. Die Rechnung oben lässt Verluste in kleineren Sparten außen vor und unterstellt, dass die Cloud ohne weitere Kapitalerhöhungen auskommt. Darauf setzt der Markt im Moment nicht. Was er womöglich unterschätzt: Laut Management könnte sich die Cloud schon heute selbst finanzieren, wenn sie langsamer als 33 % wüchse. Die hohen Investitionen sind also eher eine Entscheidung pro Tempo.

Peers

Viele Wege führen nach Peking

Alle folgenden Aktien haben auf Jahressicht zwischen einem Drittel und gut 40 % verloren, obwohl ihre Strategien kaum unterschiedlicher sein könnten. Tencent nutzt KI vor allem im eigenen Ökosystem, Baidu wettet mit eigenen Chips auf den Umbau, und PDD hält sich aus dem Wettrüsten weitgehend heraus.

Tencent verdient mit KI vor allem indirekt. Die Werbe-Erlöse stiegen im zweiten Quartal um 22 % auf 43,6 Mrd. Yuan, weil KI-Modelle Anzeigen in Weixin, Chinas Messenger mit 1,44 Mrd. Nutzern, präziser ausspielen. Der Konzernumsatz wuchs um 11 % auf 204,8 Mrd. Yuan, der bereinigte operative Gewinn um 9 %. Ohne die neuen KI-Produkte wären es 19 % gewesen. Diese kosteten also rund 10,5 Mrd. Yuan operatives Ergebnis in einem Quartal.

Die Investitionen stiegen um 176 % auf 52,8 Mrd. Yuan, der Free Cashflow drehte auf -13,8 Mrd. Yuan. Die Nettokasse schrumpfte binnen drei Monaten von 146,9 auf 58,2 Mrd. Yuan. Die Aktie notiert derzeit knapp über dem Jahrestief und rund 40 % unter dem Vorjahr. Bemerkenswert: Tencent mietet rund 100.000 Hochleistungschips beim US-Anbieter Oracle außerhalb Chinas, weil diese Chips im Land selbst nicht erhältlich sind. Das Risiko: Die KI-Kosten wachsen schneller als die Erlöse, die sie erzeugen.

Bei Baidu ist KI vielleicht eher ein Rettungsanker. Die KI-Sparten erwirtschafteten im zweiten Quartal 12,5 Mrd. Yuan, 25 % mehr als im Vorjahr und die Hälfte des Kerngeschäfts. Die Cloud-Infrastruktur wuchs um 50 %, die Vermietung von Grafikprozessoren sogar um 283 %. Gleichzeitig brach die klassische Werbung um 19 % ein, der Konzernumsatz sank um 4 %. Der bereinigte Nettogewinn fiel von 4,8 auf 2,6 Mrd. Yuan.

Auffällig ist die Bilanz: Barmittel und kurzfristige Anlagen übersteigen die Finanzschulden um rund 8 Mrd. US-Dollar. Mit langfristigen Festgeldern sind es knapp 19 Mrd., gut 70 % des Börsenwerts von rund 26,5 Mrd. US-Dollar. Die Chiptochter Kunlunxin soll zudem an die Börse in Hongkong. Und: Baidus Robotaxi-Sparte testet in der Schweiz mit PostAuto. Das größte Risiko: Die Werbung schrumpft schneller, als die KI nachwächst.

PDD, Mutter-Holding von Pinduoduo und Temu, ist ein ganz anderer Fall. Der Konzern investiert kaum in Rechenzentren und steht nicht auf der Pentagon-Liste. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 8 % auf 112,4 Mrd. Yuan, der operative Gewinn ebenfalls um 8 %. Der Nettogewinn fiel um 12 %, auch weil PDD mehr für Händlerförderung und Lieferketten ausgab.

Bemerkenswert: Die Barmittel von 67,3 Mrd. US-Dollar entsprechen rund 60 % des Börsenwerts. Das größte Risiko liegt in Europa. Temu musste wegen Verstößen gegen das EU-Plattformgesetz 200 Mio. Euro zahlen, und der neue Paketzoll trifft das Geschäftsmodell direkt.

Mata ne – bis zum 7. Dezember

Vom 10. November bis 4. Dezember sind wir auf Research-Reise durch Japan. Wir treffen Experten, Geschäftsführer und Investoren zu Interviews und schauen uns vor Ort an, welche Trends, Geschäftsmodelle und Chancen das Land gerade prägen.

In dieser Zeit pausiert der Newsletter: keine Aktien, keine ETFs. Dafür Sushi, Shinkansen, viele Gespräche und jede Menge Eindrücke aus Tokio, Osaka, Nagoya, Fukuoka, Nagasaki und Hiroshima.

Am 7. Dezember sind wir zurück mit neuen Geschichten, Analysen und Investmentideen, die zeigen, warum sich der Blick nach Osten lohnen könnte. Also: Bleib neugierig und halte dein Depot offen für Neues.

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