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Hand aufs Herz: Wann hast du zuletzt an Pfizer gedacht? Wahrscheinlich beim Impfen. Aber genau das ist eigentlich recht spannend. Die Börse hat den Konzern abgehakt, doch hinter den Kulissen passiert eine Menge.

Alte Kassenschlager verlieren ihren Schutz, neue Mittel wachsen zweistellig, und für die Wartezeit gibt es eine Dividende, bei der Sparbuch-Fans große Augen machen. Wir schauen uns an, was für Pfizer spricht und was dagegen. Und es geht um Partner, Rivalen und Zulieferer. Viel Erfolg!

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Wunschanalyse

💊 6,2 % Rendite fürs Warten auf die Wende

Pfizer gilt vielen Analysten derzeit als Paradebeispiel für einen Konzern, den die Börse längst in die Schublade „Ex-Corona-Gewinner“ gesteckt hat, während im Maschinenraum kräftig umgebaut wird. Seit Jahresbeginn ging es für die Aktie um fast 11 % nach oben.

Das zweite Quartal lieferte Argumente für Bullen und Bären. Der Umsatz lag bei 15,03 Milliarden Dollar, operativ nur 1 % über Vorjahr, ohne Corona-Produkte aber 5 %. Der bereinigte Gewinn je Aktie von 0,77 Dollar übertraf die Erwartung von 0,68 Dollar deutlich. Nach den strengen US-Bilanzregeln (GAAP) stand dagegen ein Verlust von 4 Cent je Aktie, weil Pfizer 4,3 Milliarden Dollar auf Medikamentenrechte abschreiben musste. Die Umsatzprognose für 2026 hob das Management trotzdem auf 60,5 bis 62,5 Milliarden Dollar an.

Die Corona-Delle wird dabei immer flacher. Comirnaty und Paxlovid brachten 2023 zusammen noch rund 12,5 Milliarden Dollar, für 2026 plant das Management nur noch etwa 4 Milliarden. Im zweiten Quartal brach Paxlovid um 95 % ein, der Impfstoff um 34 %. Der Clou: Bei der Mitte der Umsatzprognose stehen die beiden Produkte nur noch für etwa 6,5 % des Geschäfts. Ein Klotz am Bein, aber kein Mühlstein mehr.

Das größere Problem heißt Loss of Exclusivity, kurz LOE, also der Verlust des Patentschutzes. Zwischen 2026 und 2030 verlieren Eliquis, Ibrance, Xtandi und Xeljanz ihren Schutz. Allein Eliquis brachte Pfizer 2025 rund 8 Milliarden Dollar. In Europa fällt der Schutz 2026, in den USA im April 2028. Pikant: Eliquis wuchs im zweiten Quartal sogar um 19 %, weil Rabatte in den USA schrumpften. Dagegen setzt Pfizer sein Ersatzportfolio aus neu eingeführten und zugekauften Mitteln. Es brachte im zweiten Quartal 3,2 Milliarden Dollar und wuchs um 18 %, bereinigt um Einmaleffekte sogar um 27 %. Hochgerechnet sind das rund 13 Milliarden Dollar im Jahr. Das Blasenkrebsmittel Padcev steuerte 667 Millionen Dollar bei. Der Lungenkrebswirkstoff Lorbrena legte um 37 % zu, nach sieben Jahren lebten in der Zulassungsstudie 55 % der Patienten ohne Fortschreiten der Krankheit, mit dem Vorgänger waren es 3 %.

Einen echten Befreiungsschlag landete Pfizer vor Gericht. Durch Vergleiche mit drei Generikaherstellern dürfen Nachahmer des Herzmittels Vyndamax in den USA erst ab dem 1. Juni 2031 starten. Die Vyndaqel-Familie setzte 2025 rund 6,38 Milliarden Dollar um. Offen bleibt ein Verfahren gegen Apotex, das den Zeitplan noch kippen könnte. Die nächsten Katalysatoren sind klar terminiert. Im vierten Quartal erwartet Pfizer die Phase-3-Daten zu Mevrometostat bei Prostatakrebs. In einer kleineren Vorstudie blieb die Krankheit mit der Kombination 14,3 Monate stabil statt 6,2 Monate. Dazu kommt das Adipositas-Programm aus der rund 10 Milliarden Dollar teuren Metsera-Übernahme. Die Monatsspritze Berobenatide erreichte bis zu 12,3 % placebobereinigten Gewichtsverlust, also abzüglich des Effekts in der Scheinmedikament-Gruppe. Zehn Phase-3-Studien laufen an.

Die Risiken sind ebenso vorhanden. Das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat Sigvotatug Vedotin verfehlte im Juni in Phase 3 sein Hauptziel und erklärt den Großteil der Abschreibung. Beim Thema Abnehmen sind die erreichten 12,3 % zwar solide, aber kein Spitzenwert, und die erste Zulassung dürfte frühestens 2028 kommen. Zudem verließ Finanzchef Dave Denton Mitte August das Haus. Politisch hat sich Pfizer früh abgesichert. Ende September 2025 schloss der Konzern als erster Pharmariese einen Deal mit der US-Regierung: Medicaid-Patienten erhalten Preise auf dem Niveau anderer Industrieländer. Neue Medikamente starten zu vergleichbaren Preisen, dazu kommen Rabatte über die Plattform TrumpRx. Im Gegenzug gilt eine dreijährige Schonfrist vor Pharmazöllen, verbunden mit 70 Milliarden Dollar zusätzlicher Investitionen in den USA.

Ein nettes Polster bietet die Kostenseite. Bis 2029 will Pfizer netto 9,7 Milliarden Dollar einsparen: 6,7 Milliarden über das Programm zur Senkung der Kostenbasis in Vertrieb, Forschung und Verwaltung, 3 Milliarden in der Produktion. Der Haken: Für die neuen Programmteile fallen einmalig rund 6 Milliarden Dollar an, 2 Milliarden für Digitalisierung und Abfindungen, 4 Milliarden im Werksnetz, dort zu 60 % als nicht zahlungswirksame Abschreibungen.

Bleibt noch die Dividende: Pfizer zahlt 1,72 Dollar im Jahr, das sind aktuell rund 6,2 % Rendite. Gemessen an der Mitte der Gewinnprognose von 2,90 Dollar fließen knapp 60 % raus, bei den GAAP-Zahlen liegt die Quote dagegen über 100 %. Aktienrückkäufe gibt es 2026 nicht, langfristige Schulden von 60 Milliarden Dollar haben Vorrang. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) auf die erwarteten Gewinne der nächsten zwölf Monate liegt bei knapp 10, die Branche bei rund 16. Unterm Strich kaufst du bei Pfizer eine hohe Dividendenrendite plus Investment in zwei spannende Studien. Das Management verspricht ab 2029 fünf Jahre mit hohem einstelligem Umsatzwachstum pro Jahr. Analysten trauen der Aktie im Schnitt nur 28,91 Dollar zu, also gut 4 % Luft nach oben.

Peers

🧬 Wer an Pfizers Patentklippe mitverdienen kann

Pfizer baut nicht allein um. Fast jedes große Projekt des Konzerns hängt an Partnern, Rivalen oder Lieferanten, und an deren Zahlen lässt sich ablesen, wer vom Umbruch profitiert und wer ihn ausbadet. Schauen wir uns die wichtigsten Akteure an, vom Gerinnungshemmer über die Abnehmspritze bis zum Glasfläschchen.

Der engste Verbündete ist sicherlich Bristol Myers Squibb. Beide vermarkten Eliquis gemeinsam und teilen sich weltweit die Gewinne. Bei Bristol Myers Squibb legte Eliquis im zweiten Quartal um 22 % auf 4,48 Milliarden Dollar zu, der Konzern hob die Jahresprognose auf 49 bis 50 Milliarden Dollar Umsatz und 6,75 bis 7 Dollar bereinigten Gewinn je Aktie an. Doch auch Bristol Myers Squibb rechnet 2027 mit einem Rückgang von 1,5 bis 2 Milliarden Dollar durch den europäischen Patentablauf. Mit einem KGV von rund 10 auf die erwarteten Gewinne und knapp 4 % Dividendenrendite ist die Aktie ähnlich bewertet wie Pfizer.

Ein deutscher Akteur mischt beim Thema Blutgerinnung mit: Bayer. Dessen Xarelto ist Eliquis’ großer Rivale und verliert ebenfalls seinen Patentschutz. Hoffnungsträger ist Asundexian, ein Faktor-XIa-Hemmer, also ein Wirkstoff, der gezielter in die Gerinnungskaskade eingreift und weniger Blutungen auslösen soll. In der Studie Oceanic-Stroke mit 12.327 Patienten senkte er das Risiko eines erneuten Schlaganfalls um 26 %, ohne schwere Blutungen zu erhöhen. Bayer peilt 2026 insgesamt 45 bis 47 Milliarden Euro Umsatz an. Für Pfizer ist Asundexian kaum noch eine Bedrohung, denn Eliquis verliert seinen Schutz ohnehin. Bristol Myers Squibb und Johnson & Johnson erwarten Daten ihres eigenen Faktor-XIa-Hemmers Milvexian bei Vorhofflimmern erst im ersten Quartal 2027.

Merck & Co. ist gleichzeitig Partner und Konkurrent. Partner, weil Padcev in Kombination mit Mercks Krebsmittel Keytruda verabreicht wird. Konkurrent, weil Mercks Pneumokokken-Impfstoff Capvaxive bei Erwachsenen gegen Pfizers Prevnar antritt und im zweiten Quartal um 40 % auf 184 Millionen Dollar wuchs. Keytruda brachte 8,4 Milliarden Dollar, verliert seinen Patentschutz aber 2028. Merck kennt Pfizers Problem also bestens. Pfizer kontert mit einem Impfstoff gegen 25 Erreger-Varianten in der Phase 3 für Kinder.

Auf den Abnehmmarkt kommt Pfizer als Spätstarter. Eli Lilly steigerte den Umsatz im zweiten Quartal um 48 % auf 23 Milliarden Dollar, Mounjaro allein brachte 9,9 Milliarden, Zepbound 4,9 Milliarden. Die Jahresprognose liegt bei 85 bis 87 Milliarden Dollar. Novo Nordisk, das im Bieterkampf um Metsera gegen Pfizer verlor, steigerte den bereinigten Umsatz um 7 % auf 78,5 Milliarden Kronen, erwartet für das Gesamtjahr aber bis zu 6 % Rückgang. Selbst die neue Wegovy-Pille, die im Quartal 3,2 Milliarden Kronen einspielte, enttäuschte die hohen Erwartungen, die Aktie fiel nach den Zahlen. Für Pfizer heißt das: Der Markt ist riesig, die Preise sinken aber schnell.

Besonders nah liegt natürlich BioNTech aus Mainz, Pfizers Partner beim Corona-Impfstoff. Der Umsatz brach im zweiten Quartal auf 105,6 Millionen Euro ein, nach 260,8 Millionen im Vorjahr, die Jahresprognose sank auf 1,6 bis 1,9 Milliarden Euro. Mit 16,6 Milliarden Euro an Barmitteln und Wertpapieren hat BioNTech aber reichlich Zeit für seine Krebsforschung. Rückenwind kommt aus Brüssel: Ein Gericht verurteilte Polen und Rumänien im April zur Abnahme von Impfdosen im Wert von zusammen 1,9 Milliarden Euro. Polen hat Berufung eingelegt.

Wo Patente fallen, wartet stets Sandoz. Der Basler Generika- und Biosimilar-Spezialist, also Hersteller von Nachahmern chemischer und biotechnologischer Arzneien, setzte im ersten Halbjahr 5,8 Milliarden Dollar um, währungsbereinigt 5 % mehr. Biosimilars wuchsen um 20 % und stehen für 33 % des Umsatzes. In Dänemark ist Sandoz bereits mit einem Apixaban-Nachahmer gelistet, dem Wirkstoff von Eliquis. Laut Evaluate Pharma geraten zwischen 2026 und 2030 Umsätze von über 300 Milliarden Dollar unter Generika-Druck.

Und dann sind da noch die zahlreichen Zulieferer, die an jeder Spritze verdienen, egal wessen Wirkstoff drinsteckt. Schott Pharma aus Mainz stellt Glasfläschchen und Fertigspritzen her. Nach einem Rekordtief im vergangenen März hob das Unternehmen im Juli die Prognose an: 5 bis 6 % währungsbereinigtes Wachstum und 27 bis 28 % Marge vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Auslöser war eine Einigung mit einem wichtigen Glasspritzen-Kunden.

Lonza aus Basel ist Auftragsfertiger, im Fachjargon CDMO, und produziert Wirkstoffe für Pharmakonzerne. Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz währungsbereinigt um 16 % auf 3,4 Milliarden Franken, die Marge auf 34,8 %. Lonza erweitert in Visp und Stein die Kapazität für Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, also Antikörper, die ein Zellgift gezielt zum Tumor transportieren. Genau auf diese Technik setzt Pfizer mit Padcev und dem bis zu 10,5 Milliarden Dollar schweren Deal mit dem chinesischen Partner Innovent.

Das Muster ist klar: Die Originalhersteller kämpfen mit derselben Klippe und sind entsprechend günstig bewertet. Die Gewinner der Patentabläufe heißen Sandoz und Co., die Profiteure jeder neuen Therapiewelle sind die Zulieferer.

Webinar

🚀 Endspurt an der Börse: Reicht die Kraft für ein starkes Finale?

Das Börsenjahr biegt auf die Zielgerade ein, und alle fragen: Kommt die Jahresendrally? Statistisch zählen die letzten Monate des Jahres zu den stärksten, doch 2026 ist die Lage verzwickt. Der DAX tänzelt nach seinen Sommerrekorden um die 25.000 Punkte, Gold thront über 4.000 Dollar, und der Nahe Osten zerrt an den Nerven. Obendrauf: Berichtssaison und Zinsfrage.

Am Dienstag, 13. Oktober, ab 18 Uhr nimmt Charttechnik-Experte Christian Schlegel DAX, Dow Jones, Nasdaq und Gold unter die Lupe. Welche Marken halten, welche wackeln? Gerade wenn Fundamentaldaten kurzfristig an Gewicht verlieren, verraten Charts Unterstützungen, Widerstände und Trendwenden. Sei dabei!

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