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Strom ist das neue Öl. Und wer die Leitungen verlegt, die Schalter baut und die Speicher füllt, sitzt besser im Sattel als mancher KI-Darling mit dreistelligem KGV.

Diese Ausgabe dreht sich um einen Trend, den du vielleicht für ausgereizt hältst. Wir zeigen dir aber, warum das ein Irrtum sein könnte und wo das Geld gerade wirklich fließt.

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Engpass

⚡ Wie KI das Energiesystem an seine Grenzen treibt

Ein einziges KI-Rechenzentrum verbraucht so viel Strom wie eine mittelgroße Stadt. Und genau dieser Appetit hat aus einem langweiligen Infrastrukturthema einen der heißesten Börsensektoren der letzten Jahre gemacht. Die Frage, die wir uns heute stellen, lautet: Wer profitiert noch und wer zahlt am Ende die Rechnung?

Zwischen 2022 und 2025 ist die 5-Jahres-Prognose für den Spitzenbedarf im US-Stromnetz von 24 auf 166 Gigawatt (GW) geklettert. Mehr als die Hälfte dieses Wachstums soll aus Rechenzentren kommen. Dazu kommt die Re-Industrialisierung der USA, die ebenfalls massiv Strom schluckt. US-Datenzentren haben 2024 rund 183 Terawattstunden (TWh) verbraucht, grob so viel wie Pakistan im gesamten Jahr. Bis 2030 soll dieser Wert auf 426 TWh steigen, ein Zuwachs von 133 %.

Das Problem ist nicht nur der steigende Bedarf. Es ist die Infrastruktur, die diesen Bedarf bedienen soll und die an allen Ecken bricht. Das US-Stromnetz ist chronisch unterinvestiert, und der Transformatorenmangel macht es drastisch sichtbar: Wood Mackenzie warnte 2025 vor einem 30-prozentigen Defizit bei Leistungstransformatoren. Deren Nachfrage ist seit 2019 um 274 Prozent gestiegen, die Stückkosten haben sich fast verdoppelt. Wer heute einen Großtransformator bestellt, wartet 4 Jahre auf die Lieferung.

Hinzu kommt ein kaum bekannter Systemfehler: Rund 2.060 GW installierter Erzeugungskapazität warten in den USA auf die Genehmigung zum Netzanschluss. Zur Einordnung: Das ist mehr als die gesamte aktuell installierte US-Kapazität. Nur 13 % der Projekte, die zwischen 2000 und 2019 einen Anschluss beantragt hatten, erreichten überhaupt den kommerziellen Betrieb. 77 % wurden irgendwann zurückgezogen.

Wer früh drin war, hat gut verdient. 👉Vertiv, ein Spezialist für Rechenzentrumsinfrastruktur, legte 1.300 % zu. 👉GE Vernova, Hersteller von Gasturbinen und Windanlagen, brachte seit dem Spin-off aus dem GE-Konzern 770 %. 👉Quanta Services, ein Dienstleister für den Netzausbau, wird mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 100 bewertet. Für ein Industrieunternehmen ist das außergewöhnlich hoch und zeigt: Viel Optimismus steckt bereits im Kurs.

Das bedeutet nicht, dass diese Aktien fallen müssen. Eine These, die sich weiter entfaltet, kann eine hohe Bewertung rechtfertigen. Aber physische Güter haben eine harte Grenze: Man kann Gasturbinen nicht einfach skalieren wie Software. 👉GE Vernova hat aktuell einen Auftragsbestand von 100 GW und eine angestrebte Jahresproduktion von 24 GW bis 2028. Die Lücke zwischen Nachfrage und Lieferfähigkeit bleibt also noch.

Manche Analysten denken gerade viel über dritte und vierte Wellen-Effekte nachm, also über Konsequenzen aus den Konsequenzen der offensichtlichen Trends.

Ein Beispiel: Kupfer. Jeder Transformator, jede Übertragungsleitung, jeder Datenzentrumsverteiler ist kupferintensiv. Ein einzelner KI-Hyperscaler verschlingt bis zu 50.000 Tonnen Kupfer pro Anlage. BNEF schätzt den jährlichen Kupferbedarf der Branche auf 400.000 Tonnen, mit einem Spitzenwert von 572.000 Tonnen im Jahr 2028. Gleichzeitig prognostiziert S&P Global, dass die globale Kupfernachfrage bis 2040 um 50 % steigt, nämlich von 28 auf 42 Millionen Tonnen. Die Versorgungslücke könnte bis 2035 auf 6 Millionen Tonnen anwachsen.

Ein weiterer unterschätzter Bereich: Batteriespeicher (BESS – Battery Energy Storage Systems). Erneuerbare Energien liefern keinen zuverlässigen Grundlaststrom rund um die Uhr. Netze unter Druck brauchen deshalb Pufferspeicher. BESS-Auslieferungen stiegen 2025 um 75,5 % auf 421 Gigawattstunden, für 2026 werden 600 GWh erwartet. Rechenzentren selbst sind ein wachsender Abnehmer. Sie brauchen Backup-Systeme, die nicht von einem Dieselgenerator abhängen.

Der Stromhunger der Datenzentren hat eine Seite, die politisch unbequem ist. Aluminiumhütten in den USA brauchen Strompreise zwischen 30 und 40 Dollar pro Megawattstunde, um rentabel zu arbeiten. Der aktuelle Durchschnittspreis in relevanten US-Bundesstaaten liegt bei 73 Dollar. Aluminium gilt als „canned electricity", also abgefüllter Strom: Steigt der Strompreis, sterben Hütten. Die Re-Industrialisierung Amerikas und der KI-Boom beißen sich hier gerade gegenseitig in den Schwanz.

Ähnlich betroffen sind kleinere Rechenzentrumsbetreiber, die in Lieferketten hinten anstehen, und die Baubranche, die im Wettbewerb um Elektriker gegen deutlich zahlungskräftigere Tech-Konzerne verliert.

Also: Die besten Investmentideen findet man, wenn man die Probleme versteht, bevor der Markt die Lösungen einpreist. Das gilt für Kupferproduzenten genauso wie für den einzigen US-Hersteller von kornorientiertem Elektrostahl – dem unverzichtbaren Material in jedem Transformator. Wer heute unentdeckte Profiteure sucht, denkt nicht in Wellen erster Ordnung, sondern fragt: Was muss vorhanden sein, damit das alles funktioniert und wer liefert genau das?

Konkrete Ideen

💡 Zweite Reihe, großes Kino: Die unterschätzten Profiteure der Energiekrise

Die Hälfte aller US-Datenzentrum-Bauprojekte liegt 2026 auf Eis. Aber nicht weil Geld fehlt, nicht weil kein Bedarf besteht, sondern weil die elektrische Ausrüstung nicht rechtzeitig geliefert werden kann. Das sieht aus wie ein erhebliches Strukturproblem, das sich über Jahre aufgebaut hat. Und es schafft genau die Gelegenheiten, die viele Anleger suchen, die nicht einfach nur bei 👉Nvidia einsteigen wollen.

👉Powell Industries baut maßgefertigte Hochspannungs-Schaltanlagen, also die elektrischen Steuer- und Schutzeinheiten, die in jedem Datenzentrum sitzen. Das Besondere ist ihr Format: sogenannte „E-Houses", fertig verdrahtete Container-Module, die der Kunde anschließt und sofort nutzt. In einem Markt, in dem Elektriker Mangelware sind, ist diese Plug-and-Play-Lösung mehr als nur Komfort.

👉Cleveland-Cliffs produziert im Butler-Works-Werk in Pennsylvania kornorientierten Elektrostahl – GOES, das magnetisch hocheffiziente Kernmaterial in jedem Transformator. In ganz Nordamerika gibt es kein zweites Werk, das dieses Material liefern kann. 

Die Investment-These erscheint recht attraktiv, aber eingebettet in eine schwierige Bilanz: 7,2 Milliarden Dollar Nettoschulden bei nahezu null EBITDA im letzten Geschäftsjahr. Gleichzeitig laufen mehrere Katalysatoren: ein strategisches Investmentmemorandum mit dem koreanischen Konzern POSCO über rund 700 Millionen Dollar, der Auslauf eines teuren Slab-Liefervertrags mit einer erwarteten EBITDA-Verbesserung von 500 Millionen Dollar, und der Ausbau der Butler-Kapazität um 30 bis 40 % bis Anfang 2027. Dazu kommt das neue Transformatorenwerk in West Virginia das das Unternehmen vom Zulieferer zum Direktanbieter macht.

Die originellste Lösung des Energieproblems kommt vielleicht von 👉Bloom Energy: Festoxid-Brennstoffzellen, die Erdgas direkt vor Ort in Strom verwandeln. Und zwar ohne Turbine, ohne Verbrennungsmotor, ohne Netzanschluss-Warteliste von 4 Jahren. Ein Bloom-System ist in 55 bis 90 Tagen einsatzbereit und liefert fast 100 %  Verfügbarkeit bei 30 % weniger CO₂-Ausstoß als eine Gasturbine. Die 800-Volt-DC-Ausgangsspannung passt exakt zu dem, was KI-Racks der nächsten Generation brauchen.

Das Wachstum spricht für sich: 2025 erzielte Bloom einen Rekordumsatz von 2,02 Milliarden Dollar, ein Plus von 37,3 % gegenüber dem Vorjahr. Der Backlog liegt bei 20 Milliarden Dollar, die 2026-Guidance deckt davon nur 16 % ab. Der Oracle-Deal (bis zu 2,8 GW Brennstoffzellen für US-KI-Datenzentren) ist das bisher größte Vertragssignal. Jefferies erwartet im Bull Case, dass Bloom 2027 bis zu 51 % über den Konsensschätzungen liefern könnte.

👉IES Holdings ist das unbekannteste Unternehmen unserer Liste und von der operativen Qualität her vielleicht das stärkste. Der Elektro- und Infrastrukturdienstleister installiert alles, was in einem KI-Datenzentrum läuft: Glasfaser, Hochstromverkabelung, Flüssigkühlleitungen, USV-Systeme. Das Kommunikation-Segment wuchs zuletzt um 51 % auf 351,9 Millionen Dollar im Quartal.

Wichtiger als das Wachstum ist die Profitabilität: 9 % Nettomarge, Return on Capital deutlich über 20 %. Für einen Dienstleister sind das außergewöhnliche Zahlen. Der eigentliche Schutz des Unternehmens ist kein Patent, sondern ein Execution Moat: Hyperscaler wechseln Elektro-Unternehmer nicht mitten in einem laufenden Milliarden-Projekt. Wer einmal drin ist, baut das nächste Datenzentrum gleich mit.

👉Primoris verdient Geld mit dem Bau von Stromnetzen, Gasgeneratoren und Solaranlagen. Der Backlog von 11,6 Milliarden Dollar (fast das Anderthalbfache des Jahresumsatzes) wäre normalerweise ein starkes Signal. Aber Primoris hat am 21. Juni 2026 eine Gewinnwarnung veröffentlicht, die keine Kleinigkeit ist: Die Guidance für den Nettogewinn 2026 fiel von 223 auf 70 Millionen Dollar. Ursache sind Kostenüberschreitungen im Solar-Segment. Gleichzeitig verließ der COO das Unternehmen fristlos.

Der Gas-Bereich dagegen boomt: fast 800 Millionen Dollar in verbalen Aufträgen für Erdgaskraftwerke. 👉Primoris ist wohl eher kein Kauf für heute. Es ist eine Position für Anleger, die bereit sind, das Solar-Debakel auszusitzen und auf 2027/28 zu schauen.

👉Fluence Energy ist das Joint Venture von Siemens und AES und hat sich zum weltgrößten unabhängigen Anbieter von schlüsselfertigen Batteriespeicher-Systemen entwickelt. Das Geschäftsmodell ist dreischichtig: Hardware, Software durch die KI-optimierte Plattform Fluence IQ und langfristige Serviceverträge. Der Backlog liegt bei 5,5 Milliarden Dollar, die Pipeline bei 128,8 Gigawatt. Für 2026 prognostiziert das Management 3,2 bis 3,6 Milliarden Dollar Umsatz – ein Plus von 48 %.

Zwei Alleinstellungsmerkmale verdienen besondere Beachtung. Erstens: 👉Fluence hat eine vollständig nicht-chinesische Lieferkette. Und in einem Markt, in dem chinesische Wettbewerber gerade mit US-Importzöllen kämpfen, ist das mehr als ein Marketing-Argument. Zweitens: Fluence wurde als exklusiver Energiespeicherpartner für 👉Nvidias Vera-Rubin-Datenzentrumsarchitektur benannt.

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