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hast du eine Zahl im Kopf, wie viel Rendite Aktien langfristig bringen? Vermutlich dieselbe wie fast alle. Und vermutlich ist sie zu vorsichtig.
Wir haben uns mir eine Auswertung von 100 Jahren US-Börsengeschichte angeschaut, vom besten bis zum schlimmsten Einstiegszeitpunkt. Was dabei herauskommt, hat selbst uns überrascht.
Die schlimmsten Kaufzeitpunkte der Geschichte erzählen nämlich eine ganz andere Story, als du vermuten würdest. Wir haben die Zahlen für dich sortiert, eingeordnet und um das Kleingedruckte ergänzt, das gern unterschlagen wird. Viel Spaß beim Lesen!
Studie
🎯 100 Jahre US-Aktien: Warum 7 % zu pessimistisch sind
Wie viel Rendite darfst du von US-Aktien eigentlich erwarten? Eine Datenanalyse aus den USA hat dafür ein ganzes Jahrhundert ausgewertet: die Renditen des amerikanischen Aktienmarkts von 1926 bis 2025, inklusive wiederangelegter Dividenden und bereinigt um die Inflation. Das Ergebnis stellt eine der bekanntesten Faustregeln der Geldanlage infrage.
Die Ausgangsfrage der Auswertung ist so simpel wie clever: Was wäre passiert, wenn du zu einem zufälligen Zeitpunkt der vergangenen 100 Jahre eingestiegen wärst? Nicht am besten Tag, nicht am schlechtesten, sondern einfach irgendwann. Was durftest du dann realistischerweise für den nächsten Monat, das nächste Jahr oder das nächste Jahrzehnt erwarten?
Als Faustregel gilt: US-Aktien liefern langfristig rund 7 % pro Jahr, wohlgemerkt real, also nach Abzug der Inflation. Doch für ein einzelnes Jahr ist diese Zahl der Analyse zufolge zu konservativ. Der Erwartungswert für die 1-Jahres-Rendite liegt bei 9,15 %.
Wie passt das zusammen? Der Unterschied steckt in der Mathematik des Zinseszinses. Die 7 % sind eine geometrische Rendite, also das, was beim Aneinanderreihen vieler Jahre übrig bleibt. Die 9,15 % sind der arithmetische Durchschnitt aller Einzeljahre. Verluste wiegen beim Verketten schwerer: Ein Plus von 50 % gefolgt von einem Minus von 50 % ergibt im Schnitt nul, auf dem Konto aber ein Minus von 25 %. Diese Lücke zwischen Durchschnitt und Endergebnis nennt man Volatilitätsabzug.
Richtig spannend wird die Verteilung der Jahresrenditen. In 47 % aller 1-Jahres-Zeiträume lag das Plus über 10 %. In 26 % der Fälle sogar über 20 %. Jedes vierte Börsenjahr war also ein Ausnahmejahr. Die Kehrseite: Mit 17 % Wahrscheinlichkeit hättest du 10 % oder mehr verloren.
Je kürzer der Horizont, desto mehr regiert der Zufall. Über einen Monat beträgt die erwartete Rendite magere 0,68 %, über 3 Monate 2,17 %, bei jeweils enormer Streuung. Wer auf Wochensicht handelt, wirft im Grunde eine leicht gezinkte Münze. Der Vorteil des Aktienmarkts entfaltet sich erst mit der Zeit.
Ab 5 Jahren kippt aber das Bild. Die Verteilung bekommt eine positive Schiefe: Der rechte Rand mit den hohen Renditen wird fetter als der linke mit den Verlusten. In 26 % aller 5-Jahres-Zeiträume lag die annualisierte Rendite über 12 %, nur in 10 % der Fälle unter -4 % pro Jahr. Aktienmärkte trenden, aber nach oben deutlich häufiger als nach unten.
Bei 10 Jahren wird es für Langfristanleger richtig komfortabel. Die Wahrscheinlichkeit einer negativen realen Rendite sinkt auf 13 %. Und mit erwarteten 7 % pro Jahr verdoppelte sich das eingesetzte Kapital im Schnitt binnen einer Dekade, auch kaufkraftbereinigt, nicht nur nominal.
Vielleicht stutzt du: Warum liegen die 7 % unter den 9,15 Prozent von vorhin? Das ist derselbe Effekt in Grün. Sobald du Jahresrenditen aneinanderkettest, ziehen die schwachen Jahre das Ergebnis unter den Durchschnitt. Ein Plus von 10 % gefolgt von einem Minus von 10 % ergibt eben kein Nullsummenspiel, sondern 1 % Verlust.
Der stärkste Befund erwartet uns jedoch bei den 20-Jahres-Zeiträumen. Die annualisierte Rendite sinkt zwar leicht auf 6,93 %, was das Kapital über 2 Jahrzehnte etwa vervierfacht (Faktor 3,8). Aber: In den untersuchten 100 Jahren gab es keinen einzigen 20-Jahres-Zeitraum mit negativer realer Gesamtrendite. Nicht einen. Selbst wer 1929 auf dem Gipfel der Euphorie einstieg, stand zwei Jahrzehnte später im Plus.
Dehnt man den Blick bis 1871, findet sich genau eine Ausnahme: Juni 1901 bis Mai 1921, zwei Jahrzehnte mit Bankenpanik, Erstem Weltkrieg und Nachkriegsinflation. Eine einzige Verlustperiode in gut 150 Jahren Börsengeschichte ist eine bemerkenswerte Bilanz.
Aber Vorsicht: Diese Zahlen beschreiben die Vergangenheit eines außergewöhnlich erfolgreichen Marktes. Dass die USA das Jahrhundert der Aktienmärkte dominieren würden, wusste 1926 niemand im Voraus. Und sind die Bewertungen zum Einstiegszeitpunkt überdurchschnittlich hoch, fallen die Folgerenditen historisch tendenziell niedriger aus. Auch das gehört zur ganzen Wahrheit.
Trotzdem bleibt die Kernbotschaft aus 100 Jahren Daten bestehen: Kurzfristig ist die Börse ein Lotteriespiel mit leicht positivem Erwartungswert, langfristig eine Maschine mit erstaunlicher Trefferquote. Dein wichtigster Hebel ist also nicht das Timing, sondern die Haltedauer.
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💥 1929, 1973, 2000, 2007: Was die schlimmsten Einstiege lehren
Stell dir vor, du hättest deinen kompletten Einsatz im September 1929 in US-Aktien gesteckt, also wenige Wochen vor dem größten Crash der Geschichte. Oder im März 2000, auf dem Gipfel der Dotcom-Blase. Genau diese Albtraum-Szenarien wurden in der Auswertung durchgerechnet: die übelsten Einstiegszeitpunkte aus 100 Jahren Börsengeschichte, jeweils mit einem investierten Dollar. Die anderen beiden: Januar 1973 und Oktober 2007.
Die ersten Jahre waren durchweg verheerend. Der 1929-Investor sah seinen Dollar auf unter 25 Cent schrumpfen, ein realer Verlust von mehr als 75 %. Wer im Oktober 2007, kurz vor der globalen Finanzkrise, einstieg, hatte binnen 18 Monaten die Hälfte verloren. Nach jeweils einem Jahr lagen alle genannten Einstiege zwischen -19 und -38 %. Es gab kein Entkommen, keine geschickte Aktienauswahl hätte das Gesamtbild gedreht.
Noch zermürbender als die Tiefe war die Dauer. Der Investor von Januar 1973, der in Ölkrise und Stagflation hineinkaufte, also in die giftige Kombination aus stagnierender Wirtschaft und hoher Inflation, wartete real über ein Jahrzehnt auf die Gewinnzone. Dem Dotcom-Einsteiger von 2000 erging es genauso: erst der Technologie-Crash, dann 2008 gleich die nächste Jahrhundertkrise hinterher.
Und trotzdem: Jeder dieser Einstiege mit vollständiger 20-Jahres-Historie endete real im Plus. Wer die Nerven behielt und zwei Jahrzehnte durchhielt, wurde selbst für das katastrophalste Timing des Jahrhunderts entschädigt.
Doch bevor du jetzt daraus ein Perpetuum mobile ableitest, lohnt der Blick über den Atlantik hinaus. Japans Nikkei 225 erreichte sein Hoch im Dezember 1989 bei 38.957 Punkten und brauchte dann bis Februar 2024, um es zu übertreffen. 34 Jahre Durststrecke, Rekord für einen großen Aktienmarkt und ein Jahrzehnt länger, als die Wall Street nach 1929 benötigte. Zwischenzeitlich hatte der Index über 80 % verloren. Ausgerechnet starke Zahlen des US-Chipriesen Nvidia gaben am Rekordtag den letzten Schub.
Die wichtigste Lektion aus den Daten lautet: Rechne mit dem Unerwarteten und zwar in beide Richtungen. Verblüffend sind nämlich nicht nur die Crashs, sondern vor allem die Aufwärtsphasen. Selbst wer die Verteilungen kennt, unterschätzt regelmäßig, wie gut Aktienrenditen sein können. Jedes vierte Börsenjahr brachte mehr als 20 %.
Das Fundament darunter ist unspektakulär: Unternehmensgewinne. US-Firmen finden seit einem Jahrhundert Wege, ihre Erträge zu steigern – durch Technologie, Effizienz, neue Geschäftsmodelle. Steigende Gewinne sind das Fundament aller langfristigen Aktienrenditen, alles andere ist Rauschen.
Zur Wahrheit gehört natürlich auch die Gegenrechnung: Historische Wahrscheinlichkeiten sind keine Garantien. Die Stichprobe von 100 Jahren enthält genau eine Weltwirtschaftsordnung mit den USA als Gewinner. Dass es keinen negativen 20-Jahres-Zeitraum gab, heißt nur, dass er historisch unwahrscheinlich war, und nicht, dass er unmöglich ist.
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