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während viele Themen-ETFs am Ende doch vor allem breit gestreute Technologiekonzerne enthalten, setzt ein neuer ETF konsequent auf jene Unternehmen, die das Thema Quantencomputing tatsächlich vorantreiben. Nach einem kräftigen Rücksetzer deutet die jüngste Erholung zudem auf einen günstigeren Einstiegszeitpunkt hin.
Was Quantencomputing eigentlich ist
Quantencomputing ist ein junger Zweig der Chipindustrie, der Effekte der Quantenphysik nutzt, um Rechenleistung zu erzeugen, die klassische Computer prinzipiell nicht erreichen können. Dadurch lassen sich bestimmte, extrem komplexe Berechnungen um ein Vielfaches schneller lösen als auf einem klassischen Supercomputer, etwa in der Materialforschung, der Medikamentenentwicklung, der Logistik oder im Finanzwesen. Besonders vielversprechend erscheint Marktbeobachtern dabei das Zusammenspiel mit Künstlicher Intelligenz, da beide Technologien zusammen neue Anwendungsfälle ermöglichen könnten, die bislang als unlösbar galten.
Was der Fonds ist und wie er aufgesetzt ist
Der Boreas Solactive Quantum Computing UCITS ETF USD (Acc) mit der ISIN IE000N7LUK04 bildet als einziger ETF den Solactive Developed Quantum Computing Index ab. Der Index war hierbei bei seiner Auflage im Oktober 2024 der erste weltweit, der sich ausschließlich auf das Thema Quantencomputing konzentrierte. Aufgelegt wurde der Fonds am 23. Februar 2026 von der Plattform Boreas, einer noch jungen Marke für thematische ETFs, die von der Investmentgesellschaft Lunate aus Abu Dhabi verwaltet wird. Das Team hinter Boreas bringt Erfahrung von etablierten ETF-Anbietern wie BlackRock iShares, FTSE Russell und dem Marktmacher Flow Traders mit und hat sich auf sogenannte „True to Theme“-ETFs spezialisiert, also Themenfonds, die ein Anlagethema möglichst unverwässert abbilden sollen.
Der Fonds bildet den Index durch vollständige physische Replikation ab und ist thesaurierend, reinvestiert Erträge also automatisch. Mit einem Fondsvolumen von fast 10 Millionen Euro auf Ebene des Gesamtfonds über alle Anteilsklassen hinweg ist er weiterhin ein kleiner Fonds, was bei einem so jungen Produkt nicht ungewöhnlich ist. Bei den Kosten ist er mit 0,49 Prozent pro Jahr der günstigste von vier in Europa handelbaren Quantencomputing-ETFs, denn die Konkurrenzprodukte verlangen zwischen 0,50 und 0,55 Prozent.
Wie der Index seine Titel auswählt: die ARTIS-Methode
Bei einem derart jungen Technologiefeld wie Quantencomputing stoßen klassische Auswahlkriterien schnell an ihre Grenzen. Die meisten Unternehmen in diesem Bereich erzielen bislang kaum nennenswerte Umsätze oder Patente, an denen sich ein Index sonst orientieren würde. Solactive nutzt für diesen Index deshalb ein hauseigenes Sprachanalyse-Tool namens ARTIS, das Finanznachrichten, Unternehmensbeschreibungen und Veröffentlichungen auswertet und daraus für jedes Unternehmen einen Relevanz-Score zum Thema Quantencomputing errechnet.
Das unterscheidet sich von der üblichen, eindimensionalen Branchenklassifizierung, bei der ein Unternehmen nur einer einzigen Kategorie zugeordnet wird. Gewichtet wird der Index anschließend nicht nach Marktkapitalisierung, sondern nach diesem Relevanz-Score. Das erklärt auch, warum in der Zusammensetzung kleinere, hochspezialisierte Unternehmen wie IonQ mit 9,95 Prozent deutlich schwerer wiegen als ein Schwergewicht wie NVIDIA mit 4,07 Prozent.
Ein besonders unverwässerter Zugang zum Thema
Nach Angaben des Anbieters stecken rund 55 Prozent des Portfolios in Unternehmen, deren Geschäft sich nahezu vollständig um Quantencomputing dreht. Damit bietet der ETF einen deutlich höheren Anteil an Pure-Play-Werten als die meisten anderen Quantencomputing-ETFs. Indizes, die sich stärker an Umsatz- oder Patentzahlen orientieren, nehmen dadurch teils auch große, branchenfremde Standardwerte auf. Bei einem Konkurrenzprodukt zählen etwa die US-Großbanken Bank of America und Wells Fargo zu den zehn größten Positionen, bei einem anderen liegt der chinesische Suchmaschinenbetreiber Baidu mit 6,6 Prozent sogar auf Rang fünf, gefolgt vom Internetkonzern Tencent, zwei Digitalkonzernen, deren Kerngeschäft Suchmaschine, Gaming und soziale Netzwerke sind, nicht Quantencomputing. Der Index wird zudem alle sechs Monate neu zusammengestellt, um sicherzustellen, dass er stets die aktuell relevantesten Unternehmen in einem sich schnell entwickelnden Marktumfeld enthält.
Die drei größten Positionen im Überblick
Größte Position ist momentan IonQ mit 9,95 Prozent, ein auf Ionenfallen-Technologie spezialisierter Hersteller von Quantencomputern, der seine Rechenleistung Kunden über die Cloud-Plattformen von Amazon, Microsoft und Google zugänglich macht und dabei auch auf langfristige Forschungsverträge mit Behörden und dem Verteidigungsministerium der USA setzt. Mit der milliardenschweren Übernahme des britischen Unternehmens Oxford Ionics hat IonQ 2024 seine Position bei dieser Technologie weiter ausgebaut und gilt als einer der Vorreiter der Branche.
Zweitgrößte Position ist D-Wave Quantum mit 8,63 Prozent, eines der ältesten kommerziellen Quantencomputing-Unternehmen, das im Unterschied zu vielen Wettbewerbern auf eine andere Technologie setzt, das sogenannte Quantum Annealing, spezialisiert auf komplexe Optimierungsprobleme. D-Wave hat nach eigenen Angaben bereits einen sogenannten Quantenvorteil bei der Simulation magnetischer Materialien erzielt, also eine Aufgabe schneller gelöst als ein klassischer Supercomputer.
Drittgrößte Position ist SEALSQ mit 8,05 Prozent, ein Unternehmen, das im Unterschied zu den beiden erstgenannten keine Quantencomputer baut, sondern Chips zur Absicherung gegen Quantencomputer entwickelt, also eine quantensichere Verschlüsselung. Ausreichend leistungsfähige Quantencomputer könnten künftig heutige Verschlüsselungsstandards knacken, weshalb Behörden und Unternehmen schon heute auf quantenresistente Sicherheitschips umstellen.
Die jüngste Entwicklung: Rückschlag und Erholung
Durch den bewussten Verzicht auf Verwässerung kommt die Stärke des Quantencomputing-Themas ungefiltert in beide Richtungen an. Auf Sicht von drei Monaten steht ein Minus von etwa 14 Prozent zu Buche, der Nachklang einer Korrektur des zugrunde liegenden Index nach dessen Hoch im Frühsommer. Auf Sicht von einem Monat hat sich der Fonds jedoch bereits wieder um ungefähr 6 Prozent erholt und seit Auflage liegt das Plus trotz Korrektur bei 17 Prozent. Damit können Anleger aktuell zu einem im Vergleich zum Frühsommer-Hoch günstigeren Kurs einsteigen können, sofern sich die Erholung fortsetzt. Optimistisch stimmt hierbei, dass sich der zugrundeliegende Solactive-Index seit Ende April 2025 mit fast 180 Prozent deutlich besser entwickelt als die übrigen derzeit von europäischen Quantencomputing-ETFs verwendeten Indizes, die im selben Zeitraum Wertsteigerungen zwischen 83 und 127 Prozent erzielten.
Die Treiber für die kommenden Jahre
Nach Einschätzung von Marktbeobachtern hängt die weitere Entwicklung des Quantencomputing-Themas vor allem an drei Stellschrauben: technologischen Fortschritten auf dem Weg zu fehlerkorrigierten Quantencomputern mit rund 100 stabilen Qubits, wachsenden Umsätzen der beteiligten Unternehmen sowie anhaltenden Investitionen und weiteren Börsengängen in der Branche. Bei allen drei Punkten gibt es derzeit Fortschritte, was tendenziell gerade jenen Unternehmen zugutekommt, deren Geschäft sich stark auf Quantencomputing konzentriert, also den Pure-Play-Werten, die in diesem ETF besonders stark vertreten sind.
Für wen sich der ETF eignet
Der Boreas Solactive Quantum Computing UCITS ETF USD (Acc) eignet sich für Anleger, die gezielt und möglichst unverwässert an der langfristigen Entwicklung des Quantencomputing-Themas teilhaben möchten und dabei bereit sind, deutliche Kursschwankungen auszuhalten. Wegen der Konzentration auf ein einzelnes, noch sehr frühes Technologiefeld sowie auf US-Technologiewerte eignet sich der Fonds nicht als Depotkern, sondern als gezielte Beimischung. Die insgesamt klar positive Entwicklung seit Auflage zeigt hierbei bereits die großen Potenziale des Zukunftsfelds, das langfristig noch deutlich an Bedeutung gewinnen dürfte.
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