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manche Bauteile sind so unauffällig, dass niemand über sie redet. Bis sie plötzlich alles bestimmen. Genau das passiert gerade in einer Branche, die jahrelang als langweilig galt: Speicherchips. 

Rekordmargen, Kredite in Milliardenhöhe, Hersteller, die ihre eigenen Kunden aussortieren. Und dann das Paradox: Die Zahlen waren nie besser, die Kurse sind im Sommer trotzdem eingebrochen. 

Wir haben die Kursdaten und die Quartalszahlen zusammengelegt. Am Ende steht eine Frage, die vielleicht über deine nächsten Monate in diesem Segment entscheiden könnte. Viel Vergnügen beim Lesen!

Marktlage

💾 Der Chip, der plötzlich die Rechnungen dominiert

Du kaufst keinen Speicher, du bekommst ihn zugeteilt. So fühlt sich der Markt 2026 an. Was jahrelang das billigste Bauteil im Rechner war, ist zum Nadelöhr der KI-Wirtschaft geworden. Und anders als bei Grafikkarten redet darüber kaum jemand, obwohl in diesem Segment gerade Margen entstehen, die es in der Halbleitergeschichte praktisch nie gab. Fangen wir mit einer Zahl an, die bereits vieles erklären kann.

Die Vertragspreise für NAND-Flash, also die Preise, die Großkunden für ein Quartal fest aushandeln (im Gegensatz zum tagesaktuellen Spotmarkt), stiegen im ersten Quartal 2026 um rund 60 % gegenüber dem Vorquartal. Im zweiten Quartal kamen 70 bis 75 % obendrauf. NAND überholte damit erstmals in diesem Zyklus sogar DRAM, den Arbeitsspeicher. Zur Einordnung: Selbst in den heißesten Phasen früherer Speicherzyklen waren zweistellige Quartalsaufschläge die Ausnahme.

Was das mit den Bilanzen macht, erscheint verblüffend. Der kombinierte Umsatz der fünf größten NAND-Hersteller sprang im ersten Quartal um 83,7 % auf über 38,9 Milliarden Dollar. Rechnet man alle Anbieter zusammen, kommen Marktforscher auf rund 46 Milliarden Dollar. Und das in einem einzigen Quartal. Das ist mehr, als die gesamte NAND-Branche im kompletten Jahr 2023 erwirtschaftet hat. Ein Quartal schlägt ein ganzes Jahr.

Die Rangordnung hat sich längst verschoben. Samsung führt mit rund 30 % Marktanteil, SK hynix folgt inklusive der Tochter Solidigm mit knapp 18 %. Spannend ist Platz drei: Der chinesische Hersteller YMTC kam im ersten Quartal auf 13,9 % und damit 5 Prozentpunkte mehr als ein Jahr zuvor. Damit liegt ein Konzern, den westliche Sanktionen ausbremsen sollten, auf Augenhöhe mit Kioxia, Micron und Sandisk, die jeweils bei etwa 14 % stehen.

Der Treiber ist natürlich auch hier die KI. Enterprise-SSDs, also die Hochleistungslaufwerke in Servern, machten bereits 43 % der Verkäufe aus. Bis Jahresende sollen es 60 % werden. Der Grund liegt in der Art, wie KI heute arbeitet. Jede Anfrage an ein Modell erzeugt Daten, die gespeichert, wiedergefunden und in Millisekunden ausgeliefert werden müssen. Inferenz, also der laufende Betrieb eines Modells, nicht sein Training, ist ein Speicherproblem, nicht nur ein Rechenproblem.

Für Endkunden hat das eine unangenehme Folge: Der Einzelhandel ist als Abnehmer praktisch verschwunden. Ein hochrangiger Manager des Controller-Herstellers Silicon Motion sagte auf der Computex 2026, der Markt für SSDs im Einzelhandel sei fast vollständig weg. Die Hersteller priorisieren das margenstarke Rechenzentrumsgeschäft, das 70 bis 80 % der gesamten NAND-Zuteilung erhält. Für 2027 rechnet er mit einer weiteren Verschärfung.

Sandisk hat sein Geschäftsjahr im Juli abgeschlossen und dabei im Rechenzentrumssegment ein Plus von 103 % gegenüber dem Vorquartal gemeldet. Im gleichen Zeitraum fiel das Konsumentengeschäft um 32 %. Ganz einfach, weil kaum noch Ware dorthin geliefert wird.

Selbst große PC-Hersteller stehen jetzt in der zweiten Reihe. Dell, HP und Lenovo beziehen nach Branchenangaben nicht mehr genügend Speicher direkt von den Flash-Produzenten und weichen auf Modulhersteller aus, also auf jene Firmen, die früher den Nachrüstmarkt bedient haben. Parallel schrauben die Konzerne die Speicherausstattung ihrer Notebooks nach unten, um die Stücklistenkosten zu halten.

Die Modulhersteller wiederum finanzieren ihre Einkäufe mit Fremdkapital. Fünf taiwanische Anbieter haben gemeinsam Kredite im zweistelligen Millionenbereich aufgenommen, nur um Chips vorfinanzieren zu können. Der chinesische SSD-Hersteller Biwin ging deutlich weiter und zeichnete einen Zweijahresvertrag über 1,5 Milliarden Euro für NAND-Flash. Das ist mehr als sein kompletter Jahresumsatz 2025. Denn dieser lag bei umgerechnet gut 1,3 Milliarden Euro. Im März kam ein weiterer Liefervertrag über 1,3 Milliarden Euro hinzu.

Betroffen ist nicht nur der moderne 3D-NAND. Bei NOR-Flash, der wegen seiner Zuverlässigkeit in Autos und Medizintechnik steckt, verdoppelten sich die Vertragspreise im ersten Halbjahr. Bei SLC-NAND, das nur ein Bit pro Zelle speichert und dafür extrem langlebig ist, lag der Anstieg bei 130 bis 150 Prozent. Der Mechanismus ist oft derselbe: Wer Kapazität auf HBM und moderne Lagen umschichtet, lässt reifere Fertigungslinien leerlaufen.

Und jetzt der Punkt, der diesen Zyklus von früheren unterscheidet: Es kommt kurzfristig kaum neues Angebot. Für 2026 rechnen Marktforscher praktisch nicht mit zusätzlichen Fabrikkapazitäten. Der Vorstand von SK hynix hat auf der Computex 2026 erklärt, warum: Der Bau einer neuen Fab erfordert massive Investitionen und dauert mindestens 3 Jahre. Seine Prognose zum Engpass reicht bis 2030. Die eigene Wafer-Kapazität soll sich binnen 5 Jahren verdoppeln und bis 2034 verdreifachen, der neue Standort südlich von Seoul ab 2027 liefern.

Und es wird weiter wie verrückt geliefert. Kioxia und Sandisk bringen bis spätestens März 2027 einen Flash mit 332 Speicherlagen und bis zu 37,6 Gigabit pro Quadratmillimeter. SK hynix setzt bei seiner zehnten Generation auf 375 Lagen und tauscht dafür teilweise Wolfram gegen Molybdän in den Wortleitungen, weil bei immer schmaleren Strukturen der elektrische Widerstand die Signalqualität ruiniert. Samsung hat einen Prototyp mit 900 Lagen gezeigt, zwei Chips mit je 450 Lagen.

Auch die Controller ziehen an. Das sind jene Chips, die das Zusammenspiel von Speicherzellen und Rechner organisieren. Auf der Computex 2026 zeigten mehrere Hersteller PCIe-6.0-Modelle mit bis zu 28 Gigabyte pro Sekunde und knapp 7 Millionen Ein- und Ausgabeoperationen pro Sekunde. Erste Server-SSDs mit diesen Chips kommen ab Mitte 2027. Auf dem Desktop wird PCIe 6.0 frühestens 2029 oder 2030 ankommen. Auch hier gilt mal wieder: Rechenzentren bekommen die Technik zuerst.

Damit steht die Ausgangslage: extreme Knappheit, extreme Preise, extreme Gewinne. Was daraus für Aktien folgt, ist allerdings weniger eindeutig, als du vielleicht erwartest. Denn während die Hersteller Rekorde melden, hat die Börse im Sommer bereits angefangen, den Zyklus zu verkaufen. Darum geht es gleich.

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Blick in die Zahlen

💸 Rekordgewinne, Kursstürze und eine spannende Frage

Machen wir mit dem weiter, was operativ passiert ist, denn diese Zahlen sind fast kaum zu glauben. Micron meldete im dritten Geschäftsquartal 2026 einen Umsatz von 41,46 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal waren es noch 9,30 Milliarden. Der Nettogewinn lag bei 28,24 Milliarden Dollar. Für das laufende Quartal peilt das Management rund 50 Milliarden Dollar Umsatz und eine Bruttomarge von etwa 86 % an. HBM3E und HBM4 sind für den Rest des Kalenderjahres bereits komplett ausverkauft.

Sandisk liefert die noch drastischere Zahl. Im letzten Geschäftsquartal stieg die Bruttomarge auf 84,6 %. Das Entscheidende dabei: Die Umsatzkosten lagen mit 1,38 Milliarden Dollar sogar leicht unter dem Vorjahr, während der Umsatz auf fast das Fünffache kletterte. Über das Geschäftsjahr kamen 20,25 Milliarden Dollar Umsatz und 73,76 Dollar Gewinn je Aktie zusammen. Der Verwaltungsrat legt jetzt 14 Milliarden Dollar für Aktienrückkäufe zur Seite.

Auch spannend: SK hynix meldete Ende Juli mit 79,3 Billionen Won Umsatz und 60,5 Billionen Won operativem Gewinn Allzeithochs bei einer operativen Marge von 76 %. Und die Aktie fiel trotzdem um rund 9 %. Der Grund ist simpel: Analysten hatten la wieder mehr erwartet, unter anderem 84 Billionen Won Umsatz. Der südkoreanische Leitindex verlor an diesem Tag über 8 %. Ein Rekord ist also nicht mehr genug, wenn der Markt diesen bereits eingepreist hat.

Ein Detail, das du kennen solltest: Der ausgewiesene Nettogewinn von 93,9 Billionen Won übertrifft den operativen Gewinn deutlich. Der Grund sind rund 63 Billionen Won Bewertungsgewinne, die Analysten dem abgeschlossenen Verkauf der Kioxia-Beteiligung zurechnen. Solche Einmaleffekte sagen jedoch über die Ertragskraft im nächsten Quartal nichts aus. 

Kioxia zeigt dasselbe Muster: Der Umsatz stieg im ersten Geschäftsquartal um 415,5 %, der operative Gewinn auf 1,33 Billionen Yen bei 75 % Marge. Das ist mehr als im gesamten Vorjahr. Weil die Halbjahresprognose aber auch hier unter den Erwartungen lag, brach die Aktie an einem Tag um fast 11 % ein und notierte damit gut 61 % unter ihrem Junihoch. Seit Jahresanfang stand sie da trotzdem noch mehr als 300 % im Plus. Der Vorstand kontert nun wohl mit einem geplanten Rückkauf über bis zu 800 Milliarden Yen, einem Aktiensplit im Oktober und einer womöglich recht spannenden Dividende ab dem Geschäftsjahr 2028.

Vielleicht viel wichtiger als all die ganzen Geschäftszahlen ist aber eher diese Prognose: Für das dritte Quartal 2026 erwarten Marktforscher bei NAND nur noch 10 bis 15 % Preisaufschlag und bei DRAM 13 bis 18 %. Interessant ist der Widerspruch dazu: Der Chairman von Adata berichtete von Herstelleransagen über +35 bis +40 % bei NAND. 

Damit sind wir schon bei der Frage, die in diesem Sektor alles entscheiden könnte: Wie viel des Gewinns kommt aus Preis, wie viel aus Menge? Sandisk beantwortet sie so: Rund zwei Drittel des sequenziellen Wachstums stammten zuletzt aus höheren Preisen, ein Drittel aus gesteigertem Volumen. 

Micron hebt die Investitionen dieses Geschäftsjahr auf rund 27 Milliarden Dollar und plant 2027 über 45 Milliarden, inklusive eines Projekts in New York mit ersten Wafern um 2030. SK hynix steckt 54 Billionen Won in zwei neue Standorte und plant für 2026 Investitionen im hohen 40-Billionen-Won-Bereich. 

Ganz schön kompliziert, oder? Wer all diese ganze Knappheit spielen will, ohne auf die Preiskurve zu wetten, landet zwangsläufig bei den Zulieferern. ASML hat im ersten Quartal 2026 erstmals mehr EUV-Umsatz mit Speicherherstellern gemacht als mit Logik-Foundries. Von 92 bis 2028 ausgelieferten Systemen sollen 44 an DRAM-Hersteller gehen. 

Auch ein paar Nebenschauplätze lohnen einen genaueren Blick. Weil Flash knapp ist, gewinnt die klassische Festplatte als Massenspeicher wieder an Bedeutung. Das könnte gut für Seagate und Western Digital enden. Und auch Intel hat eine mögliche Rückkehr ins Speichergeschäft angedeutet. 

Unterm Strich steht fest: Die Knappheit hält an, aber das Preistempo nimmt bereits etwas ab. Genau in dieser Lücke entscheidet sich womöglich die Aktienstory. Beobachten solltest du vielleicht vier Dinge: die Quartalsvertragspreise, das Verhältnis von Bit-Wachstum zu Durchschnittspreis, jede neue Investitionsankündigung und wie schnell China hochfährt. Für alles gilt: Das ist ein Zyklus. Wer ihn wie einen steten Wachstumsmarkt bepreist, könnte am Ende eher falsch liegen.

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