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kennst du das Gefühl, jeden Monat für ein Abo zu zahlen und dich zu fragen, wofür eigentlich? Ein Entwickler hatte genau dieses Gefühl. Statt sich zu ärgern, hat er mit KI einfach nachgebaut, wofür er bezahlen sollte. Kostenlos, für alle.

Das klingt nach einer netten Nerd-Geschichte. Für alle Anleger steckt darin aber eine spannende Frage: Was ist Software noch wert, wenn sich Code plötzlich fast von selbst schreibt? Die Börse ringt gerade sichtbar mit der Antwort, manchmal sogar im Tagesrhythmus. Heute schauen wir, warum manche Software-Firmen kaum zu kopieren sind und andere zittern müssen. Viel Spaß beim Lesen!

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KI-Chancen

🧩 Code kostet fast nichts mehr

Künstliche Intelligenz macht das Nachbauen von Software so billig wie nie, und damit verliert der Programmcode seine Rolle als Burggraben der Softwarekonzerne. Das ist derzeit die These vieler Analysten. Wie ernst du sie nehmen solltest, hat Anfang Oktober ein einzelner Entwickler vorgeführt.

Brandon Thomas, seit 15 Jahren in der Branche, veröffentlichte sieben kostenlose Programme, die Photoshop, Illustrator, Premiere, Lightroom, After Effects, InDesign und Acrobat nachbilden. Geschrieben hat er sie in der Programmiersprache Rust, zum großen Teil mithilfe von Claude Opus 5.5, dem KI-Modell von Anthropic. Sein erklärtes Motiv: Adobe hatte ihm mehrfach Kündigungsgebühren berechnet. Allein der Photoshop-Nachbau sammelte bis zum 19. Oktober auf der Entwicklerplattform GitHub rund 67.500 Sterne. Das ist eine Art Like-Zähler für Programmierer.

Die Programme stecken allesamt noch in einer recht frühen Testphase. Der eigene Fahrplan des Projekts sieht den Photoshop-Ersatz bei rund 45 % Einsatzreife. Ein Praxistest eines britischen Designmagazins zeigt, was das heißt: Der Lightroom-Ersatz liest manche Kamera-Rohdateien nicht, der Premiere-Ersatz kann keine Premiere-Projekte öffnen. Interessanter als der Stand ist jedoch das Tempo. Schon am 7. Oktober legte das Team weitere Projekte an, die Word, Excel, PowerPoint und ein AutoCAD-ähnliches Konstruktionsprogramm nachbauen sollen.

Die Mechanik dahinter heißt Clean-Room-Nachbau. Dabei wird kein Code kopiert, sondern Verhalten nachgebildet: Man beobachtet, was ein Programm tut, liest öffentliche Spezifikationen wie das Photoshop-Dateiformat und schreibt die Funktion neu. Früher brauchte das ganze Teams und Jahre, heute übernimmt eine KI einen großen Teil dieser Fleißarbeit. Rechtlich ist das aber kein Freibrief. In Deutschland erlaubt das Urheberrecht ausdrücklich, die Funktionsweise eines Programms zu beobachten und zu testen. Das Zurückübersetzen des Maschinencodes in lesbaren Quelltext ist dagegen nur in engen Grenzen zulässig, etwa um Programme miteinander kompatibel zu machen. Heikler sind Patente und das Kopieren einer unverwechselbaren Benutzeroberfläche.

Warum das trotzdem kein Grund zur Panik ist? Weil die letzten Prozent die teuersten sind. Profis zahlen nicht für einen Pinsel, sondern für Farbmanagement, das in der Druckerei exakt so ankommt wie geplant, für Hunderte Erweiterungen, für Vorlagen und Dateien, die jede Agentur öffnen kann. Eine Werbeagentur wechselt das Werkzeug erst, wenn der Nachbau nachweislich genauso zuverlässig läuft. Für Einzelkämpfer, Studierende und kleine Firmen kann ein ordentlicher Nachbau dagegen bald reichen. Und genau diese Kundschaft ist bei Adobe das Wachstumsreservoir.

Wer verliert? Zuerst die Preismacht. Adobe zahlte im März 150 Mio. US-Dollar, um einen Rechtsstreit mit US-Behörden über versteckte Kündigungsgebühren beizulegen, und verzichtet derzeit auf Preiserhöhungen bei der Creative Cloud. Wenn ein Nachbau in Reichweite ist, wird jede Abo-Erhöhung zum Kündigungsanlass. Wer gewinnt? Die Anbieter von KI-Modellen, die Betreiber von Rechenzentren und natürlich gerade solche Softwarehäuser, deren Kunden nicht für Code bezahlen, sondern für eingespielte Arbeitsabläufe, Branchendaten und Dateiformate, auf denen ganze Wertschöpfungsketten aufbauen.

Die Branche wächst trotz allem kräftig. Das Marktforschungshaus Gartner erwartet für 2026 weltweite Softwareausgaben von 1,44 Bio. US-Dollar, ein Plus von 15,1 %. In Deutschland rechnet der Digitalverband Bitkom mit einem Software-Umsatz von 58,1 Mrd. Euro, 9,9 % mehr als im Vorjahr. Die Umsätze mit KI-Plattformen sollen um 75,8 % auf 3,1 Mrd. Euro steigen. Das Geld fließt also weiter in Software. Offen ist nur, zu wem.

Die Börse hat diese Frage im Februar ziemlich brutal in Zahlen gegossen. Nachdem Anthropic neue KI-Agenten für Büroarbeit vorgestellt hatte, verloren Software-Aktien am 3. Februar an einem einzigen Tag rund 285 Mrd. US-Dollar an Börsenwert, im gesamten Ausverkauf rund 1 Bio. US-Dollar. Seit dem Tief Mitte April hat sich der breite US-Softwaresektor um rund 40 % erholt und liegt seit Jahresbeginn knapp 5 % im Plus. Wie schnell sich die Stimmung inzwischen dreht, zeigte der 22. Oktober. Schwache Zahlen der Techies nährten Zweifel, ob sich die gewaltigen KI-Investitionen auszahlen, der Nasdaq 100 fiel um mehr als 2,5 %. Anleger flüchteten aus hoch verschuldeten KI-Infrastrukturwerten, aber ausgerechnet in etablierte Software. Adobe sprang an diesem Tag um 6 % nach oben.

Ein Freispruch ist das sicherlich nicht. Adobe liegt seit Jahresbeginn immer noch rund 21 % im Minus, obwohl der Umsatz zuletzt um 13 % gewachsen ist. Der Markt sortiert also: Er glaubt nicht mehr an „Software stirbt”, sondern an „bestimmte Software verliert ihre Preismacht”. In den Zahlen ist das bislang eher eine Vorwegnahme als eine Bestätigung.

Was Mr. Markt womöglich gerade übersieht, steckt in den Kosten. KI macht Software billiger zu bauen, aber teurer zu betreiben. Bei Figma stiegen die Kosten für die Bereitstellung der Produkte im zweiten Quartal um 117 %, der Umsatz jedoch nur um 48 %. Der Konkurrent Canva hat seine Wachstumsprognose für 2026 wegen steigender KI-Kosten von 30 auf 20 % gesenkt.

Für deine eigene Analyse heißt das: Schau vielleicht eher weniger auf das Umsatzwachstum und mehr auf drei Kennzahlen:

1. Wie viel neuer wiederkehrender Umsatz kommt hinzu?

2. Hält die Bruttomarge, also der Anteil des Umsatzes, der nach den direkten Kosten übrig bleibt?

3. Und wie lange binden sich Kunden vertraglich?

Gleich wenden wir diese Fragen auf ein paar konkrete Aktien an, die das Thema aus ganz unterschiedlichen Richtungen abbilden.

Aktien

🔍 Wer den Nachbau fürchten muss und wer nicht

Adobe ist der Konzern, gegen den sich der Nachbau direkt richtet. Rund zwei Drittel des Umsatzes stammen hier aus Abos von Kreativ- und Marketingprofis, also genau aus Photoshop, Premiere und Co. Im dritten Geschäftsquartal bis Ende August stieg der Umsatz um 13 % auf 6,76 Mrd. US-Dollar, der jährlich wiederkehrende Umsatz erreichte 27,5 Mrd. US-Dollar. Bereinigt um Sondereffekte wie Aktienvergütungen verdiente Adobe 6,13 US-Dollar je Aktie, nach offiziellen Bilanzregeln 4,62 US-Dollar.

Die Zahl, über die der Markt streitet, steht aber nicht in der Pressemitteilung. Nach Berechnungen von Analysten fiel der neu hinzugewonnene wiederkehrende Umsatz um gut ein Drittel gegenüber dem Vorjahr. Adobe begründet das mit seiner Freemium-Strategie: Kostenlose Einstiegsversionen sollen erst Nutzer bringen und später Zahler. Die Zahl der monatlichen Nutzer hat eine Milliarde überschritten, das KI-Geschäft wuchs um mehr als 150 %. Aber von welcher Basis aus? Das verrät Adobe nicht.

Figma ist der Herausforderer, der selbst KI-nativ denkt. Die browserbasierte Designplattform für App- und Weboberflächen wuchs im zweiten Quartal um 48 % auf 370 Mio. US-Dollar. Es war das dritte Quartal in Folge mit Beschleunigung. Kunden mit mehr als 10.000 US-Dollar Jahresumsatz gaben im Schnitt 36 % mehr aus als vor einem Jahr. Firmenchef Dylan Field sieht Code auf dem Weg zur Massenware. Der Wert wandere eine Ebene höher, zu Design und Zusammenarbeit.

Der Haken jedoch liegt in den Kosten. Die Kosten für die Bereitstellung der Produkte stiegen um 117 %, auch weil Figma die Rechenleistung für KI-Funktionen in der Testphase selbst bezahlt. Mitte Oktober räumte die Finanzchefin ein, dass Figma womöglich nie zu seinen früheren Spitzenmargen zurückkehrt. Nach offiziellen Regeln lag die operative Marge bei -32 %.

Autodesk zeigt, wie ein Burggraben jenseits des Codes aussieht. AutoCAD und Revit sind in Architektur, Bau und Maschinenbau Standard, weil Planer, Statiker und Baufirmen dieselben Dateien austauschen. Im zweiten Geschäftsquartal bis Ende Juli wuchs der Umsatz um 16 % auf 2,05 Mrd. US-Dollar, das operative Ergebnis um 35 % und der Free Cashflow um 24 % auf 561 Mio. US-Dollar. Das Management hob die Jahresprognose auf 8,30 bis 8,35 Mrd. US-Dollar Umsatz an.

Ein Detail jenseits der Standardzahlen trübt allerdings das recht ansehnliche Bild: Die vertraglich vereinbarten, aber noch nicht verbuchten Umsätze stiegen nur um 2 % auf 7,43 Mrd. US-Dollar, weil Kunden seltener lange Mehrjahresverträge abschließen.

Nemetschek ist der DACH-Titel in dieser spannenden Runde und gleichzeitig ein Lehrstück für beide Seiten des Themas. Der Münchner Konzern verdient sein Geld vor allem mit Bausoftware wie Graphisoft, Allplan und Bluebeam und erzielt 95 % des Umsatzes wiederkehrend. Im zweiten Quartal stieg der Umsatz um 13 % auf 327,7 Mio. Euro, währungsbereinigt um 14,5 %, der wiederkehrende Jahresumsatz wuchs auf 1,25 Mrd. Euro. Die Marge des operativen Ergebnisses vor Abschreibungen (EBITDA) lag bei 30,1 % und damit unter den Erwartungen.

Spannend für unser Thema ist die Mediensparte Maxon aus Bad Homburg, Hersteller der 3D-Software Cinema 4D. Ausgerechnet für diese Kreativsparte hat das Management die Wachstumserwartung für 2026 auf einen mittleren einstelligen Prozentsatz gesenkt, während die Bausoftware zweistellig wächst. Zudem verwässert der überwiegend mit Schulden finanzierte Kauf des US-Anbieters HCSS für 2,4 Mrd. US-Dollar die Marge um rund 1,5 Prozentpunkte.

Merke: KI zerlegt Software nicht, aber sie trennt Werkzeuge von Systemen. Ein Werkzeug, das ein Einzelner bedient, lässt sich nachbauen. Ein System, an dem Baustellen, Lieferketten und Freigabeprozesse hängen, kaum. Den ersten Preis zahlt nicht der Umsatz, sondern die Preismacht. Und die zeigt sich in Neugeschäft, Bruttomarge und Vertragslaufzeiten, lange bevor sie im Gewinn auftaucht. Die spannendste Frage ist deshalb nicht, ob ein Nachbau jemals Photoshop erreicht. Sondern wie viele Kunden das Original gar nicht mehr brauchen, weil ihnen 80 % genügen.

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🌍 Geopolitik, Öl, Gold & Krypto: Dein Markt-Check zum Jahresende

2026 lässt dich an der Börse kaum durchatmen. Wie stabil sind die Kurse wirklich? Am Donnerstag, 29. Oktober, um 18 Uhr machen Andreas Lipkow, Chief Market Analyst bei CMC Markets, und Zertifikate-Experte Danny Treffer den großen Markt-Check. Sie klären, was die Geopolitik für die Börsen bedeutet und welche Signale die Berichtssaison sendet.

Danach geht es um Öl und Gas und darum, was Preissprünge für Konjunktur und Unternehmen heißen. Dazu kommen die Jahresbilanz von Gold und Silber und ein Blick auf den Kryptomarkt. Und deine Fragen kommen natürlich auch nicht zu kurz.

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