Guten Morgen {{vorname}},
es gibt eine Zahl, die dir in den News der kommenden Tage vielleicht noch manches Mal begegnen wird. Sie ist fast 100 Jahre alt, stimmt sogar. Und sie führt dich trotzdem in die Irre.
Wir haben uns angesehen, was hinter dem schlechtesten Börsenmonat der Geschichte wirklich steckt. Das Ergebnis könnte dich überraschen. Denn was diesen September 2026 so gefährlich machen könnte, steht nicht im Kalender. Lass uns mal reinschauen!
Börsengesetz?
📉 Der schlechteste Monat seit 1928
Es gibt wenige Statistiken, die so pünktlich jedes Jahr aus der Schublade geholt werden wie diese: Seit 1928 verliert der S&P 500 in jedem September durchschnittlich rund 1,2 %. Kein anderer Kalendermonat schafft über fast 100 Jahre hinweg eine negative Durchschnittsrendite.
Nur 44,5 % aller September-Monate schloss der S&P 500 im Plus, beim Dow sind es sogar bloß 42,6 %. Beim Nasdaq Composite liegt die Gewinnquote seit 1971 mit 52,7 % zwar über der Hälfte. Der Durchschnitt bleibt mit -0,8 % trotzdem negativ.
In Deutschland sieht es kein bisschen freundlicher aus. Der DAX schloss seit 1988 in 20 von 33 September-Monaten im Minus, das ist eine Erfolgsquote von knapp 40 %. Je nach Betrachtungszeitraum liegt das Monatsmittel zwischen -1,2 und -2,2 %. Und der größte Monatsverlust der DAX-Geschichte überhaupt fiel in einen September: -25 % im Jahr 2002.
Aber ein Durchschnitt sagt dir natürlich nichts darüber, wie die Verteilung dahinter aussieht. Die Standardabweichung der September-Renditen liegt bei über 7 Prozentpunkten, also beim Sechsfachen des Effekts, den du ausnutzen willst. Das Signal ist winzig, das Rauschen gewaltig.
Woher kommt der miese Schnitt? Nicht aus vielen kleinen Minusmonaten, sondern aus wenigen Katastrophen. 9 der 40 schlimmsten Monate seit 1928 fielen in den September, mehr als in jeden anderen Monat. Der Oktober kommt auf 6. Ohne 1929, 2001, 2002 und 2008 wäre der September ein völlig unauffälliger Monat.
Für die Schwäche gibt es Erklärungsversuche, aber keinen Beweis. Eine Lesart: Nach dem Sommerurlaub reagieren mehr Marktteilnehmer wieder auf Nachrichten, das Handelsvolumen steigt, und mit ihm die Zahl der Fehlentscheidungen. Eine zweite: Große Fonds schichten im September ihre Depots um, weil das Jahresende in Sichtweite kommt und sie sich mit ihrer Benchmark, also dem Vergleichsindex, an dem ihre Leistung gemessen wird, vergleichen müssen.
Angenommen, du glaubst dem Muster trotzdem. Dann brauchst du zwei richtige Entscheidungen: den Ausstieg und den Wiedereinstieg. Liegst du mit einer davon daneben, ist der Vorteil weg. Sicher sind dagegen die Kosten und, falls Gewinne im Depot stecken, die sofort fällige Abgeltungsteuer.
Der Steuerpunkt wird chronisch unterschätzt. Wer ein Depot mit ordentlichen Buchgewinnen im August räumt, zahlt auf diese Gewinne rund ein Viertel plus Soli, um einem erwarteten Rückgang von gut 1 % auszuweichen. Du gibst also sicher Geld aus, um ein unsicheres Risiko zu vermeiden.
Und die Gegenrechnung? 12 Monate nach einem Rekordhoch brachte der S&P 500 zwischen 1988 und 2023 im Schnitt 13,4 %, gegenüber 11,9 % über alle Zwölfmonatszeiträume hinweg. Dazu kommt: Der September steht am Anfang des saisonal stärksten Jahresdrittels. Wer den Monat meidet, riskiert, auch die Wochen danach zu verpassen. Historisch entwickeln sich die US-Indizes im letzten Jahresdrittel in 2 von 3 Jahren positiv.
Also: Den September-Effekt gibt es sicherlich, aber er ist wahrscheinlich nur eine Fußnote. Er taugt, um zu verstehen, warum die Nervosität im Herbst steigt. Er taugt wohl kaum als starkes Verkaufssignal für dein Depot.
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Wie gehst du in diesen September?
Ausblick
🏦 Warum dieser September wirklich heikel werden könnte
Vergiss für einen Moment die Statistik von vorhin. Der eigentliche Grund, warum dieser September unruhig werden kann, steht in keinem Saisonalitätschart, sondern im Kalender. Innerhalb von 13 Tagen kommen nämlich drei Termine, von denen jeder einzelne den Markt bewegen kann. Und sie bauen aufeinander auf.
Der Ablauf: Am 4. September der US-Arbeitsmarktbericht für August, am 11. September die Verbraucherpreise. Am 16. September entscheidet die Fed. Der Hintergrund ist ungewöhnlich. Die US-Notenbank hält den Leitzins seit Dezember 2025 bei 3,50 bis 3,75 %, fünf Sitzungen in Folge ohne Änderung. Aber schon im Juli stimmten drei Mitglieder des Entscheidungsgremiums dagegen. Sie wollten höher.
Und in Jackson Hole hat Fed-Chef Kevin Warsh diese Tür bereits recht weit aufgestoßen. Er nannte den Verbraucherpreisindex mit 3,4 % und das bevorzugte Fed-Maß mit 3,7 % für die zwölf Monate bis Juli und sagte, die guten Sommerwerte zeigten ihm keine echte Verbesserung des Grundtrends. Mehr als die Hälfte aller erfassten Waren und Dienstleistungen verteuerte sich binnen eines Jahres um 3 % oder mehr.
Der Markt hat sofort umgepreist. Vor der Rede lag die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September bei rund einem Drittel, direkt danach bei etwa 50 %, wenige Tage darauf bei gut 60 %. Die zweijährige US-Rendite sprang von 4,22 auf 4,30 %. Am Anleihemarkt ist die Bewegung noch deutlicher. Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert bei 4,73 %, die dreißigjährige bei 5,22 %. Die 30-jährige Auktion am 13. August ging bei 5,216 % durch. Das ist der höchste Auktionssatz seit Jahrzehnten. Der Markt verlangt für langes Geld also längst deutlich mehr, als der Leitzins hergibt.
Auch wichtig: Wenn die Zinskurve die Kapitalkosten schon höher eingepreist hat als die Notenbank, verändert eine Anhebung um 25 Basispunkte wenig an der Finanzierungsrealität für Unternehmen. Die Inflationsdaten haben der Fed nur die Optionen genommen. Gleichzeitig kippt der Arbeitsmarkt. Im Juli verlor die US-Wirtschaft 23.000 Stellen, erwartet worden waren 83.000 bis 95.000. Und was vor diesem Hintergrund so manche Analysten noch weglassen: Mai und Juni wurden zusammen um 103.000 Stellen nach unten revidiert, und die Erwerbsquote fiel auf 61,4 % – außerhalb der Corona-Zeit der niedrigste Wert seit Mitte der Siebzigerjahre. Die Arbeitslosenquote sank also nur, weil Menschen den Arbeitsmarkt verlassen haben.
Genau daraus entsteht womöglich eine Zwickmühle. Steigt die Inflation weiter, muss die Fed erhöhen. Bricht der Arbeitsmarkt weiter weg, kann sie es kaum. Der Bericht am kommenden Freitag entscheidet also indirekt über den Zinsentscheid zwölf Tage später.
Was folgt aus all dem für dich und dein Depot? Wahrscheinlich besser nicht verkaufen wegen eines Kalenderblatts. Aber wissen, dass dein Depot vermutlich stärker an einem einzigen Inflationswert am 11. September hängt als an der Saisonalität der letzten 100 Jahre.
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